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Sommer 2012 I Wiehre-Journal


125 Jahre Höllentalbahn vier, fünf Züge aus den Anfangszeiten der Bahn waren sehr


schnell Geschichte. Gefährlich war die Bahn mitten in der Stadt auch deshalb, weil der Straßenverkehr stetig zunahm und vor allem der motori- sierte Anteil stieg. An insgesamt zehn Stellen kreuzten sich Schienen und Straßen auf gleichem Niveau. In der Günterstal- straße querte zudem die Städtische Straßenbahn die Schienen. Nach und nach wurden zwar Ampeln und Schranken an den Übergängen installiert, um die Sicherheit zu erhöhen, auch der im noch existierenden Bahnwärterhaus Dienst habende Beamte hatte eine Wächterfunktion. Eine Ärgernis blieb das dampfende Ross in der Wiehre dennoch. Hätte man dies vorausahnen kön- nen, schreibt die Freiburger Zeitung, wäre "die Linienführung auf andere Weise getätigt worden".


Nachdem bereits im Jahre 1861 im Kaufhaus in Freiburg das „Eisenbahncomite zur Förderung eines Eisenbahnprojektes von Paris über Freiburg, Donaueschingen, Ulm nach München und Wien“ gegründet wurde,


legte 1882 Baudirektor Robert Gerwig


den Entwurf für eine einspurige Eisenbahnlinie von Freiburg durch das Höllental vor und sollte nur lokalen Interessen dienen.


noch im Wesentlichen


Nach Genehmigung durch die Badische Regierung haben von 1884 bis 1887 zeitweise mehr als 1100 Arbeiter, darunter viele Italiener, die fast 35 Kilometer Freiburg nach Neustadt errichtet.


lange eingleisige Strecke von


Um der Bedeutsamkeit der Eröffnung der neuen Bahnstrecke gerecht zu werden, schreibt der Autor des Hauptartikels in der Freiburger Zeitung: „Seit Jahrzehnten der Gegenstand sehnlich- sten Wunsches vieler Bürger“, als die Höllentalbahn am 21. Mai 1887 feierlich dem Verkehr übergeben wird. „Es sei ein Ereignis, das für unser schönes Badenland insbesondere aber für unsere engste Heimath, dem Breisgau und Schwarzwald, für immerdar ein hochwichtiges bleiben wird“. Recht hatte er, denn rund fünf- zig Jahre später zog die Freiburger Zeitung wieder folgende Bi- lanz: „Der große Aufwand an Geld und Arbeit zum Bau der Höl- lentalbahn hat sich reichlich gelohnt.“ In Freiburg dampfte die Bahn mitten durch die Wiehre – die da- mals allerdings noch größtenteils dünn besiedelt war und vor allem landwirtschaftlich genutzt wurde. Südlich der Dreisam in Höhe der Freiau-Siedlung zweigte die Höllentalbahn von der Hauptstrecke ab. Sie führte über die Kronenmatten, querte Basler Straße, Hölderlebach, Schwimmbadstraße, Loretto-, Goe- the- und Günterstalstraße. Parallel zur Urachstraße erreichte sie schließlich den alten Wiehre-Bahnhof. Noch heute steht an der Ecke Goethestraße/Lorettostraße ein 1894 erbautes Bahn- wärterhaus. Doch die Stadt wuchs schnell, bald schon rumpelten die Züge eng an Wohnhäusern vorbei.. Die Planer hatten nicht mit einer derart raschen Entwicklung der Wiehre gerechnet. Die täglich


Geplant war, die Trasse in einer großen Schleife weiter südlich zu verlegen. Dafür würde es nötig sein, zwei Tunnel zu schaffen: durch den Lorettoberg und durch das Sternwaldeck. In der Folge müsste auch der Wiehre-Bahnhof verlegt werden. Ein auf fünf Jahre angelegtes Projekt, das zunächst an der Finanzie- rung scheiterte. Im März 1914 schließlich kam es zum ersten Spatenstich, der dann auch für lange Zeit der letzte blieb. Der Erste Weltkrieg und seine Folgen verhinderten eine Realisierung der Pläne.


Erst 1932 wurden der Loretto- und der Sternwaldtunnel fertig- gestellt und die Eröffnung des neuen Wiehre-Bahnhofs und der neuen,


zweigleisigen Linie


zwei Jahre später am 8. No- vember 1934 gefeierte. Die neue Strecke war um 1,5 Kilometer


länger als die bis-


herige Strecke. Deshalb steht heute am Beginn der Höllen- talbahn im Freiburger Haupt- bahnhof


ein Kilometerstein


mit der Angabe "-1,4". Ein bis- schen Gemecker gab es aller- dings am neuen Gebäude des


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