This page contains a Flash digital edition of a book.
experte Jochen Bettzieche in einer Studie, die er für die Bundestagsfraktion der Grünen erstellt hat. Das liegt daran, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs- aufsicht (BaFin) Produkt-Prospekte nur auf „Vollständig- keit, Widerspruchsfreiheit und Verständlichkeit“ prüft. „Wenn der Begriff ,nachhaltig‘ benutzt wird, können wir


Ob Renditen unrealistisch hoch


sind oder Land und Leute ausge- beutet werden, kann ein


Interessent kaum richtig einschätzen; aber er kann die richtigen Fragen stellen


diese Aussage inhaltlich nicht untersuchen“, bestätigt


BaFin-Sprecherin Anja Schuchardt. Im Klartext heißt das, jeder kann sich mit dem Etikett „nachhaltig“ schmücken, weil es dafür bislang keine festgelegten Kriterien gibt. Die Folgen sind fatal: Der Ölkonzern BP etwa war bis


zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im „Dow Jones Sustainability Index“ (DJSI) gelistet, dem weltweit be- kanntesten Nachhaltigkeits-Index, aus dem viele Öko- fonds-Manager ihr Portfolio zusammenstellen. Erst nach der Katastrophe sah sich das DJSI-Management genötigt, den Ölkonzern aus dem Index zu verbannen. Der asiati- sche Atomkonzern Tepco – ihm gehören die explodierten Meiler in Fukushima – flog erst nach der Katastrophe aus dem asiatischen Regionalindex des DJSI. Noch immer dabei ist der Chemieriese BASF, weil er sich


firmenintern sehr für die effiziente Nutzung von Energie und Rohstoffen stark macht. „Das Unternehmen gehört dennoch in keinen Nachhaltigkeitsindex“, kritisiert Chris- toph Bals, der Geschäftsführer der Klimaschutzorganisa- tion Germanwatch. „BASF hat in der Vergangenheit in Deutschland und in der EU die Lobby-Arbeit organisiert, um Wärmenutzungsverordnungen, den Emissionshandel oder die Ökosteuer zu verhindern oder abzumildern.“ Die Fluggesellschaft Air France-KLM wurde von den


DJSI-Managern sogar als „verantwortungsvollstes Unter- nehmen“ im Luftverkehrssektor ausgezeichnet – obwohl Flüge den Klimawandel beschleunigen. Im Autobereich sind Daimler, BMW und VW vertreten, obwohl deren Auto-Flotten im Schnitt immer noch viel zu viel Sprit schlucken. Alle diese Unternehmen sind oder waren im DJSI ver-


treten, weil die Index-Manager keine „harten“ sozialen und ökologischen Kriterien zum Maßstab haben, sondern auf den sogenannten „Best-in-Class-Ansatz“ bauen. Dabei werden aus dem 2500 Unternehmen umfassen- den „Dow Jones Global Index“ aus jeder Branche die jeweils besten zehn Prozent herausgefiltert. Salopp ge- sagt: Unter den ethisch und ökologisch Blinden ist der Einäugige König. Und deshalb galt BP mit seiner Politik,


auch alternative Energien zu fördern, bis zur Ölkatast- rophe im Golf von Mexiko als „nachhaltig“, auch wenn 99 Prozent aller Geschäfte mit Öl und Gas gemacht wurden und nur ein winziger Rest mit Sonnenstrom. Mittlerweile werben verschiedene Anbieter für Auf-


forstungsprojekte, die ihre Angebote mit dem Wörtchen „nachhaltig“ kennzeichnen. Das ist naheliegend, denn der Begriff stammt aus dem Forstbereich und ist 300 Jahre alt. Er besagt, dass Wälder dann erhalten bleiben, wenn nur so viel Holz geschlagen wird, wie letztlich wieder nachwachsen kann. Doch auch bei Waldinvest- ments ist es schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. „Ein Investment in Wald ist hochspekulativ“, warnte


bereits im Jahr 2009 die Zeitschrift Finanztest, „bis zu zwölf Prozent Rendite im Jahre versprechen die zahl- reichen bunten Prospekte.“ „Alles Annahmen“, sagte damals Daniela Ludin, Professorin für Recht, Umwelt und Forstwirtschaft an der Hochschule Rottenburg. In Internet-Foren sind die Kommentare deutlicher: Ein


Grunddaten von BaumInvest Die geschlossenen Fonds BaumInvest 1, 2 und 3 wurden 2007, 2009 und 2011 aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 22 bzw. 24 Jahre, der Kapital- rückfluss liegt laut Prognose bei 332 % (Baum- Invest 1), 326 % (BaumInvest 2) und erneut 332 % (BaumInvest 3). Die Erfahrungen aus BaumInvest 1 haben das Aufforstungskonzept bei den späteren Fonds bereits entscheidend verbessert. Forstexperten und lokale Hoch- schulen sichern auch die ökologische und soziale Rendite. Branchendienst Ecoreporter urteilt: BaumInvest eignet sich für Anleger, „die sehr hohe Ansprüche an Nachhaltigkeit und Transparenz stellen und sich gleichzeitig des Risikos einer langfristigen unternehmeri- schen Investition bewusst sind. Konzept und Sorgfalt des Anbieters sowie dessen Erfah- rung sprechen dafür, dass dies mit einer dunkelgrünen Rendite belohnt werden wird.“


Anleger „sollte misstrauisch werden, wenn man ihm sichere Renditen anbietet, die weit über dem marktübli- chen Zins liegen“, ist da zum Beispiel zu lesen. „Die Mehrzahl von Investments in diesem Be- reich läuft als reiner Eigentumserwerb ab“, sagt Anja Schuchardt von der BaFin, „dem Anleger werden Wald- parzellen, vornehmlich in Mittel- und Südamerika oder in Asien, angeboten. Mit dem Grundstück erhält er die darauf wachsenden Bäume, für die er dann eine


› 7


Grafik: 123rf (2)


Page 1  |  Page 2  |  Page 3  |  Page 4  |  Page 5  |  Page 6  |  Page 7  |  Page 8  |  Page 9  |  Page 10  |  Page 11  |  Page 12  |  Page 13  |  Page 14  |  Page 15  |  Page 16  |  Page 17  |  Page 18  |  Page 19  |  Page 20  |  Page 21  |  Page 22  |  Page 23  |  Page 24  |  Page 25  |  Page 26  |  Page 27  |  Page 28  |  Page 29  |  Page 30  |  Page 31  |  Page 32  |  Page 33  |  Page 34  |  Page 35  |  Page 36  |  Page 37  |  Page 38  |  Page 39  |  Page 40  |  Page 41  |  Page 42  |  Page 43  |  Page 44  |  Page 45  |  Page 46  |  Page 47  |  Page 48  |  Page 49  |  Page 50  |  Page 51  |  Page 52
Produced with Yudu - www.yudu.com