nur 1,57 m groß und 78 kg schwer war. „1983 fing ich an, ernsthaft
mit Gewichten zu trainieren“, erzählt er mir. „Damals lebte ich noch auf den West Indies. Ich war 24 und wurde nur ein Jahr später Weltmeister. Wofür man normalerweise mindestens 10 bis 15 Jahre braucht, schaffte ich in nur einem Jahr!“ „Davor hatte ich nie ernst-
haft Bodybuilding praktiziert, erinnere mich aber, beim Militär eine Art `Bodybuildingausbil- dung´ genossen zu haben. Ich war Feldwebel und es gab einen Stabsfeldwebel, der Prudent hieß und Bodybuilder war. Er hatte einen bemerkenswerten, harmonisch fließenden und dabei sehr muskulösen Körper. Ich denke, ich versuchte ein- fach, zu kopieren, was ich ihn tun sah, und das hat meinen Körper stark verändert. „Ein weiterer wichtiger Faktor
ist, dass viele, die afrikanischer Abstammung sind, von Natur aus sehr gute Anlagen für Body- building besitzen, und so war es bei mir auch. Selbst ohne Training waren meine Muskeln gut entwickelt und ich nutzte, was Mutter Natur mir in die Wiege gelegt hatte. Als ich 1983 zum ersten Mal Mitglied in einem Sportstudio wurde, wusste ich nicht genau, was ich dort treiben wollte. Das Studio war groß und bot Kurse in Karate, Judo und Gewichtheben an. Ich hatte von Anfang an ehrgeizige Pläne. Obendrein war ich diszipliniert, was für einen Bodybuil- der sehr wichtig ist. Ich nahm mir vor, bis 1987 Weltmeister zu sein, hatte also schon damals diese Siegermentalität. Ich bin der festen Meinung, wenn man sein Leben richtig orga- nisiert, erreicht man seine Ziele und baut sich seine eigene Zukunft, und das ist eine prime Motivationsquelle. Warum habe ich mich also für Bodybuilding entschieden? Nun, man könnte sagen, es war wie im Märchen. Nachdem ich zwei oder drei Monate in dem Studio abge- hangen und immer weite Klamotten getragen hatte, wurde eines Tages in der Umkleidekabine
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ein alter Bodybuildingenthusiast auf die vielen Muskeln unter meinem Jogginganzug auf- merksam. Nichts fehlte; Quadrizeps, Arme, Brust, Waden und Bauchmuskeln – alles war vorhanden. Damals war meine Bauchpartie noch nicht sehr massiv, aber man sah bereits die vielen Details, und als dieser alte Haudegen namens Jean-Luc Marvalle meinen Körper betrachtete, kippte er schier um. „Er gab mir den Rat, bei einem Wettkampf
für Anfänger mitzumachen, der nur zwei Wochen später stattfand, im März ´83. Damals hatte ich kaum Ahnung von Training oder Posing, aber ich machte trotzdem mit. Bei diesem Wettkampf wurde ich Sieger und Gesamtsieger und danach gewann ich jeden Amateurwettkampf, an dem ich teilnahm.
„Danach gab es eine Serie mit Wettkämpfen, um den besten Amateurbodybuilder in Frank- reich zu finden, die ich ebenfalls gewann. Es folgte die Europameisterschaft 1984 in der Schweiz und im Oktober die Weltmeisterschaft. Ich trug bei beiden den Sieg davon.“ Als Thierry Pastel in Frankreich ankam,
wurde er von Raymond Jollet und seiner Frau Maryse begrüßt. „Sie waren so herzlich und großzügig zu mir, obwohl Raymond auf der Bühne mein direkter Rivale wurde. Wenn ich siegte, belegte er meistens den zweiten oder dritten Platz. Ein großartiger und weiser Mann, der mich trotz der Tatsache, dass wir Gegner waren, immer trainierte und großzügig mit den besten Ratschlägen versorgte, ohne Ani- mositäten oder Eifersucht. Er war immer ver-