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mixmag germany


JENSEITS DER REAKTIONT


BEN TECHY


„Kein Vorbei“ entstand, bevor Ben Techy überhaupt viel Zeit hatte, sich selbst dabei in die Quere zu kommen.


Die Melodien entwickelten sich schnell. Er experimentierte mit selbstgebauten Synth-Patches, spielte auf dem Keyboard und arbeitete mit MPE Pitch Bending, damals inspiriert von Aloboi. Eine Idee führte zur nächsten, und innerhalb eines Tages war der Track fertig. Ben hat gelernt, genau solche Sessions zu erkennen. Wenn sich die Musik schneller zu bewegen scheint, als seine Hände sie festhalten können, lohnt es sich meistens, ihr zu folgen.


Was diesmal anders war, war das Fehlen eines imaginären Publikums.


Jahrelang hatte ihn im Studio immer wieder dieselbe Frage begleitet: Werden die Leute das mögen? Bei „Kein Vorbei“ verlor diese Frage vorübergehend ihre Macht. Stattdessen entstand der Track aus dem Gefühl heraus, in einem System gefangen zu sein, das einem nach und nach Identität, Sinn und jedes stabile Zeitgefühl nimmt. Ben wollte diese Taubheit einfangen, die entsteht, wenn man selbst zunehmend mechanisch funktioniert, während sich alles um einen herum weiterbewegt.


Damals ging er davon aus, dass Hörer:innen von Hard Techno etwas Aggressiveres und Industrielleres erwarteten. Stattdessen fand gerade die melodische und


emotionale Offenheit von „Kein Vorbei“


deutlich Anklang, als er erwartet hatte.


„Ich habe mich jahrelang gefragt: ,Werden die Leute das mögen?‘ ,Kein Vorbei‘ war wahrscheinlich das erste Mal, dass ich mehr daran interessiert war, ob es mir selbst gefällt.“


Es liegt eine gewisse Ironie darin, einen Durchbruch zu erleben, indem man sich weniger darauf konzentriert, einen zu haben. Für Ben war die Erkenntnis letztlich wichtiger


als das Ergebnis.


Menschen das zu geben, von dem man glaubt, dass sie es wollen, ist nicht zwangsläufig dasselbe, wie ihnen etwas zu geben, das sie als bedeutungsvoll erkennen können.


Diese Unterscheidung prägt heute einen großen Teil seines Verständnisses von härterer Musik.


Ein Track kann extrem hart


wirken, ohne wirklich Bewegung auszulösen. Er kann technisch makellos sein, ohne eine Idee zu hinterlassen, an die man sich erinnert. Ben interessiert sich


stärkeren


zunehmend für das, was unterhalb des ersten Impacts bestehen bleibt.


Für ihn beginnt das mit Groove.


„Der Groove ist der Unterschied zwischen einem Track, bei dem du nur stampfst, und einem Track, der dich wirklich zum Bewegen bringt.“


Kick, Bass und Percussion funktionieren für ihn als Beziehung zueinander und nicht bloß als Ansammlung


einzelner Sounds.


Ihr Charakter ist wichtig, aber ebenso entscheidend ist, wo jedes Element sitzt und wie es mit den anderen interagiert. Genau deshalb fasziniert ihn Schranz weiterhin. Eine rhythmische Idee kann sich so lange wiederholen, bis sie vollkommen absorbierend wirkt. Dann reicht eine minimale Veränderung, um das Ohr neu zu fokussieren: ein Percussion-Hit, ein Call and Response, ein einzelner ungewöhnlicher Sound an genau der


richtigen Stelle. Vielleicht


nimmt der Kopf diese Veränderung gar nicht bewusst wahr, aber der Körper tut es.


044


AUTOR: SERGIO NIÑO FOTOGRAFIE: APEX FILMS


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