santøs
Alles rund um SANTØS kann noch größer werden. Doch Größe ist inzwischen vielleicht der uninteressanteste Teil der Ges- chichte. Was Glenn schützen will, ist viel kleiner und zugleich schwerer zu messen: einen Club betreten zu können, ohne ihn nur als nächsten Tourtermin zu sehen; die rohe Energie der Mu- sik zu bewahren, die ihn geprägt hat, ohne in ihrer Vergangenheit stecken zu bleiben; und ambitio- niert zu bleiben, ohne den Forts- chritt anderer darüber ents- cheiden zu lassen, wie er seinen eigenen bewertet.
SANTØS findet noch immer he- raus, wie viel Platz Ambition in einem Leben einnehmen sollte. Glenn macht keinen Hehl da- raus, dass er weiterkommen will. Er tut auch nicht so, als wäre ihm Erfolg egal. Er will mehr für das Projekt und erwartet mehr von sich selbst. Verändert hat sich sein Bewusstsein dafür, dass permanentes Vorwärtsrennen irgendwann den Blick verze- rren kann. Gerade Social Media
macht es leicht, sich ständig zu vergleichen – und so kann sich selbst ein großer Erfolg schon kurz nach seinem Eintreten wie- der klein anfühlen. Seine An- twort darauf ist nicht, weniger ambitioniert zu werden. Vielme- hr versucht er herauszufinden, welcher Druck ihn wirklich wei- terbringt.
Gleichzeitig akzeptiert er zune- hmend, dass Glenn als Person nicht vollständig in SANTØS als Artist aufgehen kann. Das Tourleben macht diese Trennung schwieriger – und wahrschein- lich zugleich wichtiger. Der We- chsel vom vollen Club ins leere Hotelzimmer, von kollektiver Ekstase zum Alleinsein auf dem Heimweg, hat ihn gezwungen, eine neue Beziehung zur Ein- samkeit aufzubauen. Heute spri- cht Glenn über Freunde, Training, Hobbys und Therapie, ohne so zu tun, als wären sie magische Lö- sungen. Sie gehören schlicht zu einem Leben, das größer bleiben muss als SANTØS. Je mehr das Projekt von ihm verlangt, desto wichtiger wird genau das.
Vielleicht sagt am meisten über ihn aus, dass er gar nicht be- hauptet, all diese Widersprüche bereits gelöst zu haben. Er möch- te mehr Perspektive gewinnen – und zugleich weiterhin alles aus seiner Karriere herausholen. Er hat gelernt, allein sein zu können, während er einen Beruf ausübt, der von Räumen voller Menschen lebt. Er weiß, wie gefährlich per- manentes Vergleichen sein kann, und bleibt dennoch äußerst ehr- geizig im Wettbewerb mit sich selbst.
Dass all das nicht perfekt zu- sammenpasst, macht es mens- chlich. Glenn beschreibt keine fertige Version seiner selbst. Er findet noch heraus, wo der Artist aufhört, wo die Person beginnt – und wie er beide schützen kann, während alles um ihn herum im- mer schneller wird.
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