Projekt
Münchens Meatpacking District
Am Ostbahnhof entsteht das erste echte urbane Quartier der Stadt
„Das Werksviertel war Münchens große Chance, bei der Quartiersentwicklung doch etwas Neues zu wagen und mit den Fehlern der Vergangenheit zu brechen.“ Wenn es um Stadtplanung geht, verschwendet Johannes Ernst keine Zeit mit Relativierungen oder diplomatischer Umschreibung.
„Tagsüber öde, abends tot“ – so empfindet er die Großentwicklungen der vergangenen Jahrzehnte in München. Warum? Weil uniforme Monokulturen herangezüchtet wurden, anstatt auf Vitalität durch Vielfalt zu setzen. Nun also ein weiterer Versuch, bei dem Ernst es als Generalplaner selbst in der Hand hat – und bereits belegen kann, dass er tut, was er denkt und sagt.
Strahlend orange ragt das „Werk 3“ aus der Baustellenlandschaft hinter dem Ostbahnhof heraus. Ein langgestreckter Bau mit geraden Linien, vielen Fenstern und einer Haltung. Seine 25.000 m² Mietfläche wären ideal gewesen, um sie auf zwei große Mieter aufzuteilen. Agenturen, Kanzleien oder Beratungsunternehmen hätten Schlange gestanden. „Aber den Plan haben wir zugunsten der Gesamtentwicklung bewusst nicht weiterverfolgt. Es reicht nicht, Mischnutzung auf dem ganzen Areal zu haben, wir brauchen die Durchmischung auch in den Gebäuden
selbst, sonst ist der öffentliche Raum davor tot“, stellt der geschäftsführende Gesellschafter des renommierten Büros steidle architekten klar. Das Ergebnis: Statt zwei Mietern sind jetzt 70 im Gebäude – von Thinktank Büros für Deloitte, Allianz und Münchener Rück über eine Schokoladenmanufaktur bis hin zu mehreren Künstlerateliers. Finanzstarke Nutzer finanzieren andere Mieter quer mit, das „Werk 3“ spiegelt die Gesellschaft wider. Im Werksviertel werden alle bestehenden, auch intakte industrielle Nutzungen aufgegriffen, sinngemäß erweitert und mit neuen Ideen angereichert. Musik, Theater, Gastronomie, Handel und Hotellerie bilden urbanes Potenzial.
Konversionsprojekt auf 700.000 m²
Allein durch die schiere Größe sucht das Werksviertel seinesgleichen. Mit fast 700.000 m² Entwicklungsgebiet dürfte es das mit Abstand größte innerstädtische Konversionsprojekt in Deutschland sein. Neben der zentralen Lage kommt die perfekte Anbindung an den Ostbahnhof hinzu und auch die Nähe zum beliebten Stadtteil Haidhausen macht das Werksviertel für die Kombination aus Arbeit, Handel und Wohnen besonders attraktiv.
„Früher produzierte hier Pfanni Knödel und die Zündapp-Werke bauten
Quintessenz Q1 | 2019
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