Supersatz kombiniert und dann nach vier Sätzen Dips mit Schrägbank-Langhanteldrücken. Es folgte Flachbankdrücken gepaart mit vorge- beugtem Langhantelrudern. Eine kurze Unterbrechung der Action nutzend,
wurde die offensichtliche Frage gestellt: Warum beginnt er seine Workouts mit Klimmzügen und Dips? Er ließ uns nicht im Stich, hatte seine ganz eigene Antwort parat. „Wenn du auf der Bühne stehst, sind Lats,
Brust und Trizeps immer angespannt – bei den Vierteldrehungen, den Pflichtposen, in allen Winkeln müssen sie angespannt sein“, sagt Greene. Je konditionierter du bist, Brust, Trizeps und Lats gleichzeitig zu flexen, während du dich auf andere Posen und auf deine Präsentation konzentrierst, umso größer ist deine Aussicht auf Erfolg.“ Bei Brustdrücken erhöht Greene sein Gewicht
pyramidenförmig von 60 auf 100 kg, dann 145 und 185. In seinen normalen Trainingseinheiten geht er oftmals auf 225 rauf, ein gewaltiges Gewicht, das gewöhnlich nur Powerlifter und Männer wie der achtfache Mr. Olympia Ronnie Coleman zu seiner besten Zeit bewältigen. Ab dann arbeitet die Maschine Greene sehr methodisch, fräst sich durch eine Auswahl von Brustübungen. Das Workout umfasst Kabelzie- hen überkreuz, Brustdrücken an der Maschine, Schrägbank-Kurzhantelfliegende und Butterfly- Fliegende. Außerdem wirft er eine Reihe von Rücken- und Schulterübungen mit in den Topf. Zugegeben ist das nicht das typische
Programm, das er an seinen Brusttagen absolviert – also an ein oder zwei Tagen pro Woche im Rahmen seines voluminösen Zwei-Workouts- pro-Tag-Trainingssplits -, aber das hier war seine Chance, viele Übungen aus seinem Brust-Arsenal vor unseren Kameras zu zeigen. Wie gestaltet er ein typisches Brustworkout?
Anders als viele Bodybuilder, die – wie ein Soldat, der seinen Namen und Rang bellt, wenn der Drillsergeant ihn danach fragt – ihre Programme brav herunterbeten, fällt Greene die Antwort nicht ganz leicht. „In diesen eineinhalb bis zwei Stunden, in denen ich meine Brust trainiere, kreiere ich mein Workout, während ich es absolviere“, sagt er. „Ich will es nicht kompli- zierter klingen lassen als es ist, aber es ist ähnlich wie beim Meditieren – man geht voll und ganz darin auf. Bei manchen Kerlen im Studio hat man den Eindruck, die Lichter sind an, aber keiner ist daheim. So erreicht man seine Ziele nicht, man muss voll präsent sein im Augenblick.“
DIE AUSSICHT VON OBEN Wir sind zurück in New York City, an jenem
regnerischen Montagabend im Mai, und stellen Greene eine Frage, die er oft genug gehört hat und mit Näherrücken des Mr. O noch öfter hören wird: Was ist nötig, damit er zwei Sprossen höher nach
110 FLEX EWIGE MOTIVATION
„Als Teenager blätterte ich vor meinen Workouts oft in dem Buch Reps - ich glaube, der Autor war Robert Kennedy“, erinnert sich Kai. „Dort waren die Workouts der Großen abgedruckt. Ich erinnere mich, mir am Brusttag oft die Schwarz-Weiß-Fotos von Kerlen wie Bertil Fox, Roy Callender, Lee Haney und von einer Frau angeguckt zu haben, die mehr Muskeln hatte, als ich je an einer Frau gesehen hatte. Diese Frau war Bev Francis und sie zeigte eine Most Muscular. Sie hatte einfach alles – Schultern, Brust, vordere Deltas … Es inspirierte mich, mir ihr Foto anzusehen und mir all die unglaublichen Möglichkeiten des Muskelaufbaus vorzustellen. Selbst heute noch gehen mir diese Fotos durch den Kopf, wenn ich trainiere.“