– auf dem Fußballfeld oder als Sportler allgemein ist es deine Aufgabe, nicht negativ zu reagieren, sondern Klasse zu zeigen. Ich musste mich schnell zusammenreißen und meinen zweiten Platz akzeptieren. Ich erin- nere mich, als Kai sich mit Arnold unterhielt, meinte einer der beiden so etwas wie „sorry“ zu mir. Das fand ich zwar nett, aber ich wollte von niemandem bemitleidet werden. Fazit war, meine Form hatte für einen Sieg nicht ausgereicht. Also musste ich ins Studio zurück und härter trainieren. Ständig trichterte ich mir ein: „Du hast noch eine zweite Chance. Beim Olympia.“
Wie sehr hat dich diese Niederlage für den Olympia 2010 motiviert? Ein größeres Feuer hätte man unter meinem Hintern nicht anzünden können. Ich fragte mich, wie ich damit umgehen würde. Denn ein Champion wird nie daran gemessen, wie er auf Siege, sondern wie er auf Niederla- gen reagiert – Jay, als er gegen Ronnie Coleman verlor, Ronnie, als er 2002 [bei der GNC Show of Strength] gegen Günter Schlierkamp verlor. Mann, hätte er nicht verloren The Cost of Redemption, wo er wie einer Ver- rückter trainiert, alles, was sich ihm in den Weg stellt, killen will, wäre nie entstanden. Das war mein Moment. Es ging mir nicht darum, etwas beweisen zu wollen, sondern nur darum, das nächste Level erklimmen zu müs- sen. Hany [Rambod] sagte zu mir: „Du musst sauer sein, wenn du trainierst. Du nimmst es nicht ernst genug.“ Ich dachte zwar, das würde ich, aber er korrigierte mich: „Nein, du musst es persönlich nehmen.“ Also folgte ich seinem Rat. Nahm mir vor, so gut zu werden, dass ein Blinder erkennen würde, wie sehr ich den Sieg verdiente.
Beim Olympia 2010 sahen dich viele Leute als Sieger. Und vielleicht warst du vom Körper her soweit, aber mental warst du es, denke ich, noch nicht. Dieses Jahr war anders, du warst bereit. Warum?
AUF DEM COVER
PHIL OKTOBER 2005 NOVEMBER 2010
SEPTEMBER 2006
MÄRZ 2011
AUGUST 2008
Ich wusste, 2010 war ein ziemlich gutes Jahr, aber um für den Olympia bereit zu werden, würde ich ein volles Jahr benöti- gen. Deshalb verzichtete ich auf die Arnold – ich musste alles in den O stecken. Ich musste tun, was immer nötig war, um auf dieses nächste
Level zu kommen. Und ich war selbstbewusst. Nicht übermütig, aber selbstbewusst. Ich wusste, dass ich besser sein würde als je zuvor und es deshalb kei-
nen Grund gab, an mir zu zweifeln. Ich musste es ein- fach nur tun.
Was bedeutet es dir persönlich, den Olympia
gewonnen zu haben? Ich bin unbestritten der Beste in dem, was ich tue. Ich kann Leuten sagen, dass ich die Nummer 1 unter den Bodybuildern der Welt bin. Nicht viele Leute können das von sich behaupten, und das ist ziemlich cool. Es zementiert meinen Platz in der Geschichte. Ich bin die Nummer 13 – der 13. Bodybuilder, der je die Sandow in die Luft halten durfte. Manche meiner Idole – Flex Wheeler, Shawn Ray und Kevin Levrone – konnten das nie. Ich bin Teil der Elite. Aber mehr als alles andere bin ich ab sofort der Botschafter unseres Sports. Ich bin der Anführer unserer Sache, das Gesicht unseres Sports, und muss alles, was ich gelernt habe, verwenden, um meinen Auftrag gut zu erfüllen. Denn das ist es, was ein Mr. Olympia tut. Ich habe eine Verantwortung wahrzunehmen gegenüber den Athleten, die diesen Titel vor mir trugen, der IFBB, meinen Kollegen, den Fans und allen Kerlen, die sich nach mir an die Spitze vorkämpfen werden. Ich muss ein Führer sein und helfen, den Sport voranzubringen. Jetzt ist es an mir, ein Mentor zu sein, so wie Jay es für mich war. Jetzt bin ich an der Reihe, etwas zurückzugeben.
Was steht als Nächstes an? Viele Leute prognostizieren, du könntest den Olympia mehrfach gewinnen, dass deine beste Zeit noch bevorsteht. Welche Erwartungen hast du an dich selbst? Ich bin nicht einfach aufgekreuzt und habe den Olympia gewonnen. Ich habe viele Kämpfe gefochten. Immerhin gab es vier Jahre, in denen ich keinen einzigen Wettkampf gewann. Aus diesem Grund will ich das jetzt erst mal voll auskosten. Ich möchte einfach nach Hause und ein paar Wochen lang ausspannen, Gast- posings machen und mich daran freuen, Mr. Olympia zu sein. Ein neues Kapitel wird in meinem Leben aufge- blättert. Ich sehe es als großartige Gelegenheit, diesen Titel zu verteidigen, wenn ich es richtig anstelle. Aber ich muss härter arbeiten als alle anderen. Nichts übereilen und einfach versuchen, jeden Tag besser zu sein als am Tag zuvor. Mehr kann ich nicht tun. Ich würde unheimlich gern mehrere Titel holen, aber das kann ich nur, wenn ich mich an jedem einzelnen Tag verbessere. FLEX