erkannte es damals nicht“, sagt Eslinger, „aber er versuchte nur, mir etwas Feuer unter dem Hintern zu machen und mir etwas Schub zu verpassen. Als ich die Jump Wings bekam, bedeutete das, etwas zusätzlich zu machen und etwas weiter zu gehen, also konnte ich zurückkehren und allen sagen, ‚Seht mal, was ich gerade geschafft habe.’“
Als er sich einschrieb, drehte sich das
Ausmaß von Eslingers Armee-Wissen um die 101. Airborne Division, die berühmten Screaming Eagles aus Fort Campbell, KY, so dass er seinem Musterungsoffizier sagte, dass er dort hin müsste. Er wollte ein Fallschirmjäger sein und genau das wurde er, eingerahmt von einer 13-monatigen Beschäftigung bei der 38. Parallel – der historisch spannungsreichen Grenze zwischen Nord- und Südkorea. „Man muss ein Elite-Soldat sein, um in der EMZ (Entmilitarisierten Zone) zu arbeiten“, sagt er. „Man muss eine bestimmte Körpergröße und genug Gewicht haben, denn der Zweck dort ist, für die Nordkorea- ner furchterregend auszusehen. Körperlich muss man die Rolle des größten, bösesten Soldaten spielen, den es gibt. Man muss eine bestimmte Gemeinheit mitbringen. Wenn man es nicht tat, wurde man versetzt - und man wollte das nicht zulassen, denn wenn man im Militär von einem Job abgezogen wurde, würde der nächste Job 50-mal schlimmer sein.“
SEISMISCHE VERLAGERUNG Eslinger kümmerte sich um seine Wäsche am Morgen des 11. September 2001, hatte gerade 24 Stunden Dienst hinter sich. Er hatte nichts Sauberes mehr zum Anziehen, aber das war seine geringste Sorge. Fort Campbell, wo er drei Monate zuvor zu der 101. zurückgekehrt war, war abgeriegelt und es war Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen. Einen Monat später war die 101. auf dem Weg nach Deutschland, wartete auf ihren Einsatz in Afghanistan. „Es dauerte nicht lange“, sagt Eslinger.
„Aus Deutschland bekamen wir Befehl, nach Afghanistan zu fliegen, und es war mit- ten im Kugelhagel. Die ersten zwei Minuten waren etwas, das Steven Spielberg nicht in einem Film darstellen könnte. Für einen 21-Jährigen, der zum ersten Mal im Krieg war, für jeden, gibt es nichts, was sich mit dieser Intensität vergleichen lässt.“ Zwei Monate nach Beginn seiner ersten
Tour – die 191 Tage dauerte – sah Eslinger zum ersten Mal, wie ein enger Freund starb. Im Gegensatz zu dem, was seine Schulfreunde seiner Meinung nach zu diesem Zeitpunkt machten - an einem Strand an Floridas Küste trinken -, verändert es alles, den Tod aus nächster Nähe zu sehen. „Es ist ein bestimmtes Gefühl, jemanden zu verlieren, der für etwas so hart gekämpft hat wie du selbst“, sagt er. „Zu sehen, wie jemand stirbt, der diese Uniform trägt, auf der auf der linken Brust U.S. Army steht, ist nicht, als würde man sehen, wie jemand in einem Kranken- hausbett stirbt. Man hat nicht einmal dreißig Sekunden, um darüber nachzuden- ken, denn man könnte der Nächste sein.“
Eslinger hat fast 90 Pfund Muskelmasse seit seiner Verletzung aufgebaut.
HEIMKEHR Nach den Verletzungen, die er im Irak erlitten hat, zahlreichen Operationen und neun Monaten Physiotherapie später kehrte Eslinger nach Sebring zurück nachdem er am 19. Februar 2006 aus der Army entlassen worden war. Er war wieder auf Heimatboden, aber seine Karrieresitu- ation war ein buchstäbliches Dilemma. Er wollte im Militär bleiben, aber die Armee hielt ihn für ein Risiko in Bezug auf Kampfmissionen, weil er seinen Nacken gebrochen hatte. Sie wollten andererseits auch nicht, dass jemand mit seinem Kampftraining und seiner Erfahrung in einer Verwaltungsposition hinter einem Schreibtisch sitzt. „Als ich nach Hause kam, wusste ich nicht, wie ich die unbeantworteten Fragen, die ich über den Irak und die Dinge, die ich
„FÜR EINEN 21-JÄHRIGEN, DER ZUM ERSTEN MAL IM KRIEG IST, LÄSST SICH DIESE INTENSITÄT NICHT VERGLEICHEN.“
in Afghanistan gesehen hatte, verarbeiten sollte“, sagt er. „Ich wusste nicht, wie ich meine Wut kontrollieren und in die normale Gesellschaft passen sollte. Ich hatte nicht in der normalen Gesellschaft gelebt, seit ich 17 und in der Schule war.“ Wenn sich der menschliche Körper an die temporeiche Intensität des Kampfes anpassen muss, tut er das schnell. Entspan- nen ist jedoch eine ganz andere Geschichte. Das ist schwerer, denn der Verstand lässt Sie nicht vergessen. Eslinger sah zwei Wege, sich zu entspannen, und einer – Pillen einwerfen – war aufgrund einer Familien- historie mit Medikamentenmissbrauch und Sucht keine Option. Er wollte nicht immer, wenn er seine Faust durch eine Wand schlagen wollte, eine Tablette nehmen.