die in einer derart kurzen Zeit so viele Emissionen verursacht wie die Luftfahrt. Der touristische „Klima- Fußabdruck“ wird, dem WWF zufolge, zwar von nur drei Prozent der Weltbevölkerung verursacht, hat aber einen überproportional großen Anteil der weltweiten CO2-Emissionen zur Folge. Mehr als 5.700 kg CO2 und andere Treibhausgase setzt jeder Passagier zum Beispiel auf dem Hin- und Rückflug von Europa nach Asien frei. „Das ist die Hälfte der durchschnittlichen Jahresemission eines jeden Deutschen, die vom Umweltbundesamt mit 11.600 kg angegeben wird“, wie die „Welt am Sonntag“ am 23. Juni 2019 vorrechnete. Besonders absurd in diesem Zusammenhang: Die von der Politik angekündigten steuerlich absetzbaren „Spenden“ für Klimaschutzprojekte, eine Art Ablasshandel der Moderne zur Beruhigung des schlechten Gewissens.
Unser Reiseverhalten steht symbolisch und symptomatisch für einen Fundamentalkonflikt, der unser aller
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Leben durchdringt und sich auswirkt bis in die feinsten Verästelungen alltäglicher Entscheidungen, die wir zu treffen haben.
Selbstbefreiung aus dem Strudel des Mainstreams
Es ist letztlich das Verhalten, respektive die Verhaltensänderung der vielen Einzelnen, die eine Änderung bewirken in unserer Zivilisationsbilanz auf diesem Planeten – und sei es auch nur durch das zu Recht vielgerühmte gute Beispiel, das Schule macht und unserer Alltagsmoral in vielerlei Hinsicht auf die Sprünge hilft. Denn jede Veränderung hat immer eine metaphysisch teleologische, aber auch eine pädagogische Dimension. Und das gilt nicht nur für unsere Teilnahme am Flugverkehr und dessen Folgen, über die sich trefflich streiten lässt. Es geht um Einzelbeispiele unseres Lebens, ja. Aber es geht vor allem um
Grundsätzliches. Um die Frage nämlich, inwieweit und ob wir die großen Entscheidungen unseres Lebens noch selbstbestimmt treffen, inwieweit und ob wir die essentiellen Fragen unserer Existenz identitätsstiftend oder -wahrend zu beantworten willens und in der Lage sind. Es sind insofern grundlegende Entscheidungen, die wir uns zunächst bewusst machen und mit unserem eigenen Selbst und unserem eigenen Gewissen konfrontieren müssen. In der Regel werden daraus dann Entscheidungen, die wir zu treffen haben im Kampf gegen unser im bequemen Konformismus- und Komfort-Trott gefangenes eigenes Selbst. Das ist kein einfacher Kampf. Es ist ein beschwerlicher Kampf. Und einer, bei dem wir viele Niederlagen
Quintessenz Q3 | 2019
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