mixmag germany
Diese Philosophie überträgt sich ganz natürlich auf den Dance- floor. Dort denkt sie weniger über maximalen Impact nach und mehr darüber, Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen etwas erleben können, das bleibt.
„Ich denke oft über Neil Postmans Idee nach, dass jedes neue Me- dium verändert, was eine Gesell- schaft wertschätzt. Wir erzählen uns immer noch, dass wir Musik für Dancefloors machen, obwo- hl wir zunehmend Momente für Handybildschirme produzieren. Dagegen möchte ich mich we- hren.“
Sie konzentriert emotionale Architektur
sich auf die eines
Sets und lässt Groove, Spannung und lange Übergänge den Raum nach und nach verändern, bevor sie Momente lyrischer Klarheit einführt.
„Inzwischen fühle ich mich ganz natürlich zu grooveorientierten Tracks hingezogen, die Raum für Spannung, Emotion und Momen- tum lassen. Ich bevorzuge auch lange, fließende Übergänge, bei denen ich drei oder vier Tracks übereinanderlege, bis ihre Gren- zen verschwinden. Das Ergebnis fühlt sich vertraut genug an, um ihm zu vertrauen, aber gleichzei- tig unerwartet genug, damit die Menschen offen dafür bleiben, wohin die Musik sie führen möch- te. Genau dann bringe ich gerne Lyrics als kleine emotionale In- terventionen ein. Egal ob sie wei- bliches Selbstbewusstsein feiern, gesellschaftliche
Normen und
Erwartungen infrage stellen oder Menschen dazu ermutigen, sich selbst ein bisschen mehr zu ver- trauen, ich suche nach Momen- ten, die über den Dancefloor hin- aus nachwirken. Ich glaube, Musik hat die Kraft, zu beeinflussen, wie Menschen sich zumindest für ei- nen Abend selbst wahrnehmen. Wenn jemand aus meinem Set geht und sich ein bisschen freier, mutiger, sichtbarer oder einfach offener dafür fühlt, wer er ist oder wer er sein könnte, dann hat die
Musik genau das getan, was ich mir erhofft habe.“
UNDERDOGS
Diese Idee von Zugehörigkeit rei- cht inzwischen weit über ihre ei- gene Musik hinaus. Der Start von Underdogs Records wirkt weni- ger wie der nächste Karrieres- chritt und mehr wie eine natür- liche Fortsetzung all dessen, was sie bisher geprägt hat.
„Einer der bedeutungsvollsten
Teile dieser Reise waren Nachri- chten von jungen Frauen, die mir erzählt haben, dass sie durch meine Karriere den Mut gefunden haben, selbst Musik zu machen. Diese Nachrichten haben mich daran erinnert, dass manchmal eine einzige Person reicht, die etwas vormacht, um zu erwei- tern, was wir für möglich halten.“
Für Dea ist Inspiration allerdings nur der Anfang.
„Ein Artist kann jemanden ins- pirieren. Eine Community kann ihn tragen. Deshalb hoffe ich, dass Underdogs Records zu ei- ner Community wird, in der Ar- tists, die sich ihr Leben lang wie Außenseiter gefühlt haben, ei- nander finden, unterstützen und gemeinsam wachsen können.“
Das Label basiert auf einer ein- fachen Idee: Originalität beginnt oft am Rand.
„Es ist für Menschen, denen ge- sagt wurde, sie seien zu emotio- nal. Zu seltsam. Zu feminin. Zu anders. Zu melodisch. Zu laut. Zu viel. Frauen. Queere Artists. BIPOC Artists. Neurodivergen-
te Artists. Produzent:innen aus kleinen Städten. Immigrant:innen. Alle, die jemals unterschätzt wur- den oder das Gefühl hatten, eine Karte nicht bekommen zu haben, die scheinbar alle anderen besit- zen. Ich möchte, dass das Label dieselbe Überzeugung widers- piegelt, die auch meine eigene Karriere geprägt hat: Artists ma- chen ihre beste Arbeit, wenn sie aufhören, in bestehende Formen passen zu wollen, und anfangen, dem zu vertrauen, was sie einzi- gartig macht. Je älter ich werde, desto weniger interessiert mich die Frage, ob etwas erfolgreich sein wird, und desto wichtiger wird mir, dass es sich ehrlich und bedeutungsvoll anfühlt. Das ist mittlerweile der Filter, den ich für alles andere benutze.“
Das nächste Kapitel setzt die- se Suche fort. Dazu gehört auch eine kommende Kollaboration mit Culiner für Insomniacs Mu- tate-Imprint, ein Projekt, das zwei sehr unterschiedliche mu- sikalische Hintergründe über ein gemeinsames Interesse an Kom- position und Experiment zusam- menführt.
„Artists machen ihre beste Arbeit, wenn sie aufhören, in bestehende Formen passen zu wollen, und anfangen, dem zu vertrauen, was sie einzigartig macht.“
010
Page 1 |
Page 2 |
Page 3 |
Page 4 |
Page 5 |
Page 6 |
Page 7 |
Page 8 |
Page 9 |
Page 10 |
Page 11 |
Page 12 |
Page 13 |
Page 14 |
Page 15 |
Page 16 |
Page 17 |
Page 18 |
Page 19 |
Page 20 |
Page 21 |
Page 22 |
Page 23 |
Page 24 |
Page 25 |
Page 26 |
Page 27 |
Page 28 |
Page 29 |
Page 30 |
Page 31 |
Page 32 |
Page 33 |
Page 34 |
Page 35 |
Page 36 |
Page 37 |
Page 38 |
Page 39 |
Page 40 |
Page 41 |
Page 42 |
Page 43 |
Page 44 |
Page 45 |
Page 46 |
Page 47 |
Page 48 |
Page 49 |
Page 50 |
Page 51 |
Page 52 |
Page 53 |
Page 54 |
Page 55 |
Page 56 |
Page 57 |
Page 58 |
Page 59 |
Page 60 |
Page 61 |
Page 62