„WENN SIE SICH MIT EINEM LEBEN ZUFRIEDEN GEBEN, DAS SIE NICHT WOLLTEN, NUR WEIL SIE KRANK WURDEN, IST DAS EINE ECHTE TRAGÖDIE.“
dem Combine, verbrachte er die nächsten sechs Monate im Training mit den Trainern Jeff Dillman und Loren Seagrave, in der Hoffnung, die explosive, spielmachende Fähigkeit, die NFL Scouts 2008 vor dem Krebs den Mund wässerig machte, wiederzuerlangen. Um sich auf Herzlichs Ankunft vorzube-
reiten, erforschten Dillman und Seagrave seine Krankheit, sprachen mit Krebsspezia- listen und Chris Carmichael, langjähriger Trainer von Lance Armstrong. „Wir hatten ein langes Konferenzgespräch mit Chris“, sagt Dillman, „und er sagte uns, dass es sechs solide Trainingsmonate dauerte, bevor Lances´ Nervensystem anfing, sich anzupassen, also wussten wir, was wir zu erwarten hatten.“ Da Herzlich nicht in der Lage war, vor seiner Comeback-Saison 2010 so hart zu trainieren wie er wollte oder musste, war er relativ unvorbereitet, eine Leistung von NFL-Kaliber zu produzieren - er bot beim Combine einen eisigen 4.96 Sprint auf 40 Yards -, aber er und Dillman glaubten, dass sein Trainingsdefizit viel Raum für Verbesserung bot. Es stellte sich heraus, dass sie Recht hatten. „Wenn man Bilder von Mark im Combine
betrachtet und ihn jetzt sieht“, sagt Dillman, „dann sind das zwei verschiedene Men- schen. Er ist massiver, er ist explosiver und er ist viel stärker. Seine Anpassung war ein Unterschied wie Tag und Nacht.“
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GIGANTISCHE SCHRITTE Wenn man seine Umstände bedenkt, überraschte es niemanden in Herzlichs Camp, als sein Name am Draft-Tag nicht aufgerufen wurde. Er nahm jedoch an, dass er letztendlich als Free Agent unter Vertrag genommen werden würde. Als die New York Giants also Ende Juli anriefen, war der Linebacker bereit, loszulegen. Loscalzo und Dillman sind sich einig, dass Herzlichs derzeitiges Maß an Bereitschaft das Resultat von herausragender Zuversicht in seine Fähigkeit, ein Comeback zu schaffen, ist. „Sein Selbstvertrauen färbte auf uns ab“, sagt Loscalzo. „Marks Zuversicht zu sehen, war die eine Sache, die mich zuversichtlich machte, ihn zu trainieren. Es war wie, ‚Okay, Mark geht es gut. Mark ist gut. Lasst uns loslegen.’“ „Wenn man mit dem Kerl spricht“, fügt
Dillman hinzu, „sagt er Ihnen, dass Sie kein Mitleid mit ihm haben sollen. Er kam rein und sagte, ‚Trainer, ich will, dass du mir Feuer unterm Hintern machst. Trainier mich einfach.“ Und mit dem Glauben, den er hatte, waren wir in der Lage, es zu schaffen.“ Nach einem verkürzten Trainingscamp, das nur vier Spiele in der Vorsaison umfasste - in denen er einen Sack, eine Interception und ein spektakuläres Special Teams-Spiel einfuhr und einen Double-Team Block lieferte, um einen Tackle zu schaffen -, wurde Herzlich am 3. September in das Team der Giants berufen. Die echte Arbeit, sagt er, hat gerade erst angefangen. „Was ich aus diesem ganzen Prozess lernte,
ist, dass man sich Ziele setzen muss, besonders wenn es um den Körper und die Gesundheit geht. Chemotherapie-Behand- lungen durchzustehen, kann mühsam werden, aber wenn man am Ende des Tunnels eine Vision hat, für mich war es das Footballspielen, ist das etwas, was einen die Behandlung überstehen lässt.“ In Bezug auf seine Zukunft im Profi-Foot-
ball ist Herzlich nicht damit zufrieden, einfach auf der Reservebank eines Teams zu sitzen. „Man darf die Messlatte nicht so niedrig ansetzen“, sagt er. „Zielen Sie auf etwas ab, das außer
Reichweite ist, und wenn Sie so hart wie möglich arbeiten, um es zu schaffen, ist es möglich. Aber wenn man sich mit einem Leben zufrieden gibt, das man nicht wollte, nur weil man krank wurde, ist das eine echte Tragödie.“ M&F
Nach sechs
Monaten hartem Training kehrte Herzlichs „Schub“ endlich zurück.