KRIEG UND LIEBE
IM KRIEG UND IN DER LIEBE IST ALLES ERLAUBT…
Schlachtfelder und Schlafzimmer gelten seit Langem als Orte, an denen für die Erreichung des endgültigen Zieles sämtliche Regeln gebrochen werden dürfen. Dasselbe kann für Pokertische gesagt werden. Dort werden zwar keine Geiseln genommen, aber beste Freunde können durchaus zu Todfeinden werden; und obwohl die meisten Foltermethoden in den diversen Genfer Konventionen verboten wurden, sind Slow-Rolling und die Sucker-Karte auf dem River immer noch erlaubt. Und genau wie im Krieg und in der Liebe kann weniger auch im Pokerbereich manchmal mehr sein: Wer seinen Montagabend zugunsten eines Candlelight-Dinners zu zweit opfert, verzichtet natürlich auf viel, aber langfristig kann sich ein solches Smartplay durchaus auszahlen.
…AUSSER BETRUG
In der guten alten Zeit riskierten Betrüger am Pokertisch, mit heißem Pech übergossen, in Federn gerollt und an einem Seil aus der Stadt hinaus gezogen zu werden. Denn Betrug ist das einzige, was sowohl im Krieg als auch in der Liebe unfair ist. Die Genfer Konventionen können als eine Art Knigge für bewaffnete Auseinandersetzungen gelten: In den Abkommen sind die unbedingt zu beachtenden Regeln genannt, bei deren Verletzung härteste Strafen drohen. Analog dazu ist Betrug in der Liebe das einzige, was überhaupt nicht erlaubt ist. Da ist es natürlich ein Glücksfall für die Ehefrauen und Partnerinnen von Pokerspielern, dass ihre Männer in den meisten Pokerräumen höchstwahrscheinlich weniger Frauen kennenlernen als bei einer Tagung albanischer Ziegenhüter.
GLÜCKSGÖTTIN FORTUNA Für die Partner von
Pokerspielerinnen sieht die Sache natürlich völlig anders aus: Auf jede
Pokerspielerin kommen ungefähr 100 Pokerspieler, so dass die Damen am Tisch nur kurz zwinkern müssen, um von einem Mann zu einer Reise auf die Malediven im Privatjet eingeladen zu werden. Und sogar bei niedrigeren Limits sieht die Situation flächendeckend zwischen London und München ähnlich aus: Es gibt keine Frau, die ihren Imbissbudenburger um Mitternacht jemals hätte selbst zahlen müssen. Die Partner von Liv Boeree,
Katja Thater, Veronika Larsen und deren Kolleginnen an den Highroller- Tischen müssen in ständiger Angst davor leben, dass Patrik Antonius ihren Liebsten eine Insel schenkt.
funktioniert aber keine einzige Glühbirne; im Kühlschrank finden Sie drei Flaschen Champagner und ein kleines Eck vergammelten Käse.
TONIGHT’S THE NIGHT
Praktischerweise ist der Valentinstag in jedem Jahr am gleichen Datum, weswegen ihn Verliebte entsprechend planen können. Buchen Sie möglichst im
Voraus, damit Sie und Ihre Auserwählte nicht mit Retsina in Plastikgläsern zu einem fettigen Döner an der Autobahnraststätte anstoßen müssen. Vermeiden Sie es möglichst auch, an diesem Tag
Bald ist wieder Valentinstag, und alle Pokerspieler denken nur noch an die PokerStars EPT in Kopenhagen.
MIT DEN WÖLFEN HEULEN
Es mag verlockend wirken, eine Pokerspielerin bzw. einen Pokerspieler zum Partner zu haben. Für ihre unmöglichen Arbeitszeiten, ihre enormen Stimmungsschwankungen, ihre zweifelhafte persönliche Hygiene und die Bereitschaft, die nächste Rate für den Immobilienkredit in einer Partie Omaha auf einen Straightflush- Flop zu verwetten, dürfen Sie auf Verständnis und Mitleid hoffen. Aber eines muss Ihnen klar sein: Wenn Sie verlieren, wird Sie keiner bemitleiden. Außerdem müssen Sie sämtliches ausgeliehene Geld zurückzahlen und ein Wochenende in Barcelona spendieren, wenn es gut läuft. Und die Ausschläge verdoppeln sich bei einem Pokerpaar natürlich: In Ihrem Wohnzimmer steht zwar ein Dreitausend-Euro-Sofa, dafür
noch online zu spielen; niemand möchte schließlich ein romantisches Abendessen mit einer Person verbringen, die sich ständig an die Stirn schlägt und von dem Full House erzählt, das irgendjemand gerivert hat.
DIE WICHTIGSTEN „NO-NOS“
Vertreiben Sie sich nicht die Zeit mit einer Partie Stud auf Ihrem Telefon, während Ihre Partnerin zur Toilette geht.
Stecken Sie der Bedienung, die Ihnen den Krabbencocktail bringt, keinen Schein zu. Lassen Sie Ihr Telefon nicht an, sonst könnten Freunde Ihren Abend mit SMS über Bad Beats stören. Und blicken Sie Ihrer Partnerin nicht lächelnd tief in die Augen, um dann zu sagen: „Kopenhagen, ich komme!”
Den Blick in die Kristallkugel warf Guy Campbell für Sie.
Und an Liebe. Ja, tatsächlich: Sogar Kartenspieler haben das Bedürfnis, die wohlige Wärme eines anderen menschlichen Wesens zu spüren, das ihnen nicht das ganze Geld am Tisch abnehmen möchte – sondern vor dem Scheidungsrichter. Charlie Chimp hat für Sie das Liebesleben der Pokerspieler untersucht.
Charlie Chimp im Interview
mit Guy Campbell
www.PokerEuropaOnline.com | FEBRUARY 2011 | Poker Europa 31
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