ja nicht so viel Gewicht aufgelegt. Du hörst auf deinen Körper und achtest auf seine Zeichen.
Am 10. Juni fand die OP statt. Was ging dir danach in Bezug auf deine Zukunft als Bodybuilder durch den Kopf? Als ich im Krankenhaus lag, dachte ich, alles sei vorbei. Ich würde meine Sponsorenverträ- ge verlieren und nie mehr auf einer Wett- kampfbühne stehen – und das nachdem ich gerade meine Profilizenz bekommen hatte [durch den Sieg der British Championships 2009]. Ich dachte dauernd an Jean-Pierre Fux und was ihm passiert war. [Der ehemalige Topprofi riss sich 2002 beide Kniesehnen, als er für ein Fotoshooting Kniebeugen mit 320 kg machte. Danach nahm er nur noch einmal an einem Wettkampf teil, konnte sich nicht platzieren.] Mir fielen Fotos von ihm ein und ich fragte mich, ob ich je wieder in der Lage sein würde, zu trainieren.
Wie ging es deinen Beinen in den ersten Wochen nach der OP? Nur [aus dem Krankenhaus- bett] aufzustehen und ins Bad zu gehen, war das Brutalste, das ich bis dahin gemacht hatte. Ich konnte meine Beine nicht beugen. Acht Wochen lang trug ich Schienen. Das erste Mal, als ich auf Toilette ging, versuchte ich, mich zu balancieren, um zu stehen und zu tun, was ich tun musste. Ich fiel hin, Blut schoss aus meinen Wunden. Da durchzuckte es mich ein Schlag: Seht mich bloß an, ich bin behindert! Nach dieser Erfahrung verkniff ich mir den Gang auf die Toilette oft stundenlang.
Wann hast du gemerkt, dass ein Teil deiner Kraft zurückkam? Zwei Wochen nachdem der Gips weg war, fing ich an, mit Schienen und gestreckten Beinen zu gehen. Es gab Tage, an denen ich deprimiert war, weil ich in meiner Wohnung festsaß. Ich zwang mich, in der Wohnung auf und ab zu gehen, weil ich unbedingt stärker werden und raus wollte. Ich hörte auf, ungesundes Zeug zu essen. Fing an, sauber zu essen, aber weniger als vorher. Ich war nicht sehr aktiv, also brauchte ich nicht so viel Nahrung. Morgens nach dem Aufstehen machte ich jeden Tag Gymnastik und Dehnübungen. Das machte ich sechs Wochen lang, aber ich hatte es so satt, in meiner Wohnung gefesselt zu sein. Gott sei Dank gibt es das Internet und Fernseher und DVDs. Ich habe auf alle Fälle die kleinen Dinge
des Lebens schätzen gelernt. Einfach nur normal zu gehen, kann ein Segen sein, wenn man weiß, wie viele Leute das nicht können.
Wie war das, als die Schienen abkamen? Ein super komisches Gefühl. Ich hatte das Gefühl, wenn ich meine Beine nur ein bisschen beugen würde, würde ich hinfallen, selbst mit den Krücken. Und ich hatte unheimlich viel Beweglichkeit und Muskelkraft verloren. Ich dachte: „Um Gottes willen, schaut euch bloß den erbärmlichen Zustand meiner Beine an!“ Aber dann sagte ich mir, dass ich zwei Möglichkeiten hatte. Ich konnte in meine dunkle Höhle zurück und mich verkriechen, oder ich konnte jeden Tag nehmen, wie er kam, und mich langsam aber sicher wieder in Form bringen. Manche Tage waren absolut deprimierend. Ich blieb 12 Stunden im Bett. Dass alles, wofür ich gekämpft hatte im Leben, mit einem Mal weg war – der Gedanke
Hast du damals irgendetwas für deine Beine gemacht? Ich habe viel Stretching gemacht. Und nach einer Weile konnte ich endlich Kniebeugen mit meinem Körpergewicht machen. Zuhause machte ich wiederholungsreiche Sätze Beinstrecken ohne Gewicht. Morgens 5 Sätze à 50 und abends 5 Sätze à 50. Nachdem ich auf die Art etwas Kraft aufgebaut hatte, fing ich an, sehr leichtes Beinstrecken im Studio zu absolvieren.
Hast du die Internet-Kommentare über dich verfolgt? Manchmal sah ich zufällig Kommentare wie „Zack Khan ist erledigt“. Die Leute können sehr grausam sein hinter einem Computer. Manchmal hat es mir etwas ausgemacht. Aber dann dachte ich, die haben keine Ahnung, wie entschlossen und fokussiert ich bin. Damals war mir klar, dass ich alles tun würde, was in meiner Macht stand, um ihnen zu zeigen, dass sie Unrecht hatten.
Im Dezember 2010 gab es einen Rückschlag. Erzähl uns darüber. Ich hatte angefangen, einigermaßen Fortschritte zu machen, als ich im Dezember eine Infektion in meinem linken Knie bekam und wieder operiert werden musste. Das hat mich total zurückgeworfen. Sie mussten die Sehnen wieder komplett abtrennen und neu ansetzen. Ich war wieder am Nullpunkt, musste sechs Wochen lang einen Gips und danach eine Schiene tragen. Mental und körperlich war das ein Desaster.
„MIR WAR KLAR, DASS ICH ALLES TUN WÜRDE, WAS IN MEINER MACHT STAND, UM IHNEN ZU ZEIGEN, DASS SIE UNRECHT HATTEN.“
war einfach zuviel für mich. Also war ich stark gegen mich selbst und trichterte mir ein: „Ich kann das schaffen, ich kann es schaffen.“ Als meine Beine endlich wieder so kräftig waren, dass ich normal gehen konnte, meldete ich mich in einem Fitnesscenter an. Dort gab es nur Maschinen, keine Freihanteln, aber ich fing an, meinen Oberkörper wieder zu trainieren.
Du musstest also erneut durch die Prozedur, wieder die Kraft und Beweglichkeit aufzubauen, um einfach normal gehen zu können. Wann fingst du danach wieder mit dem Beintraining an? Nicht vor Juni [2011] und ich musste wieder ganz von vorn anfangen, erst ohne Gewichte und dann mit extrem leichten Gewichten. Nach solchen Verletzungen zurückzukommen ist enorm hart. Jeder Tag war ein Kampf mit mir selbst.
Ich habe ein Video von dir gesehen, als du letzten Dezember Bankkniebeugen gemacht hast und bei 60 kg Schluss war. Das war das erste Mal seit 16 Monaten, dass ich bei Kniebeugen überhaupt Gewicht