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mixmag germany


„Ich will Fehler. Ich will Kombinationen, die eigentlich nicht funktionieren sollten. Ich will etwas aus den Lautsprechern hören, das mich stoppen und denken lässt: Wie zur Hölle ist das gerade passiert? Nach fast drei Jahrzehnten versuche ich nicht, AnD fertigzustellen. Ich finde immer noch heraus, was AnD eigentlich ist.“


Die Idee des Verschwindens hat heute ein anderes Gewicht. Ele- ktronische Musik existiert inner- halb eines Systems, das von Ar- tists erwartet, permanent lesbar zu bleiben.


Ein Track ist Musik.


Aber er ist gleichzeitig ein Clip, ein Bild, eine Ankündigung und ein Fragment, das dafür opti- miert wurde, in einem Feed zu überleben.


Nichts davon ist grundsätzlich kreativitätsfeindlich.


Das Problem beginnt dort, wo die erwartete Reaktion bereits Teil der kreativen Entscheidung wird, bevor die eigentliche Arbeit überhaupt existiert.


AnDs Lösung ist beinahe aggres- siv simpel:


Verwechsle die beiden Aufgaben nicht miteinander.


„Ich trenne das Erschaffen der Musik vom Verkaufen der Musik. Das sind zwei vollkommen unter- schiedliche Jobs.


Wenn ich im Studio bin, existiert Social Media nicht. Ich denke über Sound nach, über Bewegung und darüber, was etwas physisch durch ein riesiges Soundsystem machen wird. Ich stelle mir diesen Moment im Club vor, wenn eine winzige Veränderung plötzlich Tausende Menschen gleichzeitig reagieren lässt.


Wenn der Track dann existiert, absolut, nutz jedes verfügba- re Tool. Mach Videos, produziere Content, promote ihn, kommu- niziere mit Menschen. Ich lerne inzwischen sogar, diese Seite im- mer mehr zu mögen.


Aber diese beiden Prozesse um- zudrehen ist gefährlich.


Wenn ich anfange, ein Arran- gement zu verändern, weil 15 Sekunden davon online besser funktionieren könnten, mache ich nicht mehr den Track, den ich urs- prünglich machen wollte.


Ich habe fast mein gesamtes Leben damit verbracht, Musik zu machen. Ich werde einem Algo- rithmus jetzt keinen Production Credit geben.


Technologie wird sich weiter verändern und es wird immer eine neue Plattform geben.


Der Dancefloor bleibt der endgül- tige Test.


Wenn ein Track dort funktioniert, ist alles andere ein Bonus.“


Dieser Dancefloor-Test ist des- halb so wichtig, weil er dem Track wieder Konsequenz verleiht.


Abseits von Metriken und Sicht- barkeit muss sich Sound immer noch durch ein System bewegen und auf Körper treffen.


Entweder passiert etwas. Oder eben nicht.


Die kompliziertere Frage ist, wie ein Produzent zu etwas kommt, das eindeutig nach ihm selbst klingt, wenn inzwischen die ge- samte Geschichte elektronischer Musik gleichzeitig verfügbar ist.


Einfluss ist reibungslos gewor- den.


Imitation kann beinahe unmittel- bar folgen.


AnDs Antwort beginnt damit, die Vorstellung völliger Reinheit au- fzugeben.


Seine eigene musikalische Sozia- lisation ist dafür viel zu chao- tisch: Akkordeon, Klavier, tradi-


tionelle griechische Trommeln, Gitarre, Bouzouki, Sepultura, elektronische Musik und später Muslimgauze.


Diese Einflüsse sind weniger Hinweise darauf, wie seine Musik klingt, sondern Material, das sei- ne ursprüngliche Form verlieren musste.


„Niemand ist vollkommen ori- ginell. Wir tragen alle Tausende Dinge mit uns herum, die wir ge- hört und erlebt haben.


Mein eigener musikalischer Hin- tergrund ist komplett chaotisch. Zuerst Akkordeon, dann Klavier, traditionelle griechische Trom- meln, Gitarre und Bouzouki. Se- pultura hat mich ungefähr mit neun gepackt. Elektronische Mu- sik hat ungefähr mit zehn kom- plett übernommen, und später hat Muslimgauze meine gesamte Vorstellung davon verändert, wo- für elektronische Musik stehen kann.


Aber keiner dieser Einflüsse hat mir gesagt, wie AnD klingen so- llte.


Genau dort liegt für mich Origi- nalität: in der Transformation.


Du nimmst alles auf, zerstörst es, baust es neu auf und irgendwann kommt etwas dabei heraus, das deine Fingerabdrücke trägt.


Das Problem heute ist nicht Ein- fluss, sondern die Geschwindi- gkeit, mit der Imitation passiert. Ein Sound wird erfolgreich und beinahe sofort tauchen Hunderte Versionen davon auf.


Das macht mich nicht pessimis- tisch.


Es macht Individualität wertvo- ller.


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