MehrWERT: Wälder weltweit
„Das ist eine gute Methode, um Erfolge zeigen zu kön- nen“, sagt László Maráz von der Umweltorganisation Pro Regenwald. „Dieser kleine statistische Trick hat schnell mal ein paar Millionen Hektar Wald erzeugt.“ Und somit Erfolge, die sich Regierungen ans Revers heften können. Papier, Palmöl oder Bauholz – kein Problem,
Mit kleinen statistischen Tricks werden schnell mal ein paar Millionen Hektar
Wald erzeugt und der wirkliche Zustand vernebelt
der Wald schrumpft doch gar nicht. Der wirkliche Zu- stand wird vernebelt. Jetzt sind selbst Formationen aus licht stehenden Bäumen Wald geworden. Doch das ist nur die eine Seite. Es gibt sie nämlich,
die erfolgreichen Waldgeschichten. Denn nicht nur in Deutschland nimmt die Waldfläche auch real zu. Vor allem China ist in Sachen wachsender Wälder Vorreiter. Um drei Millionen Hektar wird die Waldfläche dort grö- ßer – pro Jahr. Mit der ihnen eigenen Durchsetzungs- kraft stampfen die Chinesen Wälder aus dem Boden, um der Erosion und Wüstenbildung zu begegnen. Dass die meisten davon Armeen von Klonen sind, Baumfelder mit wenig ökologischem Nutzen, ist bei der Planerzie- lung zweitrangig. Ihr Engagement im eigenen Land hält sie auch nicht davon ab, weltweit auf Holzeinkaufstour zu gehen. Auch die Nordamerikaner lassen ihren Wald wachsen und suchen sich den Rohstoff anderswo. Eine ökologische und nachhaltige Politik sieht anders aus. Den Wald zu erhalten, scheint Luxus zu sein. Und
damit sind wir schon beim zweiten Dilemma. Wir wol- len nicht auf unseren Lebensstil verzichten, zeigen aber auf die Länder des Südens, die ihre Naturschätze für uns plündern. Trotz aller Abkommen, Versprechungen und Projekte schrumpft deshalb die Waldfläche stetig. Das Tempo hat sich zwar gegenüber den 80er Jahren verlangsamt, aber es werden jährlich immer noch 13 Millionen Hektar Wald vernichtet; das entspricht der Fläche Griechenlands. Die Brennpunkte sind schnell ausgemacht. Spitzenreiter sind Brasilien und Indone- sien, gefolgt von Nigeria, Tansania und Myanmar. Der klassische Holzeinschlag ist dabei fast schon ein
Nebenaspekt des Waldverlusts. Brandrodungen für ste- rile Eukalyptus-, Ölpalmen- oder Sojapflanzungen sind an der Tagesordnung. Die Folgen bekommen die Länder selbst schon bald
zu spüren, wenn ihre Wälder verschwunden sind. Denn zunächst einmal geht durch den Raubbau die Vielfalt verloren. Gerade die tropischen Wälder sind Horte der Biodiversität. In ihnen hatte die Natur Tausende von
Jahren Zeit, sich für jede Lücke, jede ökologische Nische eine passende Lösung einfallen zu lassen. So konnten sich im Kongobecken Gorillas entwickeln und in Mittel- amerika Pfeilgiftfrösche. Verschwinden mit dem Lebens- raum Wald solche Arten, geht neben dem ökologischen Wert auch die kulturelle Identität und das Erbe des jeweiligen Landes verloren. Den Wasserhaushalt, das lokale und das Weltklima – auf allen Ebenen bringt der Waldschwund das System durcheinander. Ehemals mit tropischen Regengüssen gesegnete Regionen drohen zu verdorren, denn ohne Wald bricht das System aus Verdunstung und Nieder- schlägen zusammen. Die Staatengemeinschaft ist sich durchaus bewusst,
dass etwas getan werden muss, um den Waldverlust zu stoppen. Und das auch hierzulande. Denn trotz der schönen Zuwächse könnte das Waldpolster schnell wieder schmelzen. So hat sich seit dem Jahr 2000 der Brennholzbedarf nahezu verdoppelt. Die Mineralöl- industrie will aus Holz Biosprit der zweiten Generation herstellen, die Chemiebranche mit Holz Rohöl ersetzen. All das erhöht den Nutzungsdruck. Auf der anderen Seite hat die Bundesregierung 2007
in der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ als Ziel festgeschrieben, dass bis 2020 fünf Prozent des Waldanteils einfach wachsen dürfen. Naturschützer for- dern sogar einen Waldanteil von zehn Prozent, der als Naturwaldreservat oder Nationalpark von der Nutzung verschont werden soll. Im Moment sind es bescheidene zwei Prozent. Hausaufgaben gibt es auch in puncto Buchenwälder:
Deutschland deckt ein Viertel des natürlichen Verbrei- tungsgebietes der Rotbuche ab. Einst wuchsen sie auf gut zwei Dritteln der Fläche – heute machen alte, wert- volle Buchenwälder gerade einmal 0,1 Prozent der Lan- desfläche aus.
Deutschland deckt ein Viertel des natürlichen Verbreitungsgebietes der Rotbuche
ab. Heute gibt es alte,
wertvolle Buchenwälder gerade einmal auf 0,1 Prozent der Landesfläche
Nur langsam ist man in Deutschland von der gedan-
kenlosen Ausbeutung zu einer nachhaltigen Forstwirt- schaft gelangt. Dieser Prozess hat mehrere Jahrhunderte gedauert. Da heute das Tempo der globalen Waldver- nichtung ungleich höher ist, bleibt nur eins: kräftig auf die Bremse zu treten. Am besten sogar den Rück- wärtsgang einzulegen. Costa Rica hat es vorgemacht: In den 90er Jahren war die Waldfläche auf 21 Prozent geschrumpft. Heute sind es wieder 51 Prozent.
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Foto : BaumInvest
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