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Sinfonieorchester Basel HOMMAGE AN EIN SKANDALTRÄCHTIGES KONZERTJAHR


Das Jahr 1913 war eines der turbulentesten in der Ge- schichte des Konzerts. Im Wiener Musikverein kam es während einer Aufführung neuer Werke von Alban Berg und Arnold Schönberg zu Tumulten und wenig später gab es in Paris anlässlich der Uraufführung von Strawinskys „Sacre du printemps“ eine veritable Saalschlacht.


Am 29. Mai 1913 versammelte sich im neu eröffneten Théâtre des Champs-Elysées nahezu die komplette Pariser Kunst- und Kultur- szene zur Uraufführung des Ballets „Le sacre du printemps“. Die Rollen im Publikum waren von Beginn weg klar verteilt: Auf der einen Seite stand eine Avantgarde, die Strawinskys Musik und die provozierende Choreographie von Vaslav Nijinsky enthusiastisch bejubeln würde, auf der anderen Seite das Pariser Bürgertum, dass die neuen Tendenzen mit Vehemenz ablehnte. Und tatsäch- lich: Kaum hatte die Aufführung begonnen, ertönten aus dem konservativen Lager Pfiffe und Gelächter. Die Progressiven nah- men diese Pöbeleien dankbar zum Anlass, um ihrerseits die Störer zu beschimpfen. Die Situation eskalierte und Strawinsky musste durch ein Fenster hinter der Bühne flüchten. Bereits zwei Monate zuvor hatten sich in einem Konzert in Wien ähnliche Szenen ereig-


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net. Hier standen Werke von Alban Berg und Arnold Schönberg auf dem Programm. Beim zweiten Werk des Abends kam es zu höhnischen Zwischenrufen. Schönberg, der das Konzert dirigierte, klopfte ab und drohte den Ruhestörern mit Polizeigewalt. Die Situ- ation geriet ausser Kontrolle. Gemäss einer Wiener Postille sollen plötzlich von überall her Ohrfeigen zu hören gewesen sein, was dem Ereignis später den Übernamen „Watschenkonzert“ eintrug. Schliesslich musste die Polizei dem Treiben ein Ende setzen, zur geplanten Aufführung von Gustav Mahlers Kindertotenliedern kam es nicht mehr.


Im Konzert des Sinfonieorchesters Basel wird der ausgefallene Pro- grammpunkt des „Watschenkonzerts“ gewissermassen nachge- holt. Der Bariton Matthias Goerne singt den Solopart von Mahlers Kindertotenliedern. Zuvor werden Alban Bergs „Drei Orchesterstü- cke“ gespielt, danach Strawinskys „Le sacre du printemps“.


Mi 30.10.2013, 19:30 Uhr Ort: Stadt-Casino Basel Weitere Informationen unter: www.sinfonieorchesterbasel.ch


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