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AUTOR ROMAN FAROV


tech review · hardware synthesizer


Korg phase8 Klang zum Anfassen


Es kommt nicht oft vor, dass ein Instrument auf dem Studiotisch landet und sofort das Gefühl vermittelt, wirklich etwas Neues zu sein. Der Korg phase8 gehört zu diesen seltenen Ausnahmen.


Entwickelt im Berliner Innovationslabor von Korg, wird der phase8 als „Acoustic Synthesizer“ vermarktet, ein Begriff, der zunächst nach Marketingfloskel klingt. Doch erstaunlicherweise trifft die Beschreibung den Kern des Instruments ziemlich genau.


Anstelle klassischer Oszillatoren arbeitet der phase8 mit acht unabhängigen elektromechanischen Stimmen, die auf schwingenden Stahlresonatoren basieren. Beim Auslösen eines Sounds trifft ein elektromagnetisch gesteuerter Hammer auf einen Metallresonator. Die entstehende Schwingung wird über kapazitive Tonabnehmer erfasst und anschließend in die Klangerzeugung zurückgeführt. Vereinfacht gesagt erinnert das Konzept entfernt an ein Fender Rhodes, das man auf links gedreht und mit einem Sequencer kombiniert hat. Klanglich bewegt sich der phase8 jedoch in einer völlig eigenen Welt.


Was sofort auffällt, ist sein Charakter. Der Sound wirkt außergewöhnlich organisch und lebendig. Jede Note besitzt eine physische Präsenz, eine subtile Unvorhersehbarkeit, die weder Sample- Libraries noch virtuelle Analogsynthesizer überzeugend nachbilden können. Töne entwickeln sich, reagieren auf ihre Umgebung und verändern sich auf natürliche Weise. Das Instrument fühlt sich tatsächlich an, als würde es atmen.


Das Herzstück des phase8 sind seine Resonatoren. Insgesamt werden 13 chromatisch gestimmte Metallplatten mitgeliefert, von denen jeweils acht gleichzeitig installiert werden können. Durch den physischen Austausch der Resonatoren verändert sich nicht nur die Stimmung des Instruments, sondern auch sein klanglicher Charakter. Wer tiefere Tonlagen, dunklere Obertöne oder eine stärker perkussive Ansprache sucht, wechselt einfach die Metallplatten. Sounddesign wird hier zur buchstäblichen Handarbeit.


Besonders spannend wird es, wenn man beginnt, mit den Resonatoren direkt zu interagieren. Sie lassen sich während des Spielens berühren, anklopfen oder sogar zupfen. Noch interessanter: Man kann Gegenstände auf ihnen platzieren. Münzen, Holzstücke, kleine Steine oder andere Objekte verändern das Schwingungsverhalten unmittelbar und erzeugen neue Obertonstrukturen. Dadurch entsteht ein kreativer Prozess, der sich eher wie das Spielen eines akustischen Instruments anfühlt als wie klassische Synthese. Man programmiert weniger, man experimentiert und entdeckt.


Auch auf der Steuerungsseite zeigt sich der phase8 erstaunlich vielseitig. Der integrierte polymetrische Sequencer bietet klassische Step-Programmierung ebenso wie unquantisierte Live-Aufnahmen. Hinzu kommen Step-Skip-Funktionen für jede einzelne Stimme, acht Speicherplätze sowie verschiedene Modulationsmöglichkeiten. Neben Tremolo stehen zwei tonhöhenabhängige Modulationsarten im Audiobereich, analoges Wavefolding und die vollständige Automatisierung sämtlicher Bedienelemente zur Verfügung. So entstehen mühelos komplexe, organische Sequenzen mit beinahe generativem Charakter, ganz ohne Computer.


Ein Punkt sollte jedoch vor dem Kauf bekannt sein: Der phase8 verzichtet nahezu vollständig auf integrierte Effekte. Weder Reverb noch Delay oder eine umfangreiche Effektsektion gehören zur Ausstattung. Das Instrument liefert seinen rohen, unverfälschten Klang und überlässt die weitere Bearbeitung dem Anwender.


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