AUTOR SERGIO NIÑO FOTOGRAFIE ARTIST COURTESY
mixmag germany
DEA MAGNA DIE EIGENE FREQUENZ FINDEN
In Serbien aufzuwachsen, in den Jahren nach dem Krieg, bedeutete, dass Sicherheit ein anderes Gewicht hatte. Stabilität war nicht einfach nur ein persönliches Ziel, sondern etwas, das Familien neu aufzubauen versuchten, oft mit einem klaren Vorrang für das Praktische. Für Dea Magna existierte Musik schon früh parallel zu dieser Realität. Klassisches Klavier wurde zu der Sprache, durch die sie die Welt verstand, doch das Erwachsenenleben schien eine andere Zukunft zu verlangen, eine, die weniger an Ausdruck und stärker an Sicherheit gemessen wurde.
Erst später sollte ihr bewusst werden, dass diese beiden Wege eigentlich nie wirklich voneinander getrennt waren. Was zunächst wie eine Abfolge unterschiedlicher Leben wirkte,
Produzentin, Labelgründerin, fühlt sich heute eher an wie das schrittweise Entfernen all dessen, was zwischen ihr und der Person stand, die sie im Grunde immer schon war.
Im Laufe unseres Gesprächs erscheint Musik weniger als Beruf und vielmehr als eine Möglichkeit, Identität, Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu verstehen. Ein roter Faden, der Kindheitserinnerungen aus Belgrad mit Dancefloors in Berlin, Amsterdam und Los Angeles verbindet, Orten, an denen Freiheit für sie nicht einfach gefunden, sondern aktiv aufgebaut wurde.
„Im Serbien der Nachkriegszeit aufzuwachsen bedeutete, dass Stabilität über allem stand. Sie war eine Möglichkeit, ein Gefühl von Kontrolle zu bewahren, nachdem das Land auseinandergebrochen war. Musik wurde der erste Ort, an dem ich mich frei fühlte. Ich habe mit sechs Jahren angefangen, Klavier zu spielen. Klassische Musik wurde zu der Sprache, durch die ich die Welt verstanden habe.“
Nach zwölf Jahren klassischer Ausbildung schien ein Wirtschaftsstudium die sicherere Entscheidung zu sein.
„Meine Eltern haben mich dazu ermutigt, Wirtschaft zu studieren, weil es eine Zukunft versprach, die sich verlässlicher anfühlte. Wir haben unser Familienklavier verkauft, um meine Studiengebühren mitzufinanzieren. Ich erinnere mich daran, wie Fremde es aus der Wohnung getragen haben und ich das Gefühl hatte, dabei zuzusehen, wie eine ganze Version meiner Zukunft verschwindet. Aber mit der Zeit habe ich wieder zu dem zurückgefunden, was mich immer am meisten wie mich selbst fühlen ließ: Musik.“
Heute betrachtet sie die Entscheidung, Artist zu werden, nicht als Akt der Rebellion.
„Es war ein Akt der Selbsterhaltung. Mein Verständnis von Sicherheit hat sich komplett verändert. Ich habe verstanden, dass Unsicherheit zu vermeiden einen nicht zwangsläufig schützt. Manchmal liegt das größte Risiko darin, ein Leben aufzubauen, das einen immer weiter von sich selbst entfernt.“
Pianistin, Wirtschaftsabsolventin, Techno-
06
Page 1 |
Page 2 |
Page 3 |
Page 4 |
Page 5 |
Page 6 |
Page 7 |
Page 8 |
Page 9 |
Page 10 |
Page 11 |
Page 12 |
Page 13 |
Page 14 |
Page 15 |
Page 16 |
Page 17 |
Page 18 |
Page 19 |
Page 20 |
Page 21 |
Page 22 |
Page 23 |
Page 24 |
Page 25 |
Page 26 |
Page 27 |
Page 28 |
Page 29 |
Page 30 |
Page 31 |
Page 32 |
Page 33 |
Page 34 |
Page 35 |
Page 36 |
Page 37 |
Page 38 |
Page 39 |
Page 40 |
Page 41 |
Page 42 |
Page 43 |
Page 44 |
Page 45 |
Page 46 |
Page 47 |
Page 48 |
Page 49 |
Page 50 |
Page 51 |
Page 52 |
Page 53 |
Page 54 |
Page 55 |
Page 56 |
Page 57 |
Page 58 |
Page 59 |
Page 60 |
Page 61 |
Page 62