2003 begegnete Jay Cutler, zweitbester Bodybuilder der Welt und Gastposer bei den NPC Northern Colorado Championships, einem ehemaligen Basketballspieler namens Phil Heath, der knapp über 86 kg wog und soeben zum Bodybuilding gewechselt war. Beeindruckt von dem Potenzial des 23-Jährigen, hielt Cutler Kontakt mit ihm und mailte zwei Jahre später, als Heath bei den NPC Junior Nationals 2005 mit seinem Schwerge- wichts- und Gesamtsieg für Aufregung sorgte, Fotos des Neulings an Peter McGough, den damaligen Chefre- dakteur der US FLEX. Die Vorschusslorbeeren wurden immer mehr und bald erhielt Heath, der Amateur, über den seit Flex Wheeler Anfang der 90er Jahre am meisten gesprochen wurde, einen prestigeträchtigen Vertrag mit Weider Publications – trotz der Tatsache, dass er noch an keiner einzigen nationalen Profiqualifi- kation teilgenommen hatte. Bei der USA 2005 richteten sich dann alle Augen auf
„The Gift“, der die in ihn gesetzten hohen Erwartungen mehr als erfüllte, als er hart und trocken mit dem Selbstbewusstsein eines Veteranen auf die Bühne trat und einen Erdrutschsieg erzielte. Drei Jahre nach Beginn seines ernsthaften Bodybuildingtrainings kassierte er die Trophäen für den Schwergewichts- und Gesamtsieg und damit die Profilizenz. Der Rookie-Profi verlor keine Zeit, gewann sein Debüt bei der Colorado Pro 2006 und eine Woche später die New York Pro, was ihm eine Olympia-Qualifikation einbrachte. 2006 Jahr verzichtete er auf die O-Teilnahme, 2007 wurde er Fünfter der Arnold Classic. Nach einer Wettkampfpause, die er zum Aufbau
der benötigten Torso- und Beinmasse genutzt hatte, war Heath erneut das heiße Gesprächsthema der Bodybuildingwelt, denn er gewann die Ironman Pro 2008 Ende Februar dominant. Nur Dexter Jackson in seiner absoluten Bestform konnte ihn zwei Wochen später bei der Arnold Classic stoppen. Im September belegte Heath dann in seinem Olympia-Debüt den dritten Platz. Nach einem enttäuschenden fünften Rang beim Olympia 2009 kam er 2010 mit fliegenden Fahnen zurück, als er umstritten Zweiter sowohl bei der Arnold als auch beim Olympia wurde. Im folgenden Jahr konzentrierte sich Heath ausschließlich auf den Olympia und am Abend des 17. September resultierte der monatelange Einsatz in der höchsten Belohnung des Sports: der Sandow-Trophäe. Bei seinem USA-Sieg war Heath vielleicht noch
nicht so „komplett“ wie Wheeler und Cormier. Auch die wahnsinnige Dichte von James, die Ausstrahlung und das Showtalent von Anthony gingen ihm ab. Aber in den sechs Jahren seit Erwerb seiner Profilizenz hat es Heath wie kein Zweiter verstanden, seinen Körper zu transformieren. Bereits nach der Vorentscheidung beim letzten Olympia rief ihn Cormier zum neuen Mr. Olympia aus, während Wheeler, vorübergehend beinahe sprachlos, meinte: „Das ist etwas ganz Neues und geht weit über das hinaus, was je einer gezeigt hat.“ Heath ist der einzige USA-Champion – und der erst 13. Athlet in der 46-jährigen Geschichte des Wettkampfs -, der die Auszeichnung des Mr. Olympia erobern konnte. FLEX