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shermanology


Es gibt bestimmte Elemente, die unsere Musik menschlich und warm wirken lassen, und ich glaube, das liegt daran, dass wir nach Gehör arbeiten. Alles, was wir machen, basiert auf Gefühl. Unsere Produktion, unser Songwriting, unsere Harmonien – alles entsteht nach Gehör. Es ist vielleicht nicht immer technisch perfekt, aber es muss sich gut anfühlen. Das ist für uns das Wichtigste.“


Curaçao bleibt ein zentraler Bes- tandteil dieses Gefühls. Die Insel hat ihnen eine musikalische Aus- bildung ermöglicht, die niemals einseitig war. Ihre surinamische Herkunft fügt eine weitere Ebene hinzu. Die hypnotische Qualität surinamischer Drums bleibt eine Quelle zukünftiger Erkundungen, während Papiamento ihnen eine Möglichkeit gibt, die Musik näher an ihre Heimat zu bringen. Ihre Identität zeigt sich in Sprache, Kleidung, Rhythmus, Humor und der Art, wie sie sich selbst präsen- tieren.


„Das Leben auf Curaçao hat einen riesigen Einfluss auf uns gehabt. Auf der Insel ist man von so vielen verschiedenen Genres umgeben: Hip-Hop, R&B, Dancehall, Salsa, Merengue, Bachata, Reggaeton, Reggae, Ranchera, Popmusik – die Liste geht noch weiter. Unsere niederländischen Wurzeln haben uns außerdem stärker mit elek- tronischer Musik in Kontakt ge- bracht, was uns ebenfalls stark beeinflusst hat.


Heute kombinieren wir all diese musikalischen Einflüsse weiterhin in unserer Musik. Wir sprechen oft darüber, kulturelle Sounds zu ne- hmen und sie in etwas Neues zu verwandeln. Wir schreiben auch Songs in unserer Muttersprache Papiamento, weil sich das für uns besonders anfühlt. Wir mögen es, uns in unserer Musik zu Hause zu fühlen, und fast immer stec- kt etwas Karibisches in unseren Songs.


Eine Sache, die ich ebenfalls erwähnen möchte: Wir sind zur Hälfte surinamisch. Unsere Mu- tter kommt aus Suriname. Wir sprechen meistens über Curaçao, weil wir dort aufgewachsen sind, aber auch surinamische Musik hat uns beeinflusst. Die Drums in vielen surinamischen Songs sind


unglaublich hypnotisch, und das würden wir in Zukunft gerne noch stärker erforschen. Man hört un- sere Wurzeln in unserer Musik, aber auch darin, wie wir uns klei- den und sprechen.“


Dorothys Stimme ist zu einem der deutlichsten Erkennungsmerk- male des Projekts geworden. Das Songwriting entsteht aus dem- selben instinktiven Ansatz wie die Produktion: schnelle Ideen, Harmonien nach Gehör und der Glaube daran, dass der erste emotionale Impuls oft die größte Wahrheit trägt.


„Meine Beziehung zum Songwri- ting hat sich immer sehr natür- lich angefühlt. Meine Eltern haben früher gesagt, dass ich im Schlaf Songs geschrieben hätte. Anfangs habe ich ihnen nicht geglaubt, aber offenbar war es wirklich so. Andy und ich haben schon als Kinder Songs geschrieben, sogar während wir den Abwasch gema- cht haben. Es war immer etwas, das ganz natürlich zu uns kam.


Über die Jahre habe ich gelernt, nichts zu erzwingen. Die Songs, die schnell entstehen, sind oft diejenigen, die in unseren Sets und im Radio am besten funktionie- ren. Als wir angefangen haben, an Writing Camps in den USA teil- zunehmen, haben wir festgestellt, dass viele professionelle Songwri- ter genauso arbeiten. Meistens ist die erste Idee die beste, weil sie die natürlichste ist. Man sollte ni- cht zu viel darüber nachdenken.


Beim Singen war diese Reise


etwas komplizierter. Vor etwa 10 bis 12 Jahren habe ich aufgrund einer falschen Technik Knötchen an meinen Stimmbändern en- twickelt. Es war eine schreckli- che Erfahrung. Ich musste wieder komplett neu lernen, wie ich spre- che und singe. Glücklicherweise hatte ich einen großartigen Vocal Coach. Es dauerte etwa ein Jahr, bis ich wieder richtig singen konn- te. Diese Erfahrung hat mir beige- bracht, besser auf meine Stimme zu achten, und sie hat mir gehol- fen, meine Freude am Singen wie- derzuentdecken.“


Die Entwicklung von Shermanolo- gy bedeutete häufig, dem äußeren Druck zu widerstehen, sich auf ei- nen bestimmten Sound festzule- gen. Tracks wie „Boyz N Da Club“, „Hotter“ und „It’s A Killa“ haben sie in verschiedene Bereiche der Dance-Kultur geführt, doch statt sie in ein bestimmtes Muster zu zwängen, haben diese Songs ihren musikalischen Horizont erweitert.


„Es war nicht immer einfach. Im Laufe unserer Karriere wurde uns oft gesagt, dass wir bei einem bestimmten Sound bleiben soll- ten. Aber wir sind beide ziemlich stur, und ehrlich gesagt sind wir froh, dass wir nicht darauf gehört haben. Wir glauben daran, dass es funktionieren kann, solange man authentisch bleibt.


Natürlich denken wir, dass die Mu- sik trotzdem zusammenhängend wirken muss. Es gibt bestimmte Elemente, die einen Shermano- logy-Track zu einem Shermano- logy-Track machen. Er ist meis- tens soulful, warm und trägt oft ein bisschen Nostalgie in sich. Ich glaube, die Menschen akzeptieren unsere Entwicklung, weil sie wis- sen, dass wir Musik machen, die wir wirklich lieben. Wir glauben, dass Künstler frei sein sollten, das zu erschaffen, was sie in diesem Moment fühlen.


Das Lustige ist, dass wir Mode genauso angehen. An einem Tag möchten wir vielleicht etwas Ur- banes tragen. An einem anderen Tag möchte Dorothy sich wie eine Prinzessin kleiden. Manchmal lie- ben wir einen grungigen Look, an anderen Tagen fühlt sich etwas Elegantes richtig an. Sollten wir jeden Tag dasselbe Outfit tragen? Natürlich nicht. Wir fühlen uns schließlich auch nicht jeden Tag gleich. Für uns bedeutet Freiheit, das zu tun, was man liebt.“


09


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