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Essay


der demokratischen Wahl logisch und faktisch voraus. Nicht von ungefähr gelten die Medien deswegen als „vierte Gewalt“ im Staat, neben der Legislativen, der Judikativen und der Exekutiven.


Theater der sozialen Medien


Soweit die Lehre, wie sie uns aus dem demokratischen Politikverständnis vertraut ist. Im Zeitalter der sozialen Medien einerseits und vor dem Hintergrund brachialen Wettbewerbs in der etablierten Medienwelt andererseits muss diese Lehre überdacht werden. Der Wettbewerb um Auflage und Quote in der Verlagsbranche treibt Redakteure, wie das Beispiel Claas Relotius zeigt, zur Fakerei und bringt dabei eine ganze Branche in Misskredit bis hin zu deren Diffamierung als „Relotius-Presse“ vonseiten des rechten politischen Lagers. Vom Einzelfall jedoch auf die gesamte Zunft zurückzuschließen, ist unzulässig und verfälscht die Perspektive. Denn die überwältigende Mehrheit der Medien arbeitet seriös nach den strengen Richtlinien des Berufsstandes und dessen Ethos.


Die vierte Gewalt im Staat


Und das ist gut so. Denn wie sonst sollte sich der einzelne Bürger in der komplexen Gemengelage des politischen, wirtschaftlichen, ja, ganz allgemein des öffentlichen Lebens überhaupt eine persönliche Meinung bilden können, die ja nichts weniger ist als die Voraussetzung seiner Souveränität in einer demokratisch verfassten Gesellschaft. Meinungsbildung durch professionelle mediale Information geht der souveränen Bürgerpflicht


Zu den traditionell etablierten Medien gesellt sich im World Wide Web jedoch ein Machtfaktor, der im Prozess der Meinungsbildung zunehmend an Einfluss gewinnt: die sozialen Medien. Nolens volens findet sich der Einzelne plötzlich in der Verantwortung nicht nur persönlicher Meinungsbildung im stillen Kämmerlein bei der morgendlichen Frühstücks-Lektüre seiner Tageszeitung oder beim abendlichen Gang zum Stammtisch im „Goldenen Kalb“. Seine Meinungsbildung vollzieht sich im Rampenlicht sozialer Medien und damit der Öffentlichkeit. Und das in einer noch nie dagewesenen Art und Weise und Intensität. Das individuelle Selbst und seine Meinung wird zum öffentlichen oder teilöffentlichen Phänomen. Zum


aktiven Meinungsbildner. Oder aber zum passiven Meinungserdulder, sollte er aus welchem Grund auch immer als Informationsobjekt ins Räderwerk sozialer Meinungsbildung geraten sein. Der Einzelne wird Subjekt und Objekt im Prozess sozialer Meinungsbildung, Täter und Opfer in einem – von der unabdingbar überzeugten Suche nach der Wahrheit bis zum latenten oder vollendeten Selbstbetrug. Das Drama des individuellen Lebens findet seine Bühne im Theater der sozialen Medien. Jeder kann eine Berühmtheit werden. Eine gefeierte oder eine tragische. Was für Aussichten. Es wird Realität, was die Demokratie eigentlich verheißt. Das Volk regiert. Wir regieren. Jeder kann nicht nur Trainer des FC Bayern München. Nein. Jeder kann auch Kanzler.


Twitter-Profi Donald Trump


Der unstrittigen Polemik dieser Ausführungen zum Trotz: Die Macht der sozialen Medien den Möchtegern- Kanzlern zu überlassen, beschreibt einen essentiellen Fehler etablierter (deutscher) Politik. Frau Merkel sollte sich sinnvollerweise am Twitter- Profi Donald Trump ein Beispiel nehmen. Im World Wide Web bilden sich nämlich identitätsstiftende Communities von „Likern“ und formieren sich durchsetzungsstarke, meinungsbildende Gruppierungen von „Followern“, die aufgrund der mehrheitlich jugendlichen „User“ nicht zuletzt die politische Orientierung ganzer Gesellschaften beeinflussen und damit die Zukunftsgestaltung zu ihrer spezifisch eigenen Sache machen, häufig emotional angetrieben und geleitet von realitätsfernen Weltverbesserungs-Utopien. Auf der Strecke bleibt der ideologiefreie gesunde Menschenverstand, der „Common Sense“. Die aktuell noch 16-jährige Greta Thunberg,


Quintessenz Q3 | 2019


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