WWKU_2 NR.38 KULTUR Montag, 15. Februar 2010
NAVIGATOR
Vancouvers Kunst macht Schule
Schauspiel
Köln mit
Aber Jeff Wall und andere Foto- und Video-Stars der „Vancouver School“ wollen Einzelgänger bleiben zwei Stücken
Nicole Bröhan
nach Berlin
Vancouver. Als Kunstmetro- Berlin/Köln.DieJurydesBer-
pole hat die aktuelle Olympia- liner Theatertreffens hat die
Stadt Vancouver an der Süd- Auswahl der zehn bemerkens-
westküste Kanadas bislang wertesten Inszenierungen der
Hoher Anspruch
nochnichtgroßvonsichreden vergangenen Saison im
Es sollte dann doch schon gemacht. Und auf den ersten deutschsprachigen Raum
etwas Salonfähiges sein, als Blick deutet nichts auf eine getroffen. Alle Inszenierun-
ich mir in jungen Jahren aufregende Kunstszene. Bunt gen werden anlässlich des
einen Kammermusikführer bemalte Totempfähle, grobe Theatertreffens ab 7. Mai im
zulegte. Man kann schon Steinskulpturen und rustikale Haus der Berliner Festspiele
sagen, es war so etwas wie Holzplastiken der „First Nati- gezeigt. Die Auswahl 2010:
das Standardwerk des klei- ons“,derUreinwohnerprägen Deutsches Theater Berlin,
nen Mannes. So teuer wie das künstlerische Erschei- Regie Andreas Kriegenburg:
handlich, passt in jede nungsbild Vancouvers. „Diebe“ von Dea Loher;
Schublade. Jetzt weiß ich Doch wer mit einiger Auf- Schauspielhaus Graz, Regie
endlich warum. merksamkeit durch die dritt- Victor Bodó: „Die Stunde da
Chopin wird da mal eben größte Stadt Kanadas streift, wir nichts voneinander wuß-
so in zwei Knauserzeilen als wird schnell bemerken, dass ten“ von Peter Handke; Tha-
reiner Klavierkomponist die Stadt am Pacific Rim nicht lia Theater, Hamburg, Regie
abgefertigt. Weniger Text ist nur für die Abenteurer unter Stephan Kimmig: „Liebe und
er dem Autor wert als etwa den Touristen ein Magnet sein Geld“ von Dennis Kelly; Tha-
die Professorenmusik eines muss. Vancouver ist auch eine lia Theater, Hamburg in
„Quintenhermann“ Schrö- Stadt der Künstler – Vancou- Koproduktion mit Schau-
der – das muss man erst mal ver ist Geburtsort, Lebensmit- spiel Köln, Regie Nicolas Ste-
aushalten. telpunkt und Rückzugsgebiet mann: „Die Kontrakte des
Gleichwohl hat nament- für international angesagte Kaufmanns. Eine Wirtschafts-
lich die späte Cellosonate Kunstschaffende. komödie“ von Elfriede Jeli-
immer die interpretatorische nek; Schauspiel Köln, Regie
Prominenz beschäftigt, von
»Die Macher mussten
Karin Beier: „Die Schmutzi-
der du Pré bis zu Rostropo-
lernen, alles selbst
gen, die Hässlichen und die
witsch. Wenn der junge däni-
hinzubekommen,
Gemeinen“ von Ettore Scola;
sche Ausnahmecellist And-
auch die Publicity«
Schauspiel Köln, Regie Johan
reas Brantelid sich mit sei- Simons, Paul Koek: „Kasimir
nem Giovanni-Grancino-Cel- Auch das kulturhistorische Museum von Vancouver schmückt sich mit Kunst. Fotos: Imago und Karoline“ von Ödön von
lo aus dem Jahre 1690 zu Jeff Wall etwa, der hoch Horváth. Koproduktion NT
Wort meldet, eröffnet er also geschätzte Fotokünstler, oder Ansammlung hochkarätiger hier mussten lernen, alles internationalen Kunsthimmel schern und Wäldern, als Quel- Gent und De Veenfabriek;
keineswegs eine neue Debat- das vielschichtig arbeitende Künstler in Vancouver gibt es selbst hinzubekommen, auch aufsteigt. le künstlerischer Inspiration Münchner Kammerspiele,
te. Multitalent Rodney Graham nicht. Zu unterschiedlich sind die Publicity. Die Nachwuchskünstler erahnen. Brian Jungen hin- Regie Luk Perceval: „Kleiner
und Stan Douglas mit seinen ihre Lebensläufe, Ausbildun- Die Galerien- und Scott McFarland und Brian gegen, einer der wenigen Mann – was nun?“ von Hans
Blindes Verständnis originellen Videoinstallatio- gen und Arbeitsweisen. Von Museumslandschaft Vancou- Jungen sind dort längst ange- renommierten Künstler mit Fallada; Burgtheater Wien,
nensindanprominenterStelle einer „Talentschmiede“ weiß vers ist überschaubar, aber kommen. Sie gelten als neue indianischen Wurzeln, wid- Regie Kelly Copper & Pavol
Aber seine Aufnahme, die zu nennen. Ian Wallace, Ken man in British Columbia engagiertinderFörderungdes „Shootingstars“ der West-Co- met sich mit seinen erfri- Liska / Nature Theater of
jetzt bei EMI erschien und Lum und Roy Arden stehen nichts.Dafürwirdaufdie„Do- hochkarätigen Künstlerpoten- ast. In den subtilen Land- schendhintergründigenPlasti- Oklahoma: „Life and Times -
zusätzlich das Grand Duo ihnenanAnsehenkaumnach, it-yourself“-Mentalität der zials. Die Contemporary Art schafts- und Gartenfotogra- ken und Masken der nationa- Episode 1“; Burgtheater
nach Themen aus Meyer- sie bereichern das Bild von geografischen Außenseiter Gallery genießt einen exzel- fien McFarlands lässt sich die lenIdentitätundAlltagskultur Wien, Regie Roland Schim-
beers „Robert le Diable“ und Vancouver als Ort für Künst- hingewiesen. Die „Macher“ lenten Ruf, was Tendenzen in inspirierende, einzigartige – gerade im ethnisch enorm melpfennig: „Der goldene
das frühe Klaviertrio enthält ler.Sieallestammenundleben der zeitgenössischen Kunst LandschaftBritishColumbias, vielfältigen Vancouver ein Drache“ von Roland Schim-
(mit der berückend spielen- in und um Vancouver. Häufig angeht. Bildende Kunst von mit gewaltigen Bergen, Glet- bedeutendes Thema. melpfennig; Wiener Festwo-
den jungen, von Anne findetsichdienamhafteGrup- internationalem Rang findet chen, Regie Christoph Mart-
Sophie Mutter geförderten pe unter dem Begriff „Vancou- sich in der Vancouver Art
JEFF WALL
haler: „Riesenbutzbach. Eine
norwegischen Geigerin Vilde verSchool“zusammengefasst. Gallery mit etwa 8000 Wer- Dauerkolonie“, Ein Projekt
Frang), glänzt mit wichtigen Doch ihren eigenen Vorstel- ken. In regelmäßigen Abstän- von Christoph Marthaler und
Nur kurz an der Düsseldorfer Akademie
Argumenten. Es ist der hohe lungen entspricht das nicht den veranstaltet das Museum Anna Viebrock. ddp
kammermusikalische unbedingt – ist doch jeder Ein- kleinere „Kabinettausstellun- Der für seine großformatigen Jeff Wall, der auch Aufsätze
Anspruch, der fasziniert, das zelne von ihnen ein höchst gen“, um einzelne Gegen- Foto-Leuchtkästen berühmt über Rodney Graham, Roy
Filmwissenschaftler
blinde Verständnis zwischen individueller Künstler. Höch- wartskünstler in den Vorder- gewordene Jeff Wall (64) sollte Arden und Ken Lum geschrie-
dem Cellisten und Marianna stensderBezugzurVideo-und grund zu rücken. Zahlreiche, 1996 an der Düsseldorfer ben hat, studierte selbst an
Koebner ausgezeichnet
Shirinyan. In diesem Zusam- Fotokunst vereint die Kana- nahe beieinander gelegene Kunstakademie eigentlich der Universität von British Berlin. Die evangelische und
menwirken ist die aus Arme- dier – und die Tatsache, dass Galerien und das renommier- Nachfolger des stilprägenden Columbia in Vancouver. Dort die katholische Kirche haben
nien stammende Pianistin sie im Ausland zu Stars wur- te Kunstauktionshaus „Hef- Bernd Becher werden. Wall gab baute er 1970 seinen Master den Filmwissenschaftler Tho-
sogar manchem der hochdo- den. In New York, London, fel“inderGranvilleStreetbie- sein Amt aber am Tag des über die Berliner Dada-Szene, mas Koebner einen Sonder-
tierten Tastenstars überlegen, Berlin,feiertemancher Trium- ten Kunstenthusiasten Grund Antritts gleich wieder auf, dort unterrichtet er heute wie- preisverliehen.Erwirdwegen
die den Klavierpart vielleicht phe und füllte Galerien, bevor zur Freude. Und bei „Monte nachdem ein ehemaliger der. Wall bekam 2002 den seiner Verdienste um die
doch zu sehr aus der Pers- die eigene Heimat dieses Clark“, „Jacana“ oder „Bau- Becher-Schüler angeblich mit Hasselblad-Preis und ist seit Anerkennung des Films als
pektive der Solowerke ange- Potenzial zur Kenntnis nahm. Ein indianischer Totempfahl – Xi“ lässt sich der ein oder einer Pistole auf ihn angelegt 2006 auch Mitglied der Royal Kunstform ausgezeichnet. Er
hen. Die Schublade grüßt. Eine schlagende, einfache überall in Vancouver ist die Kunst andere Nachwuchskünstler haben soll. Society of Canada. hatdasInstitutfürFilmwissen-
Hajo Berns Erklärung für die geballte der Ureinwohner präsent. entdecken, bevor er in den schaft in Mainz gegründet. epd
RÄTSEL COMICS
Auflösung vom 13. Februar
Schwierig
Füllen Sie das Raster mit den Zah-
lenvon1bis9.InjederZeileundin
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