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mixmag germany


Nicht wegen der Größe des Publi- kums.


Sondern wegen der Verantwor- tung.


Und dann begann der Raum auf seine Entscheidungen zu reagie- ren.


Wenn er die Spannung erhöhte, blieb der Raum stehen.


Wenn er sie auflöste, veränderte sich die Bewegung auf der Tanz- fläche.


Die Reaktion war unmittelbar sichtbar – nicht in Form von Applaus, sondern als kollekti- ve Anpassung der Menschen im Raum. In


diesem Moment


verwandelte sich DJing für ihn von einer Form persönlicher Aus- druckskraft in eine Art Architek- tur.


Seine Entscheidungen exis- tierten nicht länger isoliert. Sie veränderten die Dynamik des gesamten Raumes.


Diese Erkenntnis machte ihn ni- cht größer.


Sie machte die DJ-Kanzel schwerer.


„Der Moment, in dem sich für mich alles verändert hat, war in der Griessmuehle. Die DJ-Kan- zel im großen Floor bestand im Grunde nur aus Holzpaletten und befand sich fast auf Höhe der Tanzfläche. Ich erinnere mich, wie unglaublich nervös ich war, weil die meisten Menschen im Raum keine Fremden waren, sondern Freunde und andere Künstler.


Was mir bis heute geblieben ist, war nicht die Größe des Publi- kums, sondern das Gefühl, dass der Raum in Echtzeit auf meine Entscheidungen reagierte. Wenn ich die Spannung erhöhte, blieben die Leute. Wenn ich sie auflöste, bewegten sie sich anders. Zum ersten Mal verstand ich, dass DJing nicht mehr nur bedeute- te, Teil des Geschehens zu sein. Meine Entscheidungen konnten einen Raum zusammenhalten, ihn auseinanderbrechen lassen oder ihn völlig eskalieren lassen.“


Mit wachsender Bekanntheit


nahm auch dieses Gewicht lang- sam zu. Was einst wie ein ge- meinschaftliches Experiment wirkte, professionalisierte sich in rasantem Tempo. Sichtbar- keit wurde messbar, Einkommen rückte stärker in den Mittelpunkt und Vergleiche wurden zum ständigen Begleiter.


Die Orte, die sich einst wie krea- tive Labore angefühlt hatten, begannen zunehmend innerhalb größerer wirtschaftlicher Struk- turen zu funktionieren.


THAM beschreibt diese Entwic- klung jedoch nicht als Verfall, sondern als Transformation.


Der Übergang von Kultur zu In- dustrie verändert die emotionale Temperatur der Teilnahme.


Vom Abenteuer zur Erwartung


Die tiefgreifendste Veränderung erkennt THAM nicht im Sound, sondern in der Haltung, mit der Menschen heute einen Dance- floor betreten.


Früher funktionierten Clubnäch- te wie offene Systeme.


Man ging hinein, ohne genau zu wissen, was einen erwartete – und genau diese Unsicherheit war Teil ihres Reizes. Der DJ führ- te den Abend, dominierte ihn je- doch nicht. Der Raum entdeckte sich selbst in Echtzeit.


„Wenn ich früher feiern gegan- gen bin, wusste ich meistens gar nicht genau, was mich erwar- tet. Ich habe höchstens grob auf das Line-up oder den Timetable geschaut, um mir die Möglichkeit zu geben, etwas Unerwartetes zu erleben. Es sollte sich wie ein Abenteuer


anfühlen, wie eine kleine Reise ohne festen Plan.


Ich erinnere mich an eine Gruppe sportlich gekleideter Leute, die vorne links auf dem Main Floor tanzten. Statt mich anzuschauen, bildeten sie einen Kreis und tan- zten mit einem breiten Lächeln miteinander. Das hat mir damals wirklich Gänsehaut bereitet. Menschen zu sehen, die vollkom- men miteinander im Rave aufgin- gen, während ich den Soundtrack dazu spielte.“


Heute, so empfindet er es zumin- dest in vielen Kontexten, wirkt der Dancefloor häufig bereits vorprogrammiert.


Die Menschen kommen mit ei- nem klaren Bild davon, wer spielt, wann der Headliner beginnt und welche Energie sie erwarten.


Die Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend auf die DJ-Kanzel. Die Dynamik verläuft vertikal – vom DJ zum Publikum – anstatt sich zwischen den Tänzerinnen und Tänzern selbst zu entfalten.


THAM erinnert sich daran, wie er einmal „Traffic“ von Tieso spielte und beobachtete, wie eine Grup- pe kahlrasierter Raver einen Kreis bildete und ausschließlich mitei- nander tanzte, anstatt den DJ anzusehen.


Diese Erinnerung ist für ihn bis heute bedeutsam.


Sie steht für einen Dancefloor, der seine eigene Energie erzeugt.


Diese Unterscheidung prägt auch seine heutige Spielweise.


In Räumen, die sich sozial und gemeinschaftlich anfühlen, lässt er Grooves bewusst langsam wachsen. Er vertraut auf die Ge- duld und Neugier des Publikums, dehnt Übergänge aus, schichtet Texturen übereinander und wi- dersteht dem Impuls, zu früh zu beschleunigen.


In stärker eventorientierten Kon- texten komprimiert sich das Tempo dagegen fast automa- tisch.


Der Druck, möglichst schnell


Wirkung zu erzielen, ist dort be- reits Teil der Umgebung.


THAM wehrt sich gegen einfa- che Kategorien wie Underground und kommerziell. Derselbe Club kann sich – abhängig von der Kuratierung und dem Publikum – vollkommen unterschiedlich anfühlen.


Das RSO kann an einem Abend wie ein gemeinschaftliches Ex- periment wirken und an einem anderen wie eine hochprofessio- nell produzierte Großveranstal- tung.


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