für seinen Freund und Protégé. Indem er zum sechsten Mal Zweiter wird, überbietet Cutler nicht nur seinen eigenen Rekord, was die meis- ten zweiten Plätze bei Olympia-Wettkämpfen betrifft. Er erhöht auch den Rekord für die meisten Top-2-Platzierungen als Profi auf zehn – eine beeindruckende Leistung und besser als sein alter Rivale Ronnie Coleman, der neunmal auf Platz 1 oder 2 landete. „Es hat ´ne Weile gedauert, bis sich alles gesetzt hat“, sagt Heath.
„Ich musste mir viele Fotos ansehen. Ich denke, ich habe ein sehr kriti- sches Auge entwickelt, wie ich aussehen wollte. Daran ist nur Hany [Rambod] schuld, aber es ist etwas Gutes. Erst heute Morgen wurde mir so richtig klar, dass ich die Welt geschockt habe.“ Heath findet Cutler wieder hinter dem Vorhang. Diesmal liegt der
Champion auf dem Betonboden, um seine Körpertemperatur niedrig zu halten. Sie sprechen darüber, wie toll es war, am Abend zuvor gegeneinander zu kämpfen, und die Nummer 11 eröffnet der künftigen Nummer 13, wie froh er ist, ihn zum Nachfolger zu bekommen. „Du warst immer Spitze“, sagt Heath, „und wenn es mir gelingt, nur ein halb so guter Botschafter für den Sport zu sein wie du, schätze ich mich glücklich. Aber erst mal werden wir heute Abend Spaß haben.“ KÜREN Nur wenige der 15 Posingküren sind erinnernswert. Martinez hat sich einen eigenen Rapsong komponieren und texten lassen. Ein Auszug: „You know he been working out, ain´t no reason to question. Martinez is the hardest body flexin´”. Greenes Kür ist traditioneller als sonst, enthält aber trotzdem einige seiner unverwechselbaren Über- gänge und kurzzeitig liegt er flach auf dem Rücken. Zu Hip-Hop-Musik feuert Heath heftige Geschosse ab und erntet am Ende tosenden Applaus, einschließlich eine stehende Ovation von zwei Athleten, die
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beide Olympia-Zweiter waren, aber niemals siegten: Shawn Ray und Flex Wheeler. Derweil kostet Wettkämpfer 24 jeden Moment seiner 12. und wahrscheinlich letzten Olympia-Teilnahme voll aus. Das Publi- kum reagiert mit einem Jubelfeuer, das dem tosenden Applaus für Heath Konkurrenz macht, ihn vielleicht sogar übertrifft. VERGLEICHE Die Kampfrichter geben das Kommando für vier Vergleiche (mit nur den Top 15) im Finale am Samstagabend. Die bedeutendste Entwicklung, zumindest im Hinblick auf das Preisgeld, ist, dass Martinez Wolf, der am Freitag mit drei Punkten vorn lag, über- holt und sich mit einem Punkt Vorsprung auf den vierten Platz schiebt. Nachdem in den ersten drei Vergleichen 13 Wettkämpfer vorkamen, sagt der oberste Kampfrichter Jim Rockell: „Es gibt zwei Männer, die wir noch nicht aufgerufen haben“. Daraufhin treten Cutler und Heath gemeinsam vor, genießen den Moment und haben wie geplant Spaß. Synchroner könnten zwei Athleten ihr Posing nicht ausführen. Bevor sie sich umdrehen, fragt Moderator Bob Cicherillo: „Wenn Wettkämpfe von hinten gewonnen werden, wer ist hier der Sieger?“, und als „The Gift“ mit seiner Doppelbizeps Rückenseite erneut für Gänsehaut sorgt, steht die Antwort fest. POSEDOWN Einer neuen Regelung folgend nehmen dieses Jahr nicht nur die Top 6, sondern die Top 10 am Posedown teil. Am Anfang hat es den Anschein, als würden die zusätzlichen vier Männer einfach nur wertvollen Platz schlucken, bis sie schließlich die gesamte Breite der Bühne nutzen. Als die Musik verklingt und Cutler erneut nach vorn geht, um allein einige letzte Posen zu zeigen, schüttelt Heath den Kopf, als wollte er sagen: „Das hier ist mein Abend“. Dann gesellt er sich zu Cutler und die anderen acht Athleten folgen prompt. Das Pose-