MehrWERT: Ökologische Aufforstung
Im Takt der Natur
Einen Wald begründen. Dazu gehört mehr, als Bäume in den Boden zu stecken und dann auf den lieben Gott zu vertrauen. Puro Verde macht vor, wie durch Wissen, Erfahrung und Mut Wälder entstehen, von denen alle etwas haben. TEXT: PETER LAUFMANN
W
ald ist Musik. Ist ein ganzes Orchester. Jedes Instrument muss zum anderen passen, sonst
hört sich das Stück schräg an. Nur dass im Wald nicht Geige, Klavier und Trommel den Ton angeben, sondern Licht, Wasser und Nährstoffe. Ein Waldbauer muss wie ein Dirigent diese Partitur beherrschen. Und manch- mal auch variieren, um Stärken und Schwächen seines Orchesters im Griff zu haben. Auf der Finca San Rafael hat Stefan Pröstler den wald- baulichen Taktstock in der Hand. Er ist der Geschäfts- führer von Puro Verde, der Firma, die als Dienstleister von BaumInvest in Mittelamerika Brachflächen wieder aufforstet. 217 Hektar ist das Anwesen groß und liegt idyllisch im Norden Costa Ricas. Ursprünglich war hier alles Regenwald. Oder um im
Bild zu bleiben: Die Natur führte über Jahrtausende täglich neue Kompositionen aus unzähligen Arten auf. Vor 35 Jahren jedoch wurde der Dschungel weitgehend gerodet. Fortan bestimmte das Muhen von Kühen den Spielplan.
Bis BaumInvest und Stefan Pröstler die Finca über-
nommen haben. Einen Baum zu pflanzen ist allerdings komplizierter als nur darauf zu achten, dass das rich- tige Ende in die Erde kommt. Da ist zunächst die Bühne, wie die Natur sie bietet. „Wir haben hier rote Böden mit zehn, 15 Zentimeter Humusdecke“, erklärt Puro Verde Chef Pröstler. Für die Tropen ist das so schlecht nicht, aber auch nicht ideal. „Deswegen beginnen wir mit Sträuchern, die wir nach ein bis zwei Jahren wieder ab- hacken. Die Wurzeln verfaulen im Boden und reichern organisches Material an.“ So vorbereitet können die Bäume kommen. Anderswo
wird Hektar um Hektar mit ein und derselben Baum- art aufgeforstet. Wald als Monokultur, einförmig und steril. Das ist billig in der Anlage, billig in der Pflege, billig in der Ernte. Bei Puro Verde geht man einen an- deren Weg. Der erscheint zwar mühsamer, aber bei ihm gibt es gleich eine ganze Reihe von Gewinnern. Eine Symphonie nur mit Streichern wäre doch auch lang- weilig, oder?
› Mischwälder brauchen mehr Pflege als Plantagen mit Monokulturen. Die Waldbauern haben so dauerhafte Arbeitsplätze.
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