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SANTØS AFTER THE NOISE


Ein Wochenende auf Tour hat zwei völlig unterschiedliche Seiten – und SAN- TØS bewegt sich immer mehr irgendwo dazwischen. Da ist die öffentliche Seite: Druck, Bewegung, Körper, ein voller Floor, der fast unmittelbar auf jede Entschei- dung hinter den Decks reagiert. Und dann kommt das Danach. Glenn verlässt die Booth und plötzlich wird alles klein. Flughäfen. Hotelzimmer. Der Weg nach Hause. Stille nach Stunden, in denen er versucht hat, einen ganzen Raum jedes Gefühl für Zeit verlieren zu lassen.


Bei einem Projekt, dessen Wurzeln tief in Early Rave, Hardcore und Gabber liegen, ist genau dieser Kontrast immer wichtiger geworden. SANTØS entstand als Mö- glichkeit für Glenn, etwas nach außen zu tragen, das schon lange in ihm steckte – lange bevor überhaupt jemand darauf wartete, es zu hören.


„Ich bin Glenn, der Typ hinter SANTØS. Ich habe das Projekt nicht gestartet, weil ich irgendeinem Trend folgen wollte. Es wurde einfach zu meiner Art, die Energie, mit der ich groß geworden bin, in etwas zu verwandeln, das die Leute körperlich spüren können. In meinen Sets geht es um Spannung, unerwartete Turns und Re- lease. Ich verbinde Industrial Hard Techno mit dem rohen Spirit von 90s Rave und Gabber. Ich will nicht, dass die Leute es nur hören. Sie sollen komplett das Zeitge- fühl verlieren und danach mit diesem ‚Was zur Hölle ist da gerade passiert?‘-Ge- fühl rausgehen. Jeder Edit, jeder Blend und jeder unveröffentlichte Track ist aus einem bestimmten Grund im Set. Diese Momente zu kreieren, ist mir viel wichtiger, als einfach den nächsten großen Track zu droppen.“


Die 90er sind bei SANTØS kein Retro-Look, der dem Projekt nachträglich über- gestülpt wurde. Early Rave, Hardcore und Gabber gehören zu Glenns musikalis- cher DNA. Diese Sounds waren schon da, bevor er überhaupt ans Produzieren dachte. Geblieben ist vor allem ihre rohe Energie – nicht der Wunsch, die Ver- gangenheit eins zu eins nachzubauen. Mit der Zeit ging es bei SANTØS vielmehr um die Frage, wie sich genau diese Intensität in die Gegenwart übertragen lässt.


„Mein Sound basiert seit jeher auf der Musik, mit der ich groß geworden bin. Early Rave, Hardcore, Gabber – diese rohe Energie war schon lange Teil meines Le- bens, bevor ich überhaupt angefangen habe zu produzieren. Irgendwann wusste ich, dass ich die Vergangenheit nicht einfach kopieren will. Ich wollte dieses Gefühl nehmen und daraus etwas Neues machen. Der entscheidende Moment kam, als ich begann, diese Old-School-Einflüsse mit Hard Techno zu verbinden, dabei aber Groove und Rhythmus in den Mittelpunkt zu stellen, statt einfach alles maximal industrial zu machen.“


Damit veränderte sich auch seine Vorstellung davon, was „hart“ überhaupt be- deutet. In einer Szene, in der Intensität schnell zu einem Wettkampf um mehr BPM, mehr Distortion und mehr Impact werden kann, begann SANTØS, sich stär- ker für die Zwischentöne zu interessieren.


„Da hat es bei mir Klick gemacht. Ich habe aufgehört, dem Gedanken hinterher- zulaufen, dass härter automatisch besser ist. Für mich geht es um Spannung, Groove und Emotion, ohne dabei die rohe Energie zu verlieren, wegen der ich mich überhaupt in diese Musik verliebt habe. Ich will, dass die Leute komplett die Zeit vergessen. Genau dieses ‚Was ist gerade passiert?‘-Gefühl suche ich. Jeder Edit, jeder Blend und jeder unveröffentlichte Track ist bewusst ausgewählt. Solche Mo- mente zu schaffen, bedeutet mir mehr, als einfach den nächsten Hype-Track zu spielen. Wenn jemand aus meinem Set kommt, soll er das Gefühl haben, etwas erlebt zu haben, das er so nirgendwo anders bekommen hätte.“


Doch je größer SANTØS wird, desto komplexer wird auch das Leben rund um die Sets – der Teil, den man vom Floor aus nicht sieht.


021


AUTOR SERGIO NIÑO PHOTORAPHY BRADA MEDIA


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