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© Benjamin Pütter


© Benjamin Pütter


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Herr Pütter, wie kamen Sie darauf, XertifiX zu gründen? Als Kinderarbeitsexperte von Misereor ging es mir langsam auf die Nerven, immer wieder nur anklagen zu müssen, dass es über- all Kinderarbeit gibt. In dieser Situation kamen Steinmetze aus Freiburg auf mich zu und baten mich um eine Einschätzung: Kann man wohl Natursteine aus Indien „ohne Schweinereien“, sprich ohne Kinderarbeit, nach Deutschland importieren. Ich machte mich schlau und stellte fest: Endlich ein Produktbereich ohne Kin- derarbeit! In der gesamten Literatur weltweit wurde immer wieder beteuert, dass es in indischen Exportsteinbrüchen keinerlei Kin- derarbeit gibt. Insofern war ich heilfroh, hier einmal Produkte ohne Kinderarbeit empfehlen zu können.


Sie gelten als führender Kinderarbeitsexperte Europas. Konnten Sie damit den Steinmetzen grünes Licht geben, indischen Naturstein zu importieren, ohne das in Indien selbst überprüft zu haben? Genau das fragte ich mich auch und organisierte daher Anfang des Jahrtausends mehrere Reisen in Exportsteinbrüche Südindiens.


Und nun die Überraschung: In allen Exportsteinbrüchen, die ich unangekündigt besucht habe, fand ich Kinderarbeit vor, teils in großem Maße und hatte damit das Problem: Schon wieder Kinderarbeit und schon wieder ein Produktbereich, wo nur ange- klagt und nicht gelobt werden kann.


Sie reden von anderen Bereichen, wo haben Sie denn noch Kinderarbeit vorgefunden? Seit Mitte der 1990er Jahre habe ich auf Dutzenden Reisen nach Indien, Pakistan und Nepal Kinderarbeit in der Teppichindustrie gesehen und bin in meiner Funktion als Kinderarbeitsexperte von Misereor dagegen vorgegangen: Auf der einen Seite habe ich an Befreiungsaktionen in Indien teilgenommen, um Kinder aus der Sklaverei zu befreien. Andererseits war ich mit im Vor- stand von Rugmark (Anm. d. Red.: das Siegel für Teppiche ohne Kinderarbeit, heute unter dem Namen „Goodweave“) und habe dadurch Siegelungen von sozialverträglichen Gütern kennenge- lernt. Sehr zugute kam mir, dass ich mich seit meiner Jugend sozial engagiert habe und viele gewaltfreie Aktionen innerhalb


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