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THAM


Nicht die Größe eines Clubs ist entscheidend.


Eine seiner intensivsten Under- ground-Erfahrungen machte er beispielsweise im Khidi in Tiflis – unter einer Brücke, in einem gewaltigen Betonraum mit Tau- senden Tänzerinnen und Tänzern während eines zwölfstündigen Closing-Sets, das jedes Zeitge- fühl verschwinden ließ.


Zeit verändert Verhalten.


Wenn sich eine Nacht über viele Stunden entfaltet, löst sich die Dringlichkeit langsam auf. Mens- chen hören auf, ständig auf ihr Handy zu schauen, und geben sich der Wiederholung hin. Wird das Programm hingegen dichter, die Slots kürzer und die Drama- turgie komprimierter, zerfällt In- tensität in leicht konsumierbare Einzelmomente.


Mit dieser Fragmentierung ver- schiebt sich etwas Grundlegen- des.


Aus Versenkung wird Konsum.


Zwischen DJ und Content Crea- tor


Parallel zu diesen Veränderun- gen hat sich auch die Rolle des Künstlers gewandelt.


selbst grundlegend


THAM zu sein bedeutet im Jahr 2026, sich in einem System zu bewegen, in dem Präsenz mess- bar und Persönlichkeit zur Marke wird.


Die Arbeit endet längst nicht mehr mit der Musikauswahl.


Videos filmen. Videos schneiden. Fotos produzieren. Vor der Kamera sprechen. Für Algorithmen relevant bleiben.


All das gehört inzwischen ebenso zum Berufsbild wie das eigentli- che DJing.


„Für mich entsteht immer mehr


ein Spannungsfeld zwischen DJ und Content Creator. Im vergan- genen Jahr habe ich gemerkt, dass Künstlersein heute bedeu- tet, eine völlig neue Reihe von Fähigkeiten lernen zu müssen. Ich musste Videos drehen und schneiden, Fotos bearbeiten und ständig darüber nachdenken, wie ich mich präsentiere.


Social Media wird immer wich- tiger. Okay, du bist ein guter DJ – aber jetzt musst du dich glei- chzeitig vermarkten und dabei trotzdem authentisch und ›un- derground‹ bleiben. Das ist ans- trengend.“


THAM spricht darüber weder zy- nisch noch verbittert.


Er weiß, dass soziale Medien heu- te einer der wichtigsten Wachs- tumsmotoren elektronischer Mu- sik sind.


Rational versteht er das vollkom- men.


Emotional erzeugt es Druck.


Es gibt Phasen, in denen er sich bewusst ins Studio zurückzieht und tagelang nichts veröffentli- cht, einfach um seine Prioritäten wieder zurechtzurücken.


Wenn plötzlich zwei Publikumss- chichten existieren


Mit den Kameras in der DJ-Kan- zel entsteht heute ein zweites Publikum.


Da sind die Menschen direkt vor ihm auf dem Dancefloor.


Und da ist gleichzeitig die un- sichtbare Person, die das Set Wochen später über einen Bilds- chirm erleben wird.


THAM betont, dass seine Trac- kauswahl weiterhin vom Raum bestimmt wird.


Trotzdem verändert allein das Wissen, gefilmt zu werden, den eigenen Körper.


Man steht anders. Man bewegt sich anders.


Man wird sich der eigenen Gestik bewusst.


Der eigenen Haltung. Der eigenen Sichtbarkeit.


Diese Entwicklung überschnei- det sich für ihn mit einer weiteren Veränderung innerhalb des Hard Techno.


Tracks werden immer kürzer.


Sie sind häufig um markante Breakdowns und möglichst spek- takuläre Drops herum aufgebaut.


THAM liebt einen gut inszenier- ten Spannungsaufbau. Er liebt den Moment kurz vor dem Wie- dereinsetzen der Subbässe und die Verdichtung der Atmosphäre.


Doch wenn jeder Track auss- chließlich auf seinen Höhepunkt hin konstruiert wird, verschwin- det der Kontrast.


Ohne Täler verlieren auch die Gi- pfel ihre Wirkung.


„Techno war früher funktionale Musik. Er bestand aus Loops und hatte nur wenige Höhepunkte. Er war dafür gemacht, stundenlang zu funktionieren – nicht alle paar Minuten Applaus zu erzeugen.


Ich liebe einen großen Drop, wenn er gut gemacht ist. Aber wenn je- der Track nur aus Höhepunkten besteht, stumpft das irgendwann ab.


Intensität hat nichts mit Ges- chwindigkeit oder Aggressivität zu tun. Ein Raum fühlt sich inten- siv an, wenn Menschen aufhören, über sich selbst nachzudenken. Wenn Zeit keine Rolle mehr spielt und die Musik einen vollkommen in ihren Bann zieht.“


Für THAM misst sich Intensität nicht an Lautstärke, sondern an dem Moment, in dem Menschen sich selbst vergessen.


Eine seiner eindrücklichsten Erin- nerungen ist bis heute ein Clo- sing-Set von Drumcell und Audio Injection im Berghain – gespielt mit gerade einmal 125 BPM.


Es war eine der intensivsten Nä- chte, die er je erlebt hat.


Nicht wegen ihrer Härte.


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