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AUTOR SERGIO NIÑO FOTOGRAFIE CHRISTOSSAPARDANIS


mixmag germany


DISSOLVER EIN WAHNHAFTES MÄRCHEN


Es gibt einen Punkt, an dem ein Clubtrack aufhört, sich wie ein Clubtrack zu verhalten. Die Struktur beginnt abzuschweifen, eine Idee löst sich nicht dort auf, wo man es erwartet, oder ein Sound deutet plötzlich auf eine Welt hin, die größer ist als der Dancefloor, für den er ursprünglich gedacht war. Dissolver hat diese Momente nicht verworfen. Er hat sie gesammelt. Auf Me, You, Delulu wurden genau diese Außenseiter zum Material.


„Ich glaube, ziemlich früh im Prozess kam mir die Idee, aus mehreren unfertigen Tracks unterschiedlicher Genres eine Geschichte zu bauen. Ursprünglich waren die meisten davon als Clubtracks gedacht, aber manchmal führt dich der kreative Prozess in eine andere Richtung und am Ende entsteht etwas, das in diesem Kontext einfach nicht mehr richtig funktioniert.“


„Mein Ziel war es, diese ,Misfits‘ zu arrangieren und so auszubauen, dass sie als Ganzes funktionieren und eine Geschichte erzählen können. Aber nicht so eine Geschichte, wie manche Deep- oder Hypnotic-Techno-DJs, entschuldigt mein Französisch, ihre monotonen DJ-Sets nennen würden. Ich meine eine ECHTE Geschichte, eine richtige Handlung. Etwas, bei dem Menschen sich im Kopf vorstellen können, wie diese Welt aussieht.“


Diese Erzählung wurde nicht vor der Musik geschrieben. Sie entstand aber auch nicht zufällig erst im Nachhinein. Beide


entwickelten


sich gemeinsam, wobei die Reihenfolge der Tracks nach und nach die Form der Geschichte sichtbar machte.


„Ursprünglich hatte ich zehn Tracks für das Album. Nachdem ich sie in fast jeder denkbaren Kombination hintereinander gehört hatte, fand ich schließlich die endgültige Reihenfolge, bei der


alles Klick


gemacht hat. Am Ende haben es vier Tracks, abgesehen vom Intro und Interlude, nicht auf das Album geschafft.“


Als diese Reihenfolge feststand, wurde die Arbeit zunehmend präziser. Dissolver nähert sich dem Prozess mit den visuellen Instinkten aus seinem Design-Hintergrund: zuerst die Komposition, dann die Details, anschließend wiederholte Korrekturen, bis die innere Logik stimmt.


„Die Reihenfolge gab mir so etwas wie ein grobes Gerüst dafür, wie sich die Geschichte entfalten


würde. Und genau wie beim Malen habe ich nach der ersten Skizze alles sehr präzise ausgearbeitet, bis das Bild klar wurde. Dabei ging es vor allem darum, das Konzept und die Tracks weiter zu verfeinern, sicherzustellen, dass es keine Plot Holes in der Geschichte gibt und alles genau so klingt, wie ich es beabsichtigt hatte.“


Dieses visuelle Denken erklärt auch, warum das Album so stark von Kontrasten lebt. Me, You, Delulu bewegt sich zwischen Schönheit und Zusammenbruch, Euphorie und Paranoia, ohne zu versuchen, diese


Gegensätze miteinander


aufzulösen. Für Dissolver bedeutet die eine Seite ohne die andere nur wenig.


„Ich lebe von Kontrasten. Durch meinen Hintergrund im visuellen Design habe ich gelernt, dass nichts für sich allein heraussticht. Schönheit braucht Hässlichkeit, Glück braucht Traurigkeit, Dunkelheit braucht Licht. Dieses Prinzip, nach Kontrasten zu suchen, lässt sich eigentlich auf fast alles anwenden und macht Dinge fast immer interessanter.“


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