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dissolver


Dieselbe Ungeduld gegenüber Gleichförmigkeit prägt auch sein Verhältnis zu elektronischer Musik im Allgemeinen. Techno, Trance, UK Garage, Jungle und von Videospielen inspirierte Tex- turen existieren in seiner Arbeit nebeneinander, weil eine einzige musikalische Sprache genau jene Unvorhersehbarkeit reduzieren würde, die er selbst als Hörer su- cht.


„Ich langweile mich, wenn Musik oder Sets keine Kontraste haben. Es wirkt charakterlos und zu sehr so, als hätte ein Roboter es gema- cht. Ich liebe es, wenn Musik oder ein Set mehr kann, als Menschen nur zum Bewegen zu bringen. Ich möchte überrascht, verwirrt und vielleicht sogar provoziert wer- den.“


Ein eher unerwarteter Referen- zpunkt ist der


niederländische


Produzent Gladde Paling, dessen Auftritt beim Lowlands 2023 ihm gerade deshalb so stark im Gedä- chtnis geblieben ist, weil Humor und Absurdität dort ganz selbs- tverständlich Teil des Raums sein durften.


„Ich habe in meinem Leben noch nie während eines DJ-Sets so viel gelacht wie bei seiner Lowlands- Show 2023. Dieser


Wände. Die Freiheit, genau das zu produzieren und zu spielen, was dir selbst am meisten gefällt, ist mir persönlich mehr wert. Das ist schließlich dein wahrer künstleris- cher Ausdruck.“


Innerhalb von Me, You, Delulu wird diese Freiheit durch Hans Bloom kanalisiert, die zentrale Figur des Albums. Seine Welt ist fiktiv, doch die Distanz zwischen Figur und Schöpfer bleibt bewusst instabil.


„Obwohl Hans und die Geschichte komplett fiktiv sind, basieren die Dinge, die ihm passieren, SEHR lose auf echten Ereignissen aus meinem eigenen Leben, abgese- hen vom kriminellen Teil. Es ist, als würdest du alles, was im echten Leben passiert ist, in einen Mixer werfen, zwei Shots Verzweiflung und Existenzialismus hinzufügen, einen Löffel Übertreibung, einen Tropfen Pilzextrakt, alles gründlich vermischen und anschließend in einem Champagnerglas servie- ren.“


Überras-


chungseffekt und die Tatsache, sich selbst nicht zu ernst zu neh- men, kombiniert mit einzigartiger, lustiger und gleichzeitig sehr gut produzierter Musik, haben daraus ein Set gemacht, über das meine Freunde und ich bis heute manch- mal sprechen. Es war so vollkom- men anders als alles, was ich zuvor gehört hatte, und genau deshalb hat es diesen Eindruck hinterlas- sen.“


Anders zu sein hat allerdings prak- tische Konsequenzen. Elektronis- che Musik ist weiterhin stark auf Genres als Ordnungssystem für Clubs, Line-ups und Publikum an- gewiesen. Dissolver versteht die- sen Nutzen, akzeptiert Genre aber nicht als kreative Anweisung.


„Als Artist glaube ich nicht, dass sich irgendjemand vom Konstrukt der Genres davon abhalten lassen sollte, genau das zu machen, was ihm am besten gefällt. Klar, für Booker wird es schwieriger, dich in eine Genre-Schublade zu stec- ken, und wahrscheinlich bedeutet das auch weniger Bookings als bei jemandem, der leichter zu ka- tegorisieren ist. Dafür gibt es auf der anderen Seite keine kreativen


Der Humor ist wichtig, weil die Geschichte zunehmend dunkler wird. Psychose, Sucht, Krimina- lität und veränderte Wahrneh- mung ziehen sich durch die Hand- lung. Dissolvers Ziel war dabei, Immersion zu erzeugen, ohne die- se Themen zu romantisieren.


„Das Ziel war nie, Sucht oder Psy- chose zu romantisieren, sondern klanglich die Verwirrung, Instabi- lität und emotionale Verzerrung darzustellen, die mit solchen Zuständen einhergehen können. Vom konzeptionellen Ansatz gibt es gewisse Ähnlichkeiten zu Re- quiem for a Dream: Der Film ver- herrlicht diese Themen nicht, aber er schaut auch nicht weg. Er ver- setzt dich in diese Welt und lässt dich sowohl die Anziehungskraft als auch die Zerstörung erleben, die damit verbunden sind.“


Diese Welt zu schützen bedeutete auch zu akzeptieren, dass man- che Tracks ihre klassische Dan- cefloor-Funktionalität verlieren würden. Hier steht die Erzählung an erster Stelle.


„Hundertprozentig. Wie ich schon am Anfang gesagt habe, haben die meisten dieser Tracks ohnehin nicht vollständig in den Kontext klassischer Clubtracks gepasst. Aber genau diese Tracks haben mich überhaupt erst auf die Idee gebracht, etwas vollkommen an- deres mit ihnen zu machen. Ich finde, elektronische Alben werden viel interessanter, wenn sie sich erlauben, als tatsächliche musi- kalische Geschichten zu funktio- nieren und nicht nur als Sammlun- gen brauchbarer Tracks.“


Videospiele sind ganz selbstvers- tändlich Teil dieser Geschichte. Dissolver sampelt und referen- ziert sie schon lange, und Me, You, Delulu integriert ihre Sprache in die eigene Realität, ohne das Al- bum zu einer reinen Nostalgieü- bung werden zu lassen.


„Die Lead-Melodie des dritten Tracks auf dem Album, ,2 Fast 2 Soon‘,


ist von der Melodie eines


der finalen Bosse aus Persona 5 inspiriert. Das Intro enthält ein Sample von GLaDOS aus Portal und von Sans aus Undertale. Und an einem der entscheidenden Punkte des Albums, als Hans eine Waffe bekommt, passiert das, in- dem er eine Fortnite-Truhe öffnet.“


„Ich lebe von Kontrasten. Durch meinen Hintergrund im visuellen Design habe ich gelernt, dass nichts für sich allein heraussticht. Schönheit braucht Hässlichkeit, Glück braucht Traurigkeit, Dunkelheit braucht Licht.“


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