This page contains a Flash digital edition of a book.
ROCKSTARS:
von David Gadze
„I've been dreaming of a time when„Life Is A Pigsty“
Auch wenn er sich mit der modernen Gesellschaft und ihren To be English is not to be baneful
Errungenschaften immer noch schwer tut, insbesondere was die To be standing by the flag not feeling
Auswirkungen auf die Musik als Kunstform im Allgemeinen und
deren Entwertung im Speziellen betrifft („Musik ist als Kulturform Shameful, racist or partial”
völlig entwertet, sie hat ihre kulturelle Bedeutung verloren. […] Als
ich aufwuchs, war Musik viel kostbarer.“), scheint The Moz kurz vor (Morrissey, „Irish Blood, English Heart“, 2004)
seinem 50. Geburtstag mit sich selbst und der Welt eine Art Frieden
oder zumindest Waffenstillstand geschlossen zu haben. Schon die
ersten Zeilen des stürmischen Openers seines neuen Albums „Years
Of Refusal” lassen darauf schliessen, dass er seine notorische
Verweigerungshaltung langsam abzulegen scheint: „I'm doing very
well / I can blackout the present and the past now / I know by now
you think I should have straightened myself out / Thank you good
day”. Solche Worte aus Morrisseys Mund zu hören, wäre bis vor Morrissey und
kurzem noch undenkbar gewesen. Er gibt zu, weicher und
entspannter geworden zu sein. „Ich gehörte nie zu einer Clique,
habe mich in meinem Leben einfach zu oft verweigert, war immer im der Nationalismus
Krieg mit der Welt. Ich bin nun mir selbst und anderen gegenüber 1992 kam es zum Krieg zwischen Morrissey und dem „NME“, als dieser
sehr viel toleranter als je zuvor, und das war mir wichtig.“ dem Sänger Rassismus vorwarf, nachdem er bei einem Supportgig für
Madness vor deren bekanntermassen rechten Fans in den Union Jack
Was diese neuentdeckte Zufriedenheit in Zukunft für seine Musik, gehüllt auftrat. Die Geschichte drohte sich zu wiederholen, als der
deren Treibstoff gerade eben die Unzufriedenheit war, bedeuten „NME“ im November 2007 ein Interview veröffentlichte, in dem
wird, bleibt abzuwarten. Auf die Frage, ob er überhaupt noch Songs Morrissey – ein Kind irischer Immigranten – den Zerfall der nationalen Identität Englands aufgrund der zunehmenden Einwanderung beklagte.
schreiben könne, wenn seine Laune so gut bleibe, antwortete er: The Moz wies die Anschuldigungen jedoch vehement zurück und warf
„Wahrscheinlich nicht, aber was sollen das auch für Lieder sein?“. dem Musikblatt eine Hetzkampagne vor. Wie sich später herausstellte,
Solange auch ein Morrissey mit sonnigem Gemütszustand so änderte der „NME“ zahlreiche Passagen bewusst ab, wovon sich auch
ziemlich jeden in seinen Schatten stellen kann, ist dieses Problem der betreffende Journalist in einem Mail an Morrisseys damaligen
eigentlich gar keins. Manger Merck Mercuriadis distanzierte, was auch der Verweis auf den
Autor bestätigte: „Interview: Tim Jonze; Words: NME“. Was Morrissey
entlastet: Beim Aufstieg des österreichischen Populisten Jörg Haider Morrissey „Years Of Refusal“ (erhältlich als Single-Disc und als
sagte er der irischen „Times“: „Das ist traurig. Manchmal zweifle ich Limited Edition mit DVD) ist am 16. Februar erschienen.
daran, dass wir in einer intelligenten Welt leben.“ Zudem weigerte er
sich jahrelang, wegen der Nazi-Vergangenheit in Deutschland
aufzutreten und unterstützte zahlreiche anti-rassistische Aktionen wie
„Love Music Hate Racism“. (dave)
„There is no love in modern life.“
–Morrissey („Something Is Squeezing My Skull“, 2009)
Morrissey und der, äh, Sexualismus
Morrisseys sexuelle Ausrichtung war immer wieder Gegenstand von
Spekulationen. Er selbst antwortete auf entsprechende Fragen entweder
ausweichend oder in Rätseln. So behauptete er in den 80ern, asexuell
zu sein bzw. ein viertes Geschlechtsverständnis zu haben, das weder
homo-, noch hetero-, noch bisexuell orientiert sei, sondern einfach
einem natürlichen Bedürfnis nach sexueller Entfaltung folge. Mit Frauen
diskutierte er lieber über Feminismus, als sie ins Bett zu zerren.
Gerüchte, wonach er schwul sei und deren Bestätigung sowohl Fans als
auch Kritiker in zahlreichen Songtexten gefunden zu haben glaubten,
wies er immer zurück. Im Juni 1986 sagte er dem „NME“, er habe immer
geglaubt, seine Genitalien wären das Ergebnis eines geschmacklosen
Streiches. (dave)
N° G. G.26 55 N° MA MA 54 07
Page 1  |  Page 2  |  Page 3  |  Page 4  |  Page 5  |  Page 6  |  Page 7  |  Page 8  |  Page 9  |  Page 10  |  Page 11  |  Page 12  |  Page 13  |  Page 14  |  Page 15  |  Page 16  |  Page 17  |  Page 18  |  Page 19  |  Page 20  |  Page 21  |  Page 22  |  Page 23  |  Page 24  |  Page 25  |  Page 26  |  Page 27  |  Page 28  |  Page 29  |  Page 30  |  Page 31  |  Page 32  |  Page 33  |  Page 34  |  Page 35  |  Page 36  |  Page 37  |  Page 38  |  Page 39  |  Page 40  |  Page 41  |  Page 42  |  Page 43  |  Page 44  |  Page 45  |  Page 46  |  Page 47  |  Page 48  |  Page 49  |  Page 50  |  Page 51  |  Page 52  |  Page 53  |  Page 54  |  Page 55  |  Page 56  |  Page 57  |  Page 58  |  Page 59  |  Page 60  |  Page 61  |  Page 62  |  Page 63  |  Page 64  |  Page 65  |  Page 66  |  Page 67  |  Page 68  |  Page 69  |  Page 70  |  Page 71  |  Page 72  |  Page 73  |  Page 74  |  Page 75  |  Page 76  |  Page 77  |  Page 78  |  Page 79  |  Page 80  |  Page 81  |  Page 82  |  Page 83  |  Page 84  |  Page 85  |  Page 86  |  Page 87  |  Page 88  |  Page 89  |  Page 90  |  Page 91  |  Page 92  |  Page 93  |  Page 94  |  Page 95  |  Page 96  |  Page 97  |  Page 98  |  Page 99  |  Page 100
Produced with Yudu - www.yudu.com