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MehrWERT: Wirtschaftsmodell


„Ich will Wissen optimieren“


Der promovierte Forstwissenschaftler Guillermo Navarro arbeitet am agrarwissenschaftlichen Forschungsinstitut CATIE daran, wie Costa Rica seine Wälder erhalten und dennoch wirtschaftlich nutzen kann. Die Erfahrungen von BaumInvest will er systematisch auswerten.


Herr Navarro, BaumInvest beschreitet neue Wege. Was halten Sie von der Art, wie dort aufgeforstet wird? BaumInvest nutzt das enorme biologische Kapital des


Landes, indem wertvolle einheimische Arten gepflanzt werden. Hier werden ökonomische und ökologische Prinzipien miteinander verbunden. Die Mischung von schnell und langsam wachsenden Bäumen sowie das Setzen schattentoleranter Arten erhöht die Erfolgsaus- sichten. Dass hier die Setzlinge in größerem Abstand ge- pflanzt werden als üblich, gefällt mir gut, weil dadurch das Problem der Durchforstungshölzer verringert wird. Eine wirklich innovative Art des Aufforstens! Sie haben sich die Finca Las Delicias ange- schaut, auf der für BaumInvest 2 aufgeforstet wurde. Wie beurteilen Sie die Situation dort? Der Boden ist sehr gut, seine Vorbereitung auch. Eine funktionierende Entwässerung ist vorhanden und die Bäume wachsen entsprechend schnell. In nur neun Monaten wurde eine durchschnittliche Höhe von vier, fünf Metern erreicht – das ist beeindruckend. Dennoch ist es erforderlich, den Boden weiter zu ent-


wässern. Denn Wiederaufforstung bedeutet auch, einen Weg zu finden, mit dem Wasser umzugehen. Der Be- trieb auf Las Delicias nutzt dafür ein natürliches Agrar- system, indem er Maniok, Tiquisque, Tomaten und Pap- rika zwischen den Bäumen anpflanzt. Dadurch werden die Kosten niedrig gehalten, und der Nutzen ist groß. Es entstehen Arbeitsplätze, und es werden Lebensmittel zur Versorgung der Bevölkerung hergestellt. Sie wollen in Zukunft mit BaumInvest stär- ker kooperieren. Was erwarten Sie von dieser Zusammenarbeit? Forstwirtschaftliches Investment erfordert gründ- liche Überlegungen. Es ist mein Ziel, BaumInvest mit technischem, strategischem und wirtschaftlichem Rat zur Seite zu stehen. Ich will aber auch helfen, die Er- fahrungen, die auf den Fincas gesammelt werden, zu systematisieren und weiterzugeben. Als Wissenschaftler will ich dabei erforschen, warum Dinge gut laufen, an- dere nicht. Dieses Wissen bringt uns sehr viel weiter. Es kann sowohl auf andere Investments übertragen werden als auch in die Lehre an Forstakademien und Universitäten einfließen.


San Rafael, hat durch diese Arbeit seine Frau gefunden, geheiratet und zeigt heute stolz auf seine Tochter (s. Seite 36). „An Nelsons kleiner Familie kann man bei- spielhaft sehen, dass BaumInvest den Mitarbeitern eine Zukunft bietet“, so Leo Pröstler. Das liegt auch daran, dass auf allen Fincas in die Infrastruktur investiert wor- den ist. Marode Dächer wurden erneuert, Unterkünfte frisch gestrichen und renoviert, kleine Holzhäuser für die Mitarbeiter gebaut, Gemeinschaftsräume und Kan- tinen eingerichtet, in denen alle dreimal am Tag ein warmes Essen serviert bekommen. Dass dafür sogar Fleisch und Wurst aus eigener Zucht


stammen, lässt sich fast schon als glückliche Fügung bezeichnen: Stefan Pröstler bekam vor zwei Jahren zum Geburtstag ein Glücksschwein geschenkt. „Mästen und


dann schlachten?“, fragte er sich. „Da ist doch viel mehr möglich.“ Die Arbeiter auf San Rafael haben daraufhin einen Stall mit offenem Auslauf gebaut und Kuhlen zum Suhlen. Ein Eber wurde beschafft, die Sau brachte 14 Ferkel zur Welt. Inzwischen wuchs die kleine Schweine- zucht auf 40 Tiere heran und braucht über weitere Ferkelchen nicht zu klagen. Jede Woche wird nun ein Schwein geschlachtet, das Fleisch mit den Arbeitern der anderen Fincas geteilt. Und das gesamte Futter selbst erzeugt – zwischen den Bäumen versteht sich. Nicht nur Schweine fühlen sich hier offenkundig wohl, zwi- schen den Häusern und Bäumen scharrt und gackert es auch. Diese „Waldhühnchen“, wie die beiden





1/ Säckeweise wird die Ingwerernte vom Feld getragen. 2/ Die Ingwerknollen werden gewaschen und verschickt. 3/ Mit dem Mais werden Schweine und Hühner gefüttert. 4/ Auf allen Fincas werden die Schösslinge selbst gezogen.


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Fotos : BaumInvest (5)


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