restricted
KÖRPERLICHKEIT UND
Diese Balance wurde beim EDC Las Vegas auf die Probe gestellt. Sonntagabend, Closing-Set. Die Crowd verdichtete sich, bis eine Grenze überschritten war. Die Musik stoppte. Die Feuerwehr griff ein. Für einen Moment ge- hörte das Set nicht mehr ihm.
„Sicherheit geht immer vor. Nie- mand will die Party stoppen, aber wenn es unsicher wird, ist es das nicht wert. Die Priorität ist, dass es allen gut geht. Sobald alles wieder unter Kontrolle ist, pushen mich solche Momente ehrlich gesagt noch mehr in den Instinkt. Ich habe das Gefühl, unter Druck sogar besser zu performen. Es versetzt mich in einen ande- ren Mindset. Diese Intensität ist krass sie hebt den Raum, und sie hebt mich mit.“
Bei Creamfields kommt der
Druck von woanders. Steel Yard hat seine eigene Gravitation, und ein
Triple-Back-to-back
bedeutet, von Beginn an Kontrolle abzugeben.
„Steel Yard ist eine meiner Lieblingsbühnen im UK. Cream- fields stand sowieso auf meiner Bucket List, und letztes Jahr war ehrlich eines meiner besten Sets überhaupt. Zurückzukommen und Steel Yard schon im zweiten Jahr wieder zu spielen, fühlt sich unreal an. Ich liebe neue Dinge und Herausforderungen, aber ehrlich: Drei Leute back-to-back ist hart. Mit zwei Leuten stimmt man eine Energie ab, eine Richtung. Mit drei versucht man, drei unterschiedliche Sounds und Instinkte gleichzeitig auszurich- ten. Das bringt eine zusätzliche Variable alles kann passieren. Aber genau das macht es auch so spannend. Unberechenbar im besten Sinne.“
Die Körperlichkeit in Restric- teds Sets ist keine theatrale Performance. Sie ist Notwendi- gkeit. Bewegung ist das Vehikel, durch das die Musik reist. Wie löst sich Spannung?
„Sich bei ein- oder zweistündigen Sets ständig zu bewegen, ist für mich kein Problem“, sagt er. „Das fühlt sich normal an.“
Was sich änderte, war nicht der Aufwand, sondern die Summe. Letzten Sommer
spielte er
fast 70 Shows in vier Monaten. Harte Bühnen. Schlechte Schuhe. Kaum Erholung.
Und doch spricht er am liebsten über den physischen Aspekt.
„Jedes Set fühlt sich an wie ein HIIT-Workout“, sagt er lachend.
Je fordernder das Set, desto präsenter fühlt er sich. Der Raum reagiert auf diese Sichtbarkeit. Aufwand, der als Aufwand erkannt wird.
„Ich habe mein ganzes Leben Sport gemacht, deshalb ist konstante Bewegung für ein- oder zweistündige Sets kein
Thema. Aber letzten
Sommer hatte ich rund 70 Shows in vier Monaten meine Beine waren komplett durch. Vor allem mit dem vielen Springen auf harten Bühnen. Und dann noch schlechte Schuhe, das hat auch nicht geholfen.“
Diese Präsenz zieht sich durch alles, was er aufbaut: Revive. Touren. Die Art, wie er produziert, wenn Zeit da ist. Nichts davon ist als Eroberung gedacht. Keine Fixierung, keine großen Worte. Nur Systeme, die in Echtzeit ge- testet und angepasst werden. Tracks, die sich entwickeln.
Shows, die sich dehnen. Ein Heimatland, das sich nach zehn Jahren Wartezeit endlich öff- net. Neue Märkte, die die Spra- che über Bewegung lernen, nicht über Erklärungen.
Am stärksten bleibt seine Ehrlichkeit. Selbst wenn er über Platten spricht, die seinen Weg verändert haben, oder
Räume, die in Minuten aus- verkauft waren, bleibt der Ton ruhig. Ihn interessiert weniger, dass etwas funktioniert hat, als warum.
Er spricht auch offen über
Grenzen etwas, das viele Artists vermeiden. Zeit ist knapp. Touren verengt Optionen, man- chmal zahlt auch der Körper den Preis. Nichts davon wird drama- tisiert oder als Opfer dargeste- llt. Es wird wahrgenommen und eingeplant. Wenn er
Musikmachen spricht, ist die Version, die er am meis- ten schätzt, langsam und haptisch – ein Ansatz, der ihm nicht oft zur Verfügung steht. In dieser Lücke liegt kein Klagen, nur Bewusstsein.
Im Kern wirkt Restricted prag- matisch und aufmerksam. Er achtet auf Räume, auf Mens- chen, darauf, wie viel Druck Dinge aushalten, bevor
sie
brechen. Diese Aufmerksamkeit prägt, wie er performt, wie er Musik veröffentlicht und wie er Strukturen um sich herum aufbaut. Sein Fokus liegt darauf, im Inneren der Musik geerdet zu bleiben, die Arbeit sorgfältig zu tun und alles andere in seinem eigenen Tempo entstehen zu lassen.
über
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„Die physische Gestaltung der Bühnenbilder von Restricted ist keine Performance im theatralischen Sinne. Sie ist eine Notwendigkeit.“
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