Wie beurteilst du die Top Sechs der Arnold Classic 2012? Mit meiner Prognose lag ich ja falsch, was beweist, dass ich keine Ahnung habe von dem Sport – haha! Mein Tipp für den Sieger war Dennis (Wolf). Ich dachte einfach, er wäre der massivere Kerl, und war unsicher, wie Branch (Warren) aussehen würde.
1. BRANCH WARREN Glückwunsch an Branch. Er sah
fantastisch aus, erst recht in Anbetracht seiner verrückten Beinverletzung, die 99% von uns viel länger aus der Bahn geworfen hätte als ihn. Seine Einstellung ist unübertroffen. Er ist ein Kämpfer und reißt sich in jedem Training den Hintern auf. Seine Arbeitsmoral respektiere ich über alle Maßen. Ich weiß, er will nicht, dass von einem Comeback gesprochen wird, aber ich denke, es war ein unglaubliches Comeback. Das Erstaunliche war, dass er so viel Masse hatte, dass selbst ein Quadrizepsriss ihm nichts anhaben konnte. Ein dickes Kompliment also an Branch. Er sah großartig aus. Ich fand nicht, dass sein Bein ein großes Problem war. Den Most Muscular Award gewann er trotzdem, er hatte also reichlich Masse.
2. DENNIS WOLF Ich war nicht bei der Vorentscheidung,
habe nur Teile des Webcast (der Vorentscheidung) gesehen und da sah Dennis klasse aus. Wenn er auf einem kleinen Computer dermaßen gut aussah, bin ich sicher, in Natur war er phänomenal. Er hätte gewinnen können. Ich denke, es war unentschieden zwischen ihm und Branch. Seine Enttäuschung war bestimmt groß. Wie er bin auch ich zweimal (2008 und 2009) bei der Arnold Zweiter geworden, und obwohl die Entscheidung vielleicht beide Male umstritten war, macht es das nicht leichter, sie zu akzeptieren. Im Gegenteil: Es macht es sogar schwerer. Ich habe zu ihm gesagt, das Gute ist, dass man daraus lernen kann. Wenn man konstant ist, wird man früher oder später belohnt. Aber ich habe ihm auch gesagt, solange ich Mr. Olympia bin, kann er sich noch Zeit lassen.
3. EVAN CENTOPANI Evan belegt ähnliche Plätze wie ich, als ich
130 FLEX
vor vier oder fünf Jahren auf dem Weg nach oben war. Aber die nächste Stufe zu erklimmen, wird hart, denke ich. Dafür muss er ein paar wirklich unübersehbare Veränderungen an seinem Körper vornehmen. Jeder hatte sehr hohe Erwartungen an ihn. Und was er tun muss, ist, nicht auf sie hören. Alle wollen ihn erfolgreich sehen, weil er ein netter Kerl ist und einen tollen Körper hat. Manchmal habe ich den Eindruck, die Leute loben dich in den Himmel und wenn du dann nicht gewinnst, behaupten sie, du hättest zu wenig geliefert. Aber er hat nicht zu wenig geliefert. Er hat bei der Arnold den dritten Platz geschafft und das ist fabelhaft. Ich sehe es nicht als Niederlage. Jetzt wird er hoffentlich endlich am Olympia teilnehmen und erfahren, wie er im ultimativsten aller Bodybuildingwettkämpfe abschneidet.
„ES GIBT DA DRAUSSEN EINIGE GROSSARTIGE BODYBUILDER, ABER SORGEN MACHE ICH MIR MOMENTAN IN BEZUG AUF NIEMANDEN. ÜBER DAS, WAS SIE MACHEN, HABE ICH KEINE KONTROLLE. ICH HABE NUR DIE KONTROLLE ÜBER DAS, WAS ICH MACHE.“
4. BEN PAKULSKI Ein klasse Wettkampf für Ben. Noch nie
habe ich ihn besser konditioniert gesehen. Dass er mit Dexter Jackson einen Mr. Olympia und dreifachen Arnold-Champion schlug, hat ihnen einen großen Sprung nach vorn gebracht. Das wird sich also auf alle Fälle positiv auf seine Karriere auswirken. Aber es bedeutet auch, dass manche Athleten eventuell am Ende ihrer Karrieren angekommen sind, wenn sie anfangen, von Kerlen geschlagen zu werden, die normalerweise nicht mal im selben Vergleich mit ihnen stehen würden. In meinen Augen ist Ben immer noch etwas klobig und wird jemanden mit einer viel besseren Form nicht überholen können, es sei denn, er kann ihn einfach mit seiner Masse schlagen. Genau das ist ihm hier bei ein paar Kerlen gelungen.
5. DEXTER JACKSON Dexter war nicht derselbe Dexter. Er hat
einen schönen Körper, wird aber inzwischen von Kerlen eingeholt, die ihn früher nie eingeholt hätten. Aber abschreiben sollte man ihn trotzdem nicht, denn bei der Masters Pro World letztes Jahr hat er bewiesen, dass er zurückkommen und allen einen Schock verpassen kann. Ich finde es hoch anerkennenswert, dass er sich heute in seinem Training wesentlich mehr ins Zeug legt als früher, als ihm vieles viel leichter fiel. Inzwischen reißt er sich den Hintern auf und nach all den Jahren ist er immer noch relevant in unserem Sport.