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„Ich bin ein gelernter Autodidakt“, sagt Stefan Pröstler über


sich selbst. Sein Ziel: Wirtschaften nicht gegen, sondern mit der Natur. Das schafft einen Mehrwert, von dem alle profitieren


nen beide sich deshalb derart erfolgreich ergänzen. „Ich könnte das alles von Deutschland aus gar nicht leisten“, gesteht Leo Pröstler, „aber ich bin gerne der Übersetzer für die Mitarbeiter und Investoren in Deutschland.“ Drei bis vier Monate im Jahr ist er dafür vor Ort.


Wenn er auf die 700000 Bäume blickt, die bislang ge- pflanzt worden sind, weiß er: „Da ist etwas gewachsen, was nicht mehr verschwindet und was lange über mich hinausgeht.“ Ist das vielleicht das Glück, von dem er immer wieder spricht? War es nicht doch segensreich, dass er den Waschbär-Versand in andere Hände über- geben musste? Leo Pröstler wird fast philosophisch, wenn er sagt, dass die Frage, was Glück wirklich ist, immer erst im Nachhinein beantworten werden kann. An diesem Tag kommt ein kleines Stückchen Glück hinzu: Die Gewitterwolken verziehen sich. Nach andert- halb schweißtreibenden Stunden über steile Wege und schlammige Pisten ist es eine Wohltat, in den kleinen See zu springen und auf den Wasserfall zu blicken. Leo Pröstler macht das immer, wenn er hierher kommt.


Ein Stückchen Glück: Nach der Wanderung durch den VisionsWald liebt es Leo Pröstler, in den See zu springen.


Deutschland. Wie er aber in fließendem Spanisch den Unterschied zwischen Arbeitern und Plantagenbesitzern auf den Punkt bringt – die einen bringen die Zinsen auf, mit denen die anderen ihren Reichtum vergrößern –, zeigt, wie sehr er im mittelamerikanischen Alltag ange- kommen ist. So war das nicht vorgesehen, als ihn sein Vater Leo


vor einigen Jahren gefragt hat, ob er nicht ein paar Wochen mitkommen und helfen wolle. „Ja“, hatte der Sohn damals gesagt. Aber dabei überhaupt nicht daran gedacht, dass „ich hier Wurzeln schlagen könnte“. „Für BaumInvest ist er ein Glücksfall“, urteilt Fabi-


an Nendza von Globetrotter, einem der Gründungs- investoren. Der Nachhaltigkeitsmanager ist begeistert von dem Projekt: „Das ist Wirtschaften nicht gegen, sondern mit der Natur.“ Er weiß aber auch, dass dies alles nur dank der Hartnäckigkeit von Stefan Pröstler möglich ist. Denn der gelernte Veranstaltungstechniker, der von Forstwirtschaft keine Ahnung hatte, als er nach Costa Rica kam, hat alles hinterfragt, was als gängige Praxis in Stein gemeißelt schien.


„Ist Teak in Costa Rica wirklich das richtige Kon- zept?“ fragte er die Experten. „Wie lässt sich Waldfeld- bau am besten verwirklichen? Zu welchem Baum passt Maniok, zu welchem Ingwer oder Ananas?“ Fragen über Fragen, auf die er zum Teil schon Antworten gefunden hat. Dabei helfen dem Mann, der sich selbst einen „ge- lernten Autodidakten“ nennt, inzwischen eine Reihe Forstwissenschaftler, die Bodenproben vergleichen, das Wachstum von Mahagoni und Almendro messen und die Erträge katalogisieren. Irgendwann wird vielleicht in ganz Mittelamerika nach diesen Erkenntnissen Forst- wirtschaft und Waldfeldbau betrieben. Ob er für immer hier bleiben will? „Ich habe mich auf 30 Jahre plus eingestellt“, sagt er unumwunden. Das Heimweh nach Deutschland sei in den letzten Jahren verflogen. Was ihm fehle, seien die Jahreszeiten. Und ge- legentlich das Klettern in steilen Felswänden, wo er sich früher auch vor höchsten Schwierigkeitsgraden nicht ge- fürchtet hat. Aber mit seiner kleinen Familie – vor weni- gen Monaten wurde sein erster Sohn geboren – und den großen Zielen hat er dazu sowieso keine Zeit.


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