ALBUMREVIEWS:
HI-GRIP THE QEMISTS FEVER RAY VALE TUDO
„Reincarnation“ „Join The Q“ „Fever Ray“ „Sorry Means Nothing“
„Pa Pa Hü Paaa Pa“ ist weder der Würde man den Sound der Jungs aus 600 Buchstaben können manchmal Abgenagte Grillfleischknochen und
Versuch eines Säuglings, nach einem Brighton in einer Ausnüchterungs- sehr wenig sein, um ein Album ge- leere Jägermeisterflaschen finden sich
Papierhut zu verlangen, noch ist es zelle laufen lassen, wäre diese wohl bührend zu würdigen. Doch manch- auf ihrem Weg zum HC-Thron: Vale
eine aserbaidschanische schneller leer, als ein Fass Bier bei mal ist weniger mehr. So auch bei Tudo aus Zürich haben nach zwei EPs
Eintopfspezialität mit Lauch, einem Harley-Davidson-Treffen. Mas- Karin Dreijer Andersson, die uns die endlich das Debütalbum aus dem TIPPS DES MONATS
Zwiebeln und Knoblauch, sondern sive Drum'n'Bass-Klänge wummern bald dreijährige Wartezeit auf den Studio geprügelt. Es schreit, spuckt und
eine sich endlos wiederholende zusammen mit dreckigen, elektroni- Nachfolger des grandiosen „Silent tobt in alle Richtungen, kann seinen
Textpassage aus dem Album von Hi- schen Beats, hartem Rock und ein- Shout“ ihres mit Rabenmasken Tobsuchtsanfall aber auch mit furiosem
Grip. Die Aarauer Psychobillys sind nicht nur sehr, uhm, gängigen Vocals. The Qemists mischen musikalische Genres bestückten Duos The Knife mit einem Soloprojekt namens Fever Gitarrengewitter und Trommelhagel unterstreichen. Schon klar, auf
lautmalerisch, was ihre Texte angeht, noch viel mehr Herzblut kreuz und quer zusammen von Rap, Dancehall über Metal bis Ray versüsst. Die Fieberträume der Schwedin bedeuten einen Dauer kann das arg ermüden, was aber nicht an Vale Tudo liegt, BLACK LIPS „200
stecken sie in die Musik. Ganz unkonventionell schaffen sie hin zu Soul. Das Debütalbum „Join The Q“ ballert da ohne Schritt zurück in Richtung des selbstbetitelten Debüts von The sondern an Ihnen, Sie weichgespültes Daumenlutscherkatzen-Knife. Von Dreijer war zu vernehmen, sie wolle ein Album baby. Reiben Sie sich also noch ein bisschen mit Schleifpapier ab
Million Thousand“ ein Plätzchen für die Kirche im bösen Haus des Rock'n'Roll und Ausnahme von Anfang bis Ende auf den Hörer ein – harter umzäunen ihre Musikstadt mit einem unsichtbaren Band von Sound für harte Tage. Oder Nächte. (isa) machen, das sich von der elektronischen Verliebtheit von The und schlagen Sie morgens nach dem Aufstehen zünftig den Kopf
Eben noch an der Heroin- Orgelklängen. Gut möglich, dass mit Hi-Grip gleich auch noch Wer das mag, mag auch: The Prodigy „Music For The Jilted Knife abhebt. Das ist ihr nicht gelungen. Doch „Fever Ray“ gegen die Wand, damit Sie wenigstens den nächsten Live-Gig
nadel, jetzt schon auf die komplette Besetzung von „Grease“ reinkarniert. (gsh) schenkt ihrer entrückten und verzerrten Stimme mehr Platz und von Vale Tudo überleben. (rec)Generation“, Does It Offend You, Yeah? „You Have No Idea
unserer Showbühne! So dem (geduldigen) Zuhörer ein geradezu hypnotisches Erlebnis. Wer das mag, mag auch: The Sonics „Boom“, Men From What You're Getting Yourself Into“, The Chemical Brothers Wer das mag, mag auch: Madball „Legacy“, Pro-Pain „Fistful Of
klingt die Band aus Atlanta (lru) Wer das mag, mag auch: Björk „Vespertine“, The Knife S.P.E.C.T.R.E. „The Living Eye“, „Grease Original Soundtrack“ „We Are The Night“ Hate“, Biohazard „Kill Or Be Killed“
zumindest auch auf ihrem „The Knife“, Animal Collective „Merriweather Post Pavillon“
fünften Album. Doch egal, VARIOUS ARTISTS BONNIE ‚PRINCE' BILLY EMPIRE OF THE SUN DELILAHS „Delilahs“
auf was sie sind, weg-
nehmen sollte man es ihnen “War Child Heroes” „Beware“ „Walking On A Dream” Der Hype war riesig, die Erwartung-en ebenso. „Delilahs“ ist also vor
auf keinen Fall. Mit ihrem War Child Heroes ist kein Kriegsgame Was haben wir einen Ozean aus Freu- Beim Dreh zur ersten Single „Walking allem ein Befreiungsschlag. Doch im
Garagen-Rock torkeln die aus Sierra Leone, sondern ein einzig- dentränen auf den Boden unserer Reda- On A Dream” wurden die beiden Vergleich zu den rohen Klängen der
Black Lips wie ein angeschlagener Boxer durch den Ring, artiges Musikkonzept, das dabei ein ktion geheult, als die Promo-Kopie von Imperatoren aus einem chinesischen Anfangstage, zeigt sich das neu zu-„Beware“ von Bonnie ‚Prince Billy' in der Tempel geworfen. Hätten die Mönche
können sich scheinbar kaum auf den Beinen halten, doch gemeinnütziges Projekt unterstützt. sammengesetzte Trio aufgeräumter Unter beispielloser Mithilfe von Paul Post lag. Bloss erinnert uns eine Stimme den Song nur gehört; sie hätten die
dem Publikum noch ihre trunkene Wut entgegenröcheln. und weniger ungestüm, ohne das McCartney und David Bowie haben 15 immer wieder daran, dass es sich um Buddha-Statue fortan als Briefbe-
Man kriegt eine Ahnung davon, wie das wohl war, als der Gespür für eingängige Melodien Ikonen der Rockgeschichte zur Neu- eine Promo-Kopie von „Beware“ von schwerer benutzt und würden statt-
Ur-Mensch den Velvet Underground oder Iggy & The verloren zu haben – obschon bereits interpretation eines ihrer Kultsongs Bonnie ‚Prince Billy' handelt. Welch ein dessen jetzt das Debüt-Album der Au-
Stooges entdeckte. Ein grosser Moment für die beim zweiten Hören so manche Songpassage an einem eine junge Band in die legendären Abbey Road Studios ge- Pickel im abermals wundertraurigschönen Gesicht der prinzlichen stralier anbeten. Zur Meditation eignet sich der psychedelische
Menschheit. Zumindest den Teil, der bis fünf Uhr mittags vorbeirauscht. Das Album ist gut, ja manchmal besser als gut, laden. Das Aufeinandertreffen der alten und jungen Musik- Melancholie. In „Beware“ streicht das Flüstern Bonnie ‚Prince' Billies Synthie-Pop nur bedingt, dafür können Sie dazu wunderbar aber insgesamt nicht zwingend genug. Unter der Regie des
ausschläft. (rec) helden gewissermassen. Bob Dylan z.B. bestand auf Becks Ge- wie ein Windhauch über die Streicher und Gitarren. Und spätestens sextatisch Pülverchen schlucken und eng tanzen. Das druggy Züri-West-Gitarristen Küse Fehlmann kombinieren die Zuger
Wer das mag, mag auch: The Velvet Underground „The schicke, Roxy Music haben sich den ohnehin schon funkelnden bei „I Am Goodbye“ vergessen wir alles Schlechte auf dieser Welt: Duo erinnert stark an die Sphären-Könige von 2008, MGMT, hat Frontfrauen und ihr neuer Berner Drummer kantigen Indie-Rock
Velvet Underground“, Eric Burdon & The Animals „San „Do The Strand“ von den Scissor Sisters nachpolieren lassen, die Bankpleiten, die Fasnacht, Light-Bier und sämtliche Musik- jedoch nicht gar so heftig einfahrende Singles, bietet dafür mit schnörkellosem Pop, das Resultat wirkt jedoch oft zu
Francisco Nights“, The Black Keys „Attack & Release“ Blondie liess sich mit Franz Ferdinand verbinden für ein „Call piraten. Bis – genau – uns eine Stimme in die Realität zurückholt. übers ganze Album hinweg eine konstant kosmische Reise. geschliffen. Es scheint, als ob die Erwartungen ihnen die Me“-Cover, während Hot Chip für Joy Divisions zeitgemässe Denn es handelt sich um eine Promo-Kopie von „Beware“ von (shy)
Leichtigkeit genommen hätten, die Säue. Darum: bitte sofort „Transmission“ sorgte. Guter Sound für einen guten Zweck! Bonnie ‚Prince' Billy. (rgg) Wer das mag, mag auch: Iron & Wine Wer das mag, mag auch: MGMT „Oracular Spectacular”, Cut
zurückgeben! (dave) Wer das mag, mag auch: Morningwood (lance) Wer das mag, mag auch: Die Originalfassungen, d'oh! with Calexico „In The Reins“, Rocky Votolato „Bragg & Cuss“, Copy „In Ghost Colours“, Hot Chip „The Warning“
„Sugarbaby EP”, Aimee Cares „Her Golden Age“Damien Jurado „And Now That I Am In Your Shadow“
JOHN FRUSCIANTE THE FRAY TELEPATHE THE VIEW PETER DOHERTY
„The Empyrean“ „The Fray” „Dance Mother“ „Which Bitch?" „Grace/Wastelands“
Wir hätten da noch ein paar Plätze frei Mit sämtlichen Augen zugedrückt, „Wollt ihr mal meine Instrumenten- Auf ihrem Debüt „Hats Of The Busket“ Mit „Grace/Wastelands“ veröffentlicht
in unserem Club „Menschen, die wis- hinter vorgehaltener Hand und beglei- sammlung sehen?“ David Sitek, haben sich The View noch angehört Peter Doherty das lange angekündig-
sen, dass John Frusciante die besseren tet von einem verzerrenden Keuch- Mastermind von TV On The Radio, wie frisch aus der Garage geworfen. te und noch länger erwartete Solo-
Songs schreibt als Antony Kiedis“. Inte- husten-Anfall konnte „How To Save A weiss halt, wie man die jungen Dinger Gut so. Schliesslich haben 2007 zu album, das nicht zuletzt auch wegen
resse? Vielleicht nach „The Empyrean“, Life“, die erste Platte der Denverer, ins private Aufnahmestudio abschlep- viele junge Bands aus Britannien den eines kurzen Urlaubs hinter schwedi-
nach knapp vier Jahren Pause das neue noch als Alternative-Rock-Album pt. Zuletzt ist ihm das mit Melissa Li- Arctic Monkeys nachgeeifert, womit schen Gardinen erst jetzt erscheint. Es
Solowerk des RHCP-Gitarristen (zwi- durchgehen; mit dem selbstbetitelten vaudais und Busy Gangnes aka Tele- Eigenständigkeit zur Ausnahme wur- ist eine Sammlung luftiger, meist sehr
schen 2004 und 2005 rätätätättete Fru- Nachfolger ist das beim besten Willen pathe gelungen. Unter Siteks Produ- de. Mit „Which Bitch?“ findet das reduzierter Songs, von denen einige
sciante ganze fünf Alben und eine EP raus). Nachts im dunklen nicht mehr möglich. Schlecht ist das Piano-Indie-Pop/Rock-Werk ktion schwelgt das Duo auf seinem Debütalbum durch Synthie- Quar-tett seinen eigenen Stil und der rockt den Putz genauso zu den besten gehören, die je seiner Feder entsprungen sind.
Wohnzimmer soll es gespielt werden, meint Frusciante. Ist ja dabei auf keinen Fall; Perlen wie „Absolute“, „You Found Me“ Gesurre und stolpert durch Dubstep-Gepolter. Durchgehend gut von den Wänden. „5Rebeccas“ füllt die Tanzflächen wie es Wunderbarer Indie-Folk paart sich mit zerknitterten
nichts Neues für die Musik des Krautrockfans. Erhaben ist der und „Happiness“ lassen Ihr Herz schneller schmelzen als zärtlich hingegen: der Gesang. Telepathe bringen damit zwar schon „Superstar Tradesman“ getan hat und bei „Realisation“ Popmelodien, in denen jederzeit Dohertys unnachahmliche
Empyrean. Er bedrückt, macht traurig und tröstet (insbesondere Wannabe Tessa das mit dem, ähem, guten Ruf von „Germany's keine Mutter zum Tanzen und leisten sich in ihrer Traum- wird auch ein gewisser Herr Doherty zweimal hinhören müssen, Schludrigkeit pulsiert. „Last Of The English Roses“ erinnert mit
das wenig originelle, dennoch zauberhafte Tim-Buckley-Cover Next Topmodel“ tut. Leider haben sich in dieses potente Hit- schwelgerei auch einige Langweiligkeiten, ein kluges Stück Pop um zu bemerken, dass der Song nicht aus seiner Feder stammt. den verstaubten Beats und der leicht nölenden Stimme an die
„Song To The Siren“). Streicher, Gitarren, Electrofrickeleien und Ensemble aber auch ein paar schlaff-seichte Nummern findet dank „Dance Mother“ aber wieder mal seinen Weg aus Der Rest ist englische Arbeiterklasse as usual mit nonchalanten späten Blur, die jazzige Piano-Ballade „Sweet By And By“ wirbelt
verlorene Chöre: Grosses Kino, in dem man aber alleine sitzen eingeschmust. (shy) Wer das mag, mag auch: Ben Folds dem in letzter Zeit nicht um klugen Pop armen Brooklyn. (rec) Gitarren und einigen Nananana-Singchören. Take that, bitch. den Staub auf und „1939 Returning“, das als Duett mit Amy
sollte. (rec) Wer das mag, mag auch: Tortoise & Bonnie ‚Prince' „Rockin' The Suburbs”, Five For Fighting „The Battle For Wer das mag, mag auch: Cocteau Twins „Heaven Or Las (rez) Wer das mag, mag auch: The Kooks „Konk“, The Winehouse gedacht war, könnte mit ihr nicht besser sein. (dave)
Billy „The Brave And The Bold“ Everything“, Keane „Hopes And Fears“ Vegas“, Ladytron „Witching Hour“ Libertines „The Libertines“, Razorlight „Slipway Fires“ Wer das mag, sollte
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