An dem Tag, als ich Flex Lewis zum ersten Mal traf, war er 20 und für sein erstes FLEX-Fotoshooting nach Südkalifornien geflogen. Obwohl er in den 13 Monaten davor die meisten wichtigen Juniorentitel in Europa gewonnen hatte, war der Möbeltransporteur aus Llanelli, Wales, außerhalb Großbritanniens kaum bekannt. Derart herausragend waren seine Beine für einen 20-Jährigen, dass ich ihm den Spitznamen „The Welsh Wheels“ verpassen wollte (er bevorzugte „The Welsh Dragon“), aber seine obere Hälfte blieb in trauriger Weise hinter seinem Unterkörper zurück. Bei 82 kg Gewicht benötigte er noch einiges an Masse. Er war wie eine Skizze, aus der eines Tages ein
Meisterwerk werden könnte, die aber höchst- wahrscheinlich ein Bleistiftumriss bleiben würde. Die meisten jungen und vielversprechenden Bodybuilder tauchen wieder in der Versenkung ab, ohne je einen Fuß auf eine Profibühne gesetzt zu haben. Ich war nicht allein mit meiner Einschät-
84 FLEX
zung, dass Flex Lewis einer der vielen jungen Sterne am Bodybuildinghimmel sein würde, die schnell aufsteigen, früh ihre Spitzenform erreichen und schnell wieder verglühen. Und doch hatte seine Persönlichkeit – der selbstiron- ische Humor, der unbändige Optimismus, die unstillbare Lust auf Wissen – etwas, das es einem leicht machte, sein Fan zu werden. Vielleicht, nur vielleicht, war dieser Bursche ja doch anders.
1
FOKUS POWER Power spielte von Anfang an eine große Rolle in Lewis´ Workouts. Die erste Übung, die er als
Teenager, der von Rugby auf Bodybuilding umschwenkte, regelmäßig ausführte, war die Kniebeuge. Später trat er einem Studio bei und fing mit Powerlifting an. „Ich wollte sowohl stark als auch massiv sein“, erinnert er sich. „Und ich trainierte in einem YMCA, wo es viele Powerlifter gab. Also übernahm ich ihren Trainingsstil – machte die Basisübungen und wenige Wh.“ Verbundübungen mit 6-10 Wh sind bis heute das zentrale Thema von Lewis´ Programmen geblieben.
2
INDIVIDUELLER ANSATZ „Es ist toll, über die Champions zu lesen und zuzusehen, was sie machen, und ich
lerne ständig dazu“, sagt er, „aber du musst das machen, was für dich persönlich am besten funktioniert, nicht das, was für jemand anderen am besten funktioniert, selbst wenn dieser