PROCESS EQUIPMENT
Ingenieurskunst: Pörner modernisiert Melaminanlagen für LAT Nitrogen
Dreieinhalb Jahre EPCM-Projekt: Innovative Abwasseraufbereitung von Planung bis Inbetriebnahme Im Chemiepark Linz, wo Innovation und Präzision den industriellen Alltag prägen, nahm ein ambitioniertes Projekt seinen Anfang. Die LAT Nitrogen Linz GmbH, ein führender Produzent von Melamin, errichtete in Zusammenarbeit mit der Pörner Ingenieurgesellschaft mbH mit Sitz in Linz eine hochmoderne
Abwasseraufbereitungsanlage. Dieses EPCM-Großprojekt, das sich über dreieinhalb Jahre erstreckte, ist ein Paradebeispiel für Ingenieurskunst, logistische Meisterleistung und die erfolgreiche Bewältigung technischer Herausforderungen.
Um die bestehende Melaminproduktion zu optimieren, war die Installation einer neuen, technologisch fortschrittlichen Abwasserbehandlungsanlage unerlässlich. Die LAT Nitrogen Linz GmbH, vormals Borealis Agrolinz Melamine GmbH, benötigte eine innovative Lösung, die den aktuellen Stand der Technik widerspiegelt.
Pörner erhielt den Auftrag für das Engineering, die Beschaffung und das Management dieses Projekts mit der Aufgabe, eine
Abwasseraufbereitungsanlage zu entwickeln, die sowohl den höchsten Umweltstandards entspricht als auch anspruchsvolle Prozessparameter erfüllt.
Die Dimensionen des Projekts waren von Anfang an beeindruckend: Eine Gesamtinvestition von rund 42 Millionen Euro, die ein breites Spektrum an Ingenieurleistungen umfasste – Behördenengineering, erweitertes Basic Engineering, Detail Engineering, Projektmanagement, Terminplanung, Einkaufsunterstützung mit Expediting, Bau- und Montageüberwachung sowie Inbetriebnahmeunterstützung.
Demontage und Vorbereitung: 1.500 Tonnen Material bewegt Bevor die neue Anlage Gestalt annehmen konnte, stand viel Arbeit an: die Demontage der stillgelegten Melaminanlagen 2&3. In dieser neunmonatigen Phase wurden allein 148 Tonnen Isolierung und Rohrleitungen, 1.200 Tonnen Stahl und Aluminium sowie weitere 160 Tonnen an Bauresten demontiert und fachgerecht entsorgt.
Die eigentliche Herausforderung begann jedoch mit dem Bau der neuen Aufbereitungsanlage für die
APRIL 2025
Anlagengelände vor dem Umbau.
Prozessabwässer der in Betrieb befindlichen Melaminanlagen 4&5. Pörner ist mit den anspruchsvollen Prozessparametern der Melaminanlage 5 (175 bar Druck und über 400 Grad Celsius Temperatur) bestens vertraut, da das Unternehmen bereits in den Jahren 1998–1999 deren Planung übernahm.
Zwei Superlativen auf dem Weg von Mumbai nach Linz
Besonders bemerkenswert war der Transport der beiden Hydrolyzer, die Herzstücke der neuen
Abwasseraufbereitungsanlage. Mit einem Gewicht von jeweils 180 Tonnen und einer Länge von 37 Metern mussten diese gewaltigen Druckbehälter, gefertigt in Indien, eine wahrhaft globale Reise antreten: von Mumbai per Schiff nach Antwerpen und von dort über Rhein, Main und Donau nach Linz. Ein derartiges Unterfangen erfordert nicht nur logistische Expertise, sondern auch präzise Planung, um sicherzustellen, dass der Transport reibungslos vonstattengeht.
Die Installation dieser Kolosse auf den fünf Meter hohen Fundamentstreifen im Werksgelände war eine komplexe Aufgabe für sich. Aufgrund des begrenzten Platzangebots war es unmöglich, die schweren Geräte mit herkömmlichen Kränen zu heben. Stattdessen kam ein hydraulisches Hebe- und Verschubsystem zum Einsatz, um die Maschinen millimetergenau an ihren Bestimmungsort zu bringen.
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Kreislaufwirtschaft und modernste Technik im Fokus
In den Melaminanlagen wird Harnstoff als Ausgangsmaterial verwendet, worin die Reinigung und Isolierung des Endprodukts Melamin über eine wässrige Aufarbeitung erfolgt. Die dabei verwendete Mutterlauge wird größtenteils im Kreislauf geführt. Um die Produktqualität zu gewährleisten, ist die Ableitung einer Mindestmenge der Mutterlauge erforderlich. Die Aufbereitung dieser „Prozessabwässer“ erfolgte bisher über zwei thermische Abwasseraufarbeitungsanlagen. Im Rahmen des Projekts wurden diese durch eine neue Anlage mit bester verfügbarer Technologie ersetzt. Zusätzlich wurde ein 1.000 Kubikmeter fassender Doppelmanteltank zur Pufferung der Rohprozessabwässer errichtet.
Die neue Abwasseraufbereitungsanlage besteht aus zwei seriell geschalteten Druckapparaten (Hydrolyzern), die mit einem Betriebsdruck von 45 bar und einer Betriebstemperatur von über 230 Grad Celsius betrieben werden. Diese extremen Bedingungen stellen höchste Anforderungen an die Materialqualität und die Konstruktion der Anlage. Während das Abwasser durch die beiden Hydrolyzer fließt, werden die organischen Stickstoffverbindungen zu Ammoniak und Kohlendioxid hydrolysiert, also in Reaktion mit Wasser gespalten. Die neue state-of-the-art Hydrolyse-Anlage umfasst nicht nur die
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