mixmag germany
Später kann Stabilität genau das sein, was diese Freiheit schützt.
Mit Erfolg passiert etwas Ähnli- ches.
Sein äußeres Vokabular ist ver- traut: das nächste Label, der nä- chste Club, das nächste Festival, Booking, Zahlen.
AnD hat viele der Orte erreicht, die früher irgendwo vor ihm la- gen.
Berghain und Awakenings wur- den Teil seiner Geschichte, eben- so wie Releases, Filmarbeit und Jahre internationalen Tourens.
Doch das Maß, das heute am meisten zu zählen scheint, passt nicht besonders sauber in eine Biografie.
„Wenn du jünger bist, scheint Er- folg immer genau einen weiteren Erfolg entfernt zu sein. Das nä- chste Label, der nächste Club, das nächste Festival.
Dann spielst du plötzlich an Or- ten, von denen du früher ge- träumt hast, und realisierst, dass es keine Ziellinie gibt.
Ich hatte unglaubliche Erfahrun- gen: Berghain, Awakenings, Rei- sen um die Welt, Releases, Fil- marbeit und jetzt etwas wie ein Mixmag Germany Cover.
Ich schätze all das sehr.
Aber wenn jemand zu mir sagt: ,Ich habe dich in den vergange- nen 20 Jahren 30 Mal spielen se- hen‘, trifft mich das anders.
Denk darüber nach, was diese Person eigentlich sagt.
Deine Musik hat einen Teil des Lebens eines anderen Menschen begleitet.
Geld, Follower und Statistiken können das nicht messen.
Meine innere Definition von Er- folg ist inzwischen viel einfacher geworden: Gesundheit,
Glück,
Freiheit, Stabilität und morgens immer noch aufzuwachen und unbedingt etwas erschaffen zu wollen.
Ich möchte nicht erfolgreich aussehen und hinter dem Foto unglücklich sein.
Erfolg bedeutet, dass das Leben hinter dem Bild tatsächlich bes- ser ist als das Bild selbst.
Genau dort bin ich heute.“
Diese Idee eines Lebens hinter dem Bild führt ganz natürlich zu einem weiteren Begriff, den ele- ktronische Musik seit Jahrzehn- ten zu definieren versucht:
Underground.
Die Expansion von Techno hat die alten visuellen Abkürzungen unzuverlässig gemacht.
Klein bedeutet nicht automa- tisch widerständig.
Groß bedeutet nicht automa- tisch kompromittiert.
Ein Keller kann vorhersehbar sein.
Ein Festival kann die Kontrolle verlieren.
AnD verortet den Unterschied eher im Verhalten eines Raums, in dem Moment, in dem die Tren- nung zwischen Performer und Publikum weniger stabil wird.
„Die unvergesslichen Nächte sind diejenigen, in denen die Kontrolle ein bisschen verschwindet. Der DJ performt nicht mehr vor der Crowd. Die Crowd konsumiert den DJ nicht mehr.
Der Raum wird zu einer einzigen Sache.
Ich habe das in winzigen dunklen Clubs und vor
riesigen Festi-
valcrowds erlebt, und seltsa- merweise kann sich die Emotion identisch anfühlen.
Deshalb akzeptiere ich nicht,
dass Underground automatisch klein bedeutet.
Underground war für mich nie eine Zahl.
Es ist eine Haltung: Freiheit, Ex- periment, Community, Risiko und etwas zu tun, weil du daran glaubst, bevor du fragst, ob alle anderen es gut finden.
Dass Techno global wird, verän- dert zwangsläufig Teile der Kul- tur. Aber Sichtbarkeit zerstört nicht automatisch Authentizität.
Du kannst 200 Menschen in ei- nen Keller stecken und absolut keine Seele haben.
Du kannst 30.000 Menschen zu- sammenbringen und vollständi- ge Einheit erzeugen.
Ich habe mich in diese Musik ver- liebt, weil dunkle Räume Fremde zu einer Einheit gemacht haben.
Underground wird nicht dadurch definiert, wie schwer der Raum zu finden ist.
Sondern dadurch, was passiert, wenn du drin bist.“
Ein wenig die Kontrolle zu ver- lieren, beschreibt auch ziemlich gut, was AnD heute noch vom Studio will.
Nach so vielen Jahren ist Kom- petenz nicht das Problem.
Vertrautheit ist es.
Das größere Risiko besteht darin, die Maschinen so gut zu kennen, dass sie irgendwann exakt das zurückgeben, was man erwartet.
Überraschung wird dadurch zu mehr als einem kreativen Luxus.
Sie wird zu einer Möglichkeit, sich gegen die angesammel- te Gewissheit von Erfahrung zu wehren.
Seine Faszination für Mathe- matik und Natur folgt derselben Logik.
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