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alle Fotos: Rainer Muranyi


Zeitgeist unempfänglich, mitunter sogar verdächtig macht. Sie sind kraftvoll, nicht cool, bieten wenig Spielraum für hoch- geschraubte Analysen. Kein Kunstkritiker beißt sich an ihnen lustvoll die Zähne aus. Im kreativsten Sinne Steine des Ansto- ßes sind sie, weil sie uns zu Zeugen einer radikalen, bisweilen brachialen Weltaneignung machen.


Arthur Stolls Bilder sind radikale Immanenz, eine Feier des- sen, was ist – und eine Beschwörung dessen, was ihm fehlt: Ein fester Ort.


Im gekonnten Wechselspiel von Raum und Fläche, gefügter Dinglichkeit und formelhafter Andeutung, zerfurchtem Farb- feld und kraftvoll eingepflügter Linie hat es Stoll schon früh zur Meisterschaft gebracht. Je länger man seine Bilder betrachtet, umso mehr hat es den Anschein, als beackere der Künstler sein Bildfeld mit der Wucht, dem Eifer, aber auch der Sorgfalt eines Agraikers, als sei jeder Malakt ein Schöpfungsakt, in dem sich der Künstler die Dinge neu vergegenwärtigt. Als würden sie erst auf diese Weise, in diesem physischen Augenblick sein eigen. Hier bestellte einer sein Feld: stur und konsequent und ohne Abschweife. Dabei kannte Stoll die Kunstgeschichte, be-


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zog Position und wusste sich abzugrenzen – insbesondere ge- gen die Zeitmoden und die Zumutungen des Marktes.


Der Maler blieb sich treu; an den Tod des Tafelbildes hat er nie geglaubt, auch als alle Kunstwelt darüber spekulierte. Stoll arbeitete sich weiter ab an der Welt und den Dingen, die er liebte, verlieh dem Ephemeren eine lustvolle Dignität, die sich im gern gewählten Bildtitel „De Norso“ ausdrückt. Wer in der (nichtbadischen) Welt kennt schon Norsingen?


Stolls Bilder hätten das Zeug, Namen und Ort bekannt zu ma- chen: als Begriff für den Versuch einer Selbstverwurzelung. Stark und unzeitgemäß sind diese Bilder. Sie stellen sich quer. Deshalb sollten sie uns immer wieder neu gezeigt werden.


Heimatmalerei ohne den Anflug von Idylle, eine Spur von Sentiment: roh, authentisch, bewegt und bewegend. Eine Ma- lerfaust, wie man sie heute vergeblich sucht.


(S.T.)


Weitere Informationen unter www.morat-institut.de


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