MehrWERT: Wirtschaftsmodell
A
ls vor fünf Jahren mit Investorengeldern aus Deutschland die ersten Bäume in Costa Rica
gepflanzt wurden, konnte niemand ahnen, was alles daraus erwachsen würde. Denn heute gibt es dort weit mehr zu bestaunen als nur Bäume. Doch auch diese können sich sehen lassen. Mit einer stattlichen Höhe von mittlerweile acht bis zehn Metern ragen sie in den Himmel über der Finca San Rafael. Sie haben Stämme mit einem Durchmesser von 12, 15 und noch mehr Zentimetern, und ihr Kronendach ist bereits geschlossen. Hier im hohen Norden Costa Ricas wurden seit 2007 insgesamt 135 Hektar Land aufgeforstet. Staunend geht Leo Pröstler, Initiator und Geschäfts-
führer von BaumInvest, neben seinem Sohn Stefan, der die Aufforstung in Costa Rica leitet, zwischen den Baumreihen hindurch und versucht, die Geschwindig- keit in Worte zu fassen, in der hier alles gedeiht: „Ich bin alle paar Monate hier, aber jedes Mal kann ich kaum glauben, wie schnell der Wald entsteht. Vor fünf Jahren war alles kahles Weideland.“ Möglich ist das, weil in den
Plustainability – Mehrwert für alle Mit dem Begriff „Plustainability“ wird eine Art des Wirtschaftens bezeichnet, die bewusst über „nachhaltig“ oder „sustainable“ hinaus- geht. Die Initiatoren von BaumInvest haben diesen Begriff entwickelt, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass auf allen Baum- Invest-Fincas in Costa Rica der Anspruch be- steht, sowohl für die Menschen, als auch für Natur und Umwelt einen Mehrwert zu erzielen. Boden, Luft und Wasser werden verbessert; mehr Tier- und Pflanzenarten finden den Raum, den sie zum (Über-)Leben brauchen; langfristige Arbeitsplätze entstehen, sodass die Arbeiter mit ihren Familien ein besseres Leben haben; der Atmosphäre wird CO2
ent-
zogen und damit ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet; fossile Energien werden durch erneuerbare ersetzt. In allen Fällen ist das erklärte Ziel: der Natur etwas zurückzugeben.
Tropen jede Pflanze rund ums Jahr und 24 Stunden am Tag wächst. Und jeder einzelne Setzling sucht im Kampf ums Licht den Weg nach oben. Noch mehr erstaunt jedoch die Dimension, die das
gesamte Projekt BaumInvest binnen weniger Jahre ange- nommen hat. Nach dem ersten Fonds wurde der zweite platziert und mit den Mitteln von rund 1300 Anlegern ein Landstück nach dem anderen erworben und wieder
aufgeforstet. Auf einer Gesamtfläche von 1200 Hektar wachsen mittlerweile rund 700000 Bäume. Und weil seit Dezember 2011 bereits der dritte Fonds gezeichnet werden kann, werden die nächsten Fincas bald folgen. BaumInvest ist kein gewöhnliches Aufforstungspro-
jekt. Seine besondere Entwicklung lässt sich anschau- lich auf San Rafael nachvollziehen: In der Anfangszeit wurden hier kleine Parzellen in Monokultur gepflanzt. 100 auf 100 Meter Teak, daneben die gleiche Fläche mit Roble Coral, einem Baum, der ein sehr widerstandsfähi- ges Holz für Parkettböden oder Boote liefert. Dann wie- der Teak, im Wechsel mit dem seltenen Almendro, dem Baum des Lebens. „Diese Inselbewirtschaftung haben wir bereits im zweiten Jahr über den Haufen geworfen, weil wir der Natur näher kommen wollten. Unser Ziel: ein artenreicher Mischwald“, so Stefan Pröstler. „Des- halb pflanzen wir nun schon seit beinahe vier Jahren schnell wachsende Pionierbäume wie den Cebo direkt neben langsamer wachsenden Harthölzern, zum Bei- spiel Mahagoni. Dafür verwenden wir insgesamt neun verschiedene heimische Baumarten.“ Am Hang gegenüber sieht man das Ergebnis auf den
ersten Blick: Grüntöne in allen Farben, Blätter in allen Formen. Hier bietet der aufgeforstete Wald seltenen Tieren neuen Lebensraum. Großen Säugern wie Jaguar und Puma, die nachts auf Jagd gehen, Brüllaffen, die mit lautem Geschrei ihr Revier markieren, schillernd bunten Schmetterlingen und kleinen Fröschen ohne Zahl. Und wo diese zu Hause sind, finden wiederum Lanzenottern, Vipern und eine Vielzahl von Vögeln Nahrung. Gestärkt wird die Artenvielfalt auch deshalb, weil der
Anteil von Teak deutlich verringert wurde. Ursprünglich sollte die Hälfte aller Flächen mit diesem Edelholz aus Asien bepflanzt werden, das außerhalb seines natürli- chen Umfeldes nur in Monokultur gut wächst. Zusammen mit den Regenwaldreservaten, die noch auf allen BaumInvest-Fincas zu finden sind, trägt jeder aufgeforstete Hektar Land dazu bei, die isolierten Natur- schutzgebiete Costa Ricas miteinander zu vernetzen. „Wir verstehen uns als Teil eines Bio-Korridors, der in ganz Mittelamerika geschaffen werden soll“, erklärt Leo Pröstler und freut sich über die Kapuzineraffen, die während des Rundgangs wie zum Beweis in einem alten Urwaldriesen hangeln. Seit den 90er Jahren verfolgen die mittelamerika-
nischen Länder das Ziel, isolierte Naturräume wieder miteinander zu verbinden, um damit den genetischen Austausch von Pflanzen und Tieren zu ermöglichen. Sowohl das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), als auch die deutsche Gesellschaft für
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Bild oben: Stolzer Anblick – Investoren prüfen selbst nach, was mit ihrem Geld alles gewachsen ist.
Bild unten: Nahrhafte Knolle – Tiquisque ist in den Tropen ein wichtiger Stärkelieferant.
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Fotos : BaumInvest (2)
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