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THAM


THAM holding the room


THAM über Berlin, Druck, Sichtbarkeit und die sich wandelnde Architektur des Techno


Als THAM an das Jahr 2015 zurückdenkt, erscheint ihm Berlin nicht als Mythos. Die Stadt kehrt nicht durch globale Schlagzeilen oder nostalgische Rückblicke in seine Erinnerung zurück. Stattdessen erinnert er sich an die feuchte Luft in kleinen Räumen, an DJ-Booths aus Sperrholz und gestapelten Holzpaletten, an Gesichter, denen er drei Nächte später an einem anderen Ort der Stadt wieder begegnete.


Aus der Perspektive der DJ-Kanzel fühlte sich Berlin damals nicht wie ein kultu- relles Denkmal an. Es fühlte sich greifbar an. Die Distanz zwischen DJ und Tän- zer war minimal, manchmal nahezu nicht existent. Genau diese Nähe prägte sein Verständnis davon, was Techno sein konnte.


THAM betrat diese Umgebung, lange bevor sein Projekt größere Aufmerksamkeit oder Erwartungen mit sich brachte. Er spielte zunächst kürzere Sets, organisierte kleine Veranstaltungen und brachte sich das Produzieren selbst bei – durch ob- sessives Zuhören und ständiges Experimentieren, ohne einen klaren Bauplan vor Augen zu haben.


Berlin wirkte damals noch materiell unfertig. Leere Gebäude, improvisier- te Veranstaltungsorte und das Gefühl, dass Kultur gerade erst entstand, ans- tatt konserviert zu werden, bestimm- ten das Stadtbild. Zeitweise lebte er sogar in einem verlassenen Kranken- haus – ein Detail, das heute fast wie eine Metapher klingt, damals jedoch einfach Teil der rauen Realität Berlins war.


Nichts wirkte poliert. Alles befand sich in Bewegung.


„Wenn ich an 2015 zurückdenke, fühlte sich Berlin aus der DJ-Kanzel über- haupt nicht mythisch an, sondern wie eine Explosion kreativer Energie. Von außen wirkte die Stadt vielleicht exklusiv oder sogar rau, aber von innen war sie unglaublich offen. Alles fühlte sich leicht an. Man ging aus und traf ständig dieselben Menschen in unters- chiedlichen Clubs wieder. Es fühlte sich weniger an, als würde man Veranstal- tungen besuchen, sondern vielmehr, als wäre man Teil einer Gemeinschaft.


Viele Menschen um mich herum waren nicht einfach Gäste. Sie waren DJs, Promoter, Künstler oder Veranstalter. Alle unterstützten sich gegenseitig,


wodurch ein starkes Gefühl von Bewe- gung und Zusammenhalt entstand.“


Das Entscheidende an dieser Zeit war weniger ihre Ästhetik als ihre sozia- le Dichte. Die Menschen in den Clubs waren selten bloße Zuschauer. Sie wa- ren DJs, Grafikdesigner, Fotografen, Promoter oder Organisatoren von Af- terhours am frühen Morgen – alle Teil desselben Ökosystems.


Energie bewegte sich horizontal.


Man konnte ein Set spielen, die DJ-Kanzel verlassen und unmittelbar wieder Teil der Menge sein. Teilnahme war fließend. Natürlich gab es Ehrgeiz, doch er fühlte sich noch nicht indus- triell an.


Der Moment, in dem aus dieser offe- nen Teilnahme etwas Strukturierteres wurde, kam für THAM in der Griess- muehle.


Die DJ-Kanzel im großen Floor war niedrig gebaut und kaum vom Publi- kum getrennt. Sie bestand im Grun- de aus gestapelten Holzpaletten und befand sich fast auf Höhe der Tanz- fläche. Gerade weil sich im Publikum überwiegend Freunde, Kollegen und andere Künstler befanden, empfand er eine ganz besondere Nervosität.


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AUTOR SERGIO NIÑO FOTOGRAFIE JONAS DEIMANN


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