Farbe beackern - Bildfeld bestellen Eine Hommage an den Maler Arthur Stoll im Freiburger Morat-Institut
»Es gibt Bilder die sind verlogen, und andere, deren Wahrheit man erst entdecken muß. Und es gibt Bilder, die sind so un- deutbar wahr, wie Malerei nur sein kann. Artur Stoll hat viele solcher Bilder gemalt...«
(Barbara Rollmann in der Süddeutsche Zeitung, 10.07.1998)
Er ist die Malerfaust von Baden. Keiner der hier Geborenen ver- körpert den Konnex von Heimatverbundenheit und expressivem Pinselduktus in jüngerer Zeit so überzeugend wie Arthur Stoll.
Der vor acht Jahren verstorbene Maler aus Norsingen war eine Naturgewalt: Eruptiv und zupackend, zugleich hochsensibel, und trotz zeitweiliger geistiger Absenz bis zuletzt auf der Höhe seiner Kunst. Seine pastos modellierten Leinwände zieren das Foyer des Freiburger Südwestrundfunkstudios und waren immer wieder in Ausstellungen zu sehen. Überregionale Aufmerksamkeit, die er verdiente, wurde dem Maler derber agraischer Gerät- schaften, der Erntewägen und Krüge, der gestauchten Interi- eurs, der Fruchtkörbe, „Wunderblumen“ und zerfurchten Äcker bislang nicht zuteil.
Dass Arthur Stoll ein Bedeutender war, macht jetzt, einmal mehr, eine Ausstellung seines Sammlers, Förderers und Freun-
des Franz Armin Morat deutlich, die in seinem Freiburger Institut für Kunst und Kunstwissenschaft bis zum Herbst zu sehen ist: eine gelungene Auswahl aus Stolls Oeuvre, wand- füllende Nahsichten zumeist (allein 20 Großformate), perspek- tivisch verzerrte Beschwörungen einer inzwischen beinahe ver- gessenen oder doch kaum beachteten dörflichen Lebenswelt, in der die Dinge mächtiges Eigenleben führen, den dauerhaft abwesenden Menschen vertreten oder vielmehr nur den Anlass geben für den vehementen Malakt.
Der war für Stoll immer neue Selbstversicherung und Selbst- verortung: Ich male also bin ich. So banal und austauschbar das klingt, – Bilder wie diese machen unmissverständlich klar: Hier malte jemand um sein Leben.
Subjekt und Objekt flossen ineinander, er malte sich förm- lich in die Dinge hinein – und er malte nur, was er liebte, vorzugsweise in erdigen Farben: Braun, Grau, Grün und Ocker. Malerei als Selbsttherapie, die auch über das Wan- ken der Welt, die Gefährdung des Künstlers Auskunft gibt. Vielleicht ist es ja gerade das existentiell Dringliche, die konzeptlose, oft provokante Unmittelbarkeit und mitunter bedrängende Dichte dieser Bilder, die sie dem herrschenden 39
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