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MehrWERT: Leo + Stefan Pröstler





Leo Pröstler


wieder in die Stahlindustrie. Anfang 1980 las er, dass das Öko-Institut einen Geschäftsführer suchte. Mit hundert anderen bewarb er sich und bekam die Stelle. War das nun das Glück, nach dem er suchte? Als Institutsleiter musste er ein „Chaos an Finanzen ordnen“, „den Geld- sack zuhalten“ und „mit wenig Mitteln möglichst viel er- reichen“. Das waren ganz neue Erfahrungen und endlose mühsame Arbeit an der Basis – viereinhalb Jahre lang. Dann war Zeit für einen Wechsel. Ein klares Ziel hatte er zunächst nicht, dafür viele Ideen.


Der Diplom-Ingenieur erfand den „Öko-Müller“, das erste Abfalltrennsystem für private Haushalte. Durchge- setzt hat es sich nicht. Aber: „Es ist immer noch das beste System der Welt“, sagt er. Danach folgten auswaschbare Kaffeefilter, Wassersparer für Toiletten, schließlich eine Öko-Putzkiste – und endlose Gedanken darüber, wie sich diese Umweltprodukte am besten vermarkten ließen. Das Ergebnis allen Grübelns hieß Waschbär. 1987


wurde der Öko-Versand gegründet, letztlich eine direkte Konsequenz der Zeit im Öko-Institut. Zehn Jahre später machte das Unternehmen 50 Millionen Mark Umsatz und hatte 150 Mitarbeiter. Schon 1994 schlug Leo Pröst- ler erstmals eine Brücke nach Costa Rica. Denn er, der


› Stefan Pröstler


Zwei, die sich verstehen: Vater und Sohn Pröstler arbeiten in Costa Rica Hand in Hand.


nannten Josefs-Pfennigs: Was wäre passiert, wenn Josef für seinen Sohn Jesus einen Pfennig bei der Bank ange- legt hätte, der mit fünf Prozent verzinst worden wäre? Gelächter im Saal, als die Welt schließlich unter der Zinslast zusammenbricht. Denn aus dem einen Pfennig hätte sich in den vergangenen 2000 Jahren ein Vermö- gen angehäuft, das zig Erdkugeln in Gold entsprechen würde. Doch in dem Moment, als der Chef seinen Leu- ten vor Augen führt, was das möglicherweise mit ihnen zu tun hat, wird es still: Jeder Einzelne kann sich über- nehmen, wenn er Fernseher und Handy auf Kredit kauft und 25 Prozent Zinsen zahlen muss, was in Costa Rica durchaus üblich ist. „Der ist einer von uns“, sagt einer der Männer später, „deshalb glauben wir, was er sagt.“ Sie könnten Stefan Pröstler kaum ein größeres Kom-


pliment machen. Dabei wirkt der 32-Jährige in seinem „Puro Verde“-T-Shirt und dem nach hinten gebunde- nen Haarschopf eher wie einer der Forststudenten aus


beim Öko-Institut gelernt hatte, was ökologische Ver- antwortung heißt, ließ auf Rat der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Costa Rica 100000 Bäume pflanzen, um so den Papierverbrauch für die 500000 Waschbär-Kataloge zu kompensieren. Und man merkt ihm an, dass er noch heute stolz darauf ist. Nach der Insolvenz 2001, in Zeiten, als die Banken mehr Eigenkapital forderten, suchte er neue Aufgaben, wäh- rend der heute noch florierende Waschbär-Versand von einem kapitalkräftigeren Investor übernommen wurde. Leo Pröstler wagte wiederum einen Neustart und sagt


rückblickend: „Ohne diesen Zusammenbruch gäbe es weder BaumInvest noch den VisionsWald“. In der zwei- jährigen Vorbereitungsphase herrschte ein konstruktives Durcheinander – was ihm aus dem Öko-Institut und den Anfangsjahren bei Waschbär vertraut war. Aktien- recht, Fondsrecht, Forstwirtschaft – alles musste sich der studierte Eisenhüttenkundler selbst aneignen. Inzwischen arbeiten nicht nur 160 Mitarbeiter auf


den Fincas, heute hat vor allem sein Sohn Stefan die gesamte Arbeit in Costa Rica übernommen. Der wiede- rum hat das Talent, immer neue Ideen zu entwickeln, wahrscheinlich von seinem Vater geerbt. Vielleicht kön-


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Fotos : BaumInvest (2)


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