„Komplettester Bodybuilder der Welt“ – in meinen Augen trifft diese Bezeichnung auf THIERRY PASTEL zu, und obwohl er seit 1995 auf keiner Wettkampfbühne mehr stand, halte ich weiter an ihr fest
In den meisten IFBB-Wettkämpfen, an denen er teilnahm, hätte sich Pastel leicht höher platzieren sollen, aber aus irgend- einem seltsamen Grund gelang ihm das nie. Pastel war ein Gentleman-Body- builder, sehr zurückhaltend und bescheiden, aber selbst er hatte allmählich die Nase voll von den wenig berauschenden Platzierun- gen, die ihn seine Karriere über verfolgten. Doch obwohl seine Ergebnisse ihm nicht behagten, wurde er niemals ausfallend. Er wollte einfach nur eine Antwort. „Wie konnten die
Kampfrichter das machen?“ rief er ungläubig während eines Fototermins im Gold´s Gym in Venice. „Sehen sie mich etwa nicht im Line-up? Stimmt etwas nicht mit meinen Waden? Sind meine Bauchmuskeln nicht gut genug?“ Diese Fragen stellte Pastel nach seiner ent-
täuschenden und skandalösen Platzierung bei der Arnold Classic 1991, als der statuen- hafte junge Franzose nur Fünfter wurde, obwohl er allen die Schau stahl. Thierry Pastel hatte einen ganz erstaunli-
chen Körper ohne Schwächen, dem man anfangs einfach nur fassungslos gegenüber stand. Perfektion pur – davon war er nicht weit entfernt. Fangen wir mit den Waden an, die zu den
besten gehörten, die ich je gesehen habe – riesige, diamantförmige Wadenmuskeln jen- seits jeder Vorstellungskraft. „Die Waden sind gut, ja?“ fragte er mich,
während ich ihn bei einem Wadentraining fotografierte. Pastels Oberschenkelmuskeln waren stets
geteilt, gestreift und perfekt geformt, doch erst recht jeder Beschreibung spottete seine Bauchpartie, die mit ihrer 1A-Form und Kon- ditionierung in den frühen 1990er Jahren zu den besten des Bodybuildingsports zählte.
Darüber hinaus hatte Pastel einen sensati-
onell breiten und dicht bemuskelten Rücken, der sich zu einer winzigen Taille verjüngte – eine ideale V-Form. Sein oberer und unterer Rücken bestanden aus dicken Blöcken mit reinen Muskeln überall. Einmal fragte ich ihn, wie er es angestellt hatte, einen so phänomenalen Rücken aufzu- bauen, speziell was die Breite betraf. „Klimm- züge“, antwortete er, auf die Klimmzugstange im Gold´s deutend. „Welche Art von Klimmzügen?“ fragte ich. „Alle Klimmzüge. Breit, eng, mittel, sehr eng. Alle Klimmzüge.“ „Wie viele Sätze Klimmzüge insgesamt?“ „36 Sätze!“ In einem Interview mit Greg Merritt für die
FLEX erklärte Thierry genau, wie er Latziehen an der Maschine ausführte, eine weitere seiner Lieblingsübungen für den Rücken. „Ich wechsele häufig ab bei meinen Latzie-
hen-Wh, ziehe die Stange bei einer Wh zur Brust und bei der nächsten zum Nacken, für 12-20 Wh pro Satz. Ich mag es, meine Rücken- workouts mit Latziehen zu starten und auch zu beenden, um am Anfang der Einheit viel Blut in meinen oberen Rücken zu schicken und den Pump am Ende zu maximieren.“ Pastels dicke und dichte Brustmuskulatur
war ebenfalls ein einzigartiges Attribut seines herausragenden Körpers, speziell der obere Brustbereich, den er nach eigener Aussage Schrägbank-Langhanteldrücken mit breitem Griff verdankte. Die Frage nach der Zahl seiner Sätze habe ich mir verkniffen. Von Pastels Deltamuskeln können Normal-
sterbliche nur träumen, doch es waren seine Wahnsinns-Arme, bei deren Anblick einem Hören und Sehen verging. Seine Handgelenke waren schmal wie die eines Kindes, seine Bizeps und Trizeps dagegen so aufgebaut, dass sie den Armen von Bertil Fox in dessen bester Zeit Konkurrenz machten, und das obwohl Pastel