Als Leser der FLEX sehe ich immer Fotos von dir in Wettkämpfen, weiß aber nicht viel über dich. Wie kamst du zum Bodybuilding? Erst einmal vielen Dank an Weider/AMI dafür, dass mein Traum wahr wurde, ein Weider- Athlet zu sein. Als Jugendlicher war ich Turner auf hohem
Niveau und obwohl wir arm waren, arbeitete meine Mutter sehr hart, um mir zu helfen, meinen Traum, im Sport erfolgreich zu sein, zu verwirklichen. Sie fuhr mich jeden Tag zum Turnen, eine zweistündige Fahrt, aber wir hatten nicht genug Geld für Benzin. Außerdem musste sie meine Schwestern und meinen Bruder dafür allein zu Hause lassen, also beschloss ich, mit Turnwettkämpfen aufzuhören und mit Fußball anzufangen. Ich war ein Naturtalent. Es fiel mir leicht, weil ich immer schon eine gute Koordination hatte und ein schneller Sprinter war. Bald wurde ich gefragt, ob ich für den AFC Ajax spielen wollte, und von da an trainierte ich jeden Tag. Nach einer schweren Knöchelverletzung,
die schließlich operiert werden musste, verlor ich meinen Platz in der Mannschaft und wurde durch einen anderen Spieler ersetzt. Das war der Moment, als ich mit Bodybuilding anfing. Natürlich war ich verzweifelt und sauer, dass man mich so schnell ersetzt hatte. Am Anfang war ich wirklich sehr deprimiert und hatte Mitleid mit mir selbst. Heute blicke ich zurück und bin froh, dass meine Fußballerlaufbahn damals endete, weil ich sonst nicht angefangen hätte, als Bodybuilder Karriere zu machen. Ich verfolgte meinen Traum, wie Arnold
Schwarzenegger zu sein, und dieser Traum fing an wahr zu werden, als ich die Arnold Classic Amateur gewann. Arnold höchstpersönlich, auf dessen Foto ich in meinem Studio jeden Tag geschaut hatte, überreichte mir meine IFBB-Profilizenz, nachdem ich den Gesamttitel geholt hatte. Wer hätte je gedacht, dass aus einem dünnen Fußballspieler eines Tages ein Profibodybuilder werden würde?
Wo lebst du im Moment und käme ein permanenter Umzug nach Amerika für dich in Frage? Ich lebe auf Curaçao in der Karibik. Als junger Bursche half ich meiner Mutter bei ihren vielen Verpflichtungen rund um meine Schwestern und meinen Bruder, auch dabei, Teig für Brot zu kneten, was harte Arbeit ist. Ich denke, daher
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MIKE SALAZAR; MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON ROELLY WINKLAAR