Männer, die in den nächsten zwei Tagen auf der O-Bühne flexen werden, mit einer stehenden Ovation begrüßen. Zwei Stunden später sehe ich ihn im Gold´s Gym. Er trägt eine Beinschiene und humpelt, bereitet sich aber scheinbar schon auf 2012 vor, denn er bombardiert seine Bizeps. Warren und das Fragezeichen, was hätte
sein können, eröffnen die Pressekonferenz, aber das Ausrufezeichen am Donnerstag setzt Jerry „J.D.“ Dorsey, Heath´ Stiefvater, als er ruft: „Dein Bestes ist gut genug!“ Als Heath noch Basketball spielte, bedeutete „Pop´s“ Motto, dass sein Stiefsohn immer zufrieden sein sollte, sein Bestes gegeben zu haben, unabhängig vom erzielten Ergebnis, aber in diesem Jahr an die- sem Ort erhält „gut genug“ offenbar eine Bedeutung, die sehr viel mit dem Ergebnis zu tun hat. BACKSTAGE VOR DER VORENT- SCHEIDUNG Eine Stunde bevor der erste männliche Wettkämpfer am Freitagabend die Bühne der Orleans Arena betritt, sitzt Kai Greene im Aufwärmraum auf einer Bank, blickt ins Leere und kaut an einem Müsliriegel. „Ich verbringe einen Moment mit meinen Gedan- ken“, sagt er. Auf dem Teppich liegend, gibt sich Dennis Wolf zuversichtlich, aber nachdem er in den letzten Jahren zwischen Platz 4 (´08), DNP (´09) und Platz 5 (´10) hin und her gehüpft ist, sind die bösen Streiche, die einem die Wett-
kampfkonditionierung am stressigsten Wochenende des Bodybuildingsports spielen kann, keinem vertrauter als ihm. „Manchmal siehst du klasse aus und zwei Stunden später wie Sch___“, sagt er mit einem Lachen. Aber wo stecken die Wettkämpfer 22 und 24? Ich finde Heath und Cutler in
einem durch einen Vorhang abgetrennten Bereich hinter dem Raum, wo den Athleten Farbe und Öl aufgetragen werden. Lachend und plaudernd liegen sie ausgestreckt auf dem Teppichboden. Anders als bei den drei früheren Olympias, an denen sie gemeinsam teilnahmen und sich vorher fast täglich SMS geschickt oder miteinander telefoniert hatten, „war das die erste Vorbereitung, in der wir null Kontakt hatten“, sagt Cutler. Jetzt reden sie über Sushi, Chiropraktiker, welche Farbe ihre Posinghose hat (Cutler: „Ich trage schwarz – wie ein Attentäter.“) und über Langstreckenflüge in ferne Länder. Außerhalb des Wettkampfs sind sie dicke Freunde, werden aber schnell zu Feinden, sobald die Vergleiche losgehen. „Ich kann es nicht abwarten, gegen ihn in den Kampf zu ziehen“, sagt Heath zu mir und macht sich auf den Rückweg in den Aufwärmbereich. Er grinst, seine Augen leuchten.