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ON TOUR: Animal Collective:
Hohe Tiere zu Besuch
Wonach sich Musikkritiker die Hosen wechseln müssen: Das im Januar
erschienene Album „Merriweather Post Pavilion“ von Animal Collective
wurde von einigen als das wichtigste popkulturelle Machwerk aller Zeiten
(mindestens) verschrien. Die grössten Geniestunden Radioheads seien ein
unbeholfenes Babyrasseln (höchstens) gegen die verschachtelten The Sisters Of Mercy:
Soundtrips der Band aus Maryland. Nun denn. Wer sich im vergangenen
Jahr die Alben der High Places oder El Guincho gekauft hat, für den mag
das alles nur noch halb so kniefallauslösend sein. Doch selbst wenn es sich
jetzt halt nur um die zweitgrösste Band des Universums und in sämtlichen
Zeitrechnungen handelt, live sollte man sie trotzdem nicht verpassen: am Das psychedelische
10. März im Fri-Son Fribourg und am 11. März, Schüür Luzern. Hose zum
Wechseln nicht vergessen. (rec)Gewissen der Achtziger
Vergessen Sie Paul McCartney und John Lennon, denken Sie nicht einmal im Traum an Mick
Jagger und Keith Richards. Das absolute Traumpaar der Musikgeschichte heisst Andrew
Eldtrich und Doktor Avalanche. Seit Beginn der 1980er Jahre tröpfeln der cholerische
Liedermacher Eldritch und die Kult-Drum-Machine Avalanche alias The Sisters Of Mercy mit
Songs wie „Temple Of Love“, „The Corrosion“ oder „Lucretia My Reflection“ stetige LSD-
Injektionen in die finsteren Ecken der Musikwelt. Bei jedem Infizierten tuckert seither ein
gemächlicher Bummelzug von farbigen Melodien durch die Gehöhrgänge.
Leider ist das letzte Album der organisch-mechanischen Band seit 17 Jahren auf dem Markt,
ohne dass ein Nachfolger in Sicht wäre. Ständiger Ärger zwischen Eldtrich und seiner
Plattenfirma haben bis anhin alle Gerüchte über ein neues Werk der Gothic-Rock-Pioniere
zunichte gemacht. Trotzdem tourt die Band fleissig um die Welt und macht am 6. April im
Zürcher X-tra auch in der Schweiz Station. Und wenn Sie dazu keine schwarzen Kleider tragen
mögen, ziehen Sie sich einfach eine Mütze des FC St. Pauli über. Das ist nämlich der erklärte
Lieblingsklub von Sänger Andrew Eldritch. (mü)
Schandmaul: Ritterspiele
Wenn Sie zu den Leuten gehören, denen es nichts ausmacht, im Tierfellrock
und Ritterhelm das 8er-Tram zu betreten um damit vor das Zürcher Volkshaus
zu fahren, weil dort die Mittelalterfolkrock-Minnesänger von Schandmaul
musizieren, dann sollten Sie am 23.4. im Tierfellrock und Ritterhelm das 8er-
Tram betreten, um damit vor das Zürcher Volkshaus zu fahren, weil dort die
Mittelalterfolkrock-Minnesänger von Schandmaul musizieren. Und sollte es
Ihnen peinlich sein: Gehen Sie trotzdem hin um die Leute zu bestaunen,
denen es das nicht ist. (rec)
Das Mojo-Magazin mag Jay Reatard auf jeden klingt Herr Reatard jede einzelne Sekunde. Jay
Fall. Als „essential soundtrack to modern fucked Manchmal sogar so, als würden Sonic Youth den
urbania“ empfinden die Kollegen ännet des Sound von Game-Boy-Spielen interpretieren.
Ärmelkanals den künstlerischen Output des Ungeduschte Hey-ho-Punk-Köter lässt Herr
Herrn Reatard. Ein Lob, das mindestens 666 Reatard von der Leine; schwanzwedelnde Lo-Fi-Reatard:
MySpace-Freunden entspricht. Noise-Pop-Kläffer, kaum einer länger als
zweieinhalb Minuten.
Solche Liebeserklärungen fallen aber natürlich Der Wüste
nicht vom Himmel. Von seinen 28 Lebensjahren Am 17. März schwanzwedelt Herr Reatard im
schrammelt Herr Reatard die meisten in mehr Zürcher Mascotte. Das ist ein Dienstag. Und Electric Six: Auch
oder weniger unbedeutenden (inzwischen darum wedelt danach auch noch Karaoke From lebt!
sowieso nicht mehr existenten) Punkbands. Im Hell. A propos hell: Das ist auch Reatards Label in Hetero-Bars
Laufe des vergangenen Jahres dann entwickelt Matador: Auf den Hype um ihren Schützling
Herr Reatard die überaus angenehme brannten die Matadore sämtliche Singles auf eine
Ihr Album „Switzerland“ wurde von der Kritik eher, Gewohnheit, im Monatsrhythmus Singles einzige CD, pappten ein Monochrom-Foto des Jay Reatard sieht aus, als hätte
kicher, neutral aufgenommen. Und die zwei Nach- rauszuhauen. Frisch aus dem Muff seiner Herren Reatard vorne drauf und verkaufen das das Heilsarmee-Brocki einen
folgewerke (zuletzt „Flashy“, 2008) haben Sie be- Probegarage, geritzt in edles Vinyl, 7 Zoll Resultat jetzt als Album. Liebevoll ist das nicht Wischmob als Schaufenster-
stimmt auch nicht mitbekommen. Ein Jammer. Denn Durchmesser. Und diese Scheiben waren jeweils gerade. Aber wer braucht schon Liebe, so lange puppe engagiert. Jay Reatard
die Disco-Rocker aus Detroit mögen mit „Gay Bar“ schneller weg als die kollektive Nüchternheit an es Sex und Whiskey gibt?behandelt seine Instrumente
und „Danger! High Voltage“ ihre Hit-Höhepunkte der Luzerner Fasnacht.so zärtlich, als wären sie
erreicht haben, alles Weitere ist aber ebenso schön- Schlampen von der nächsten
schexy-four-to-the-floor-Ohrwurmerei, bei der man Übrigens heisst Herr Reatard eigentlich Herr Jay Reatard „Matador Singles“ (Matador) seit Busstation. Und Jay Reatard
sich wie läufige Hündchen an fremden Beinen reiben Lindsay. Das Licht der Welt erblickt er in Ende Februar im Handel. Live am 15. März in röchelt aus einer Kehle, die mit
will. Reibgelegenheiten live am 19.3. im ISC Bern, Memphis, Tennessee. Macht aber nichts, denn der La Romandie, Lausanne, und am 17. März im Russ und Malz gepflastert ist.
20.3. im Mariaberg Rorschach und am 21.3. in der nach Elvis und Cash erinnert Herr Reatard Mascotte, Zürich.Sie werden ihn bestimmt
Schüür Luzern. (rec) genauso wenig, wie an Highway-Diners und in mögen! der Hitze flimmernde Wüsten. Wüst hingegen
G.40 N° 55 von Marco Rüegg
MA
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