mixmag germany
restricted
Geduld, Instinkt und Unberechenbarkeit
Das mag überraschen, aber Restricted stürmt nicht kopflos in den Raum. Weder auf der Bühne noch im Gespräch. Er hält die Dinge eng. Abgewogen. Fokussiert. Es entsteht der Eindruck, dass Energie eher zurückgehalten als sofort verbraucht wird, selbst abseits der Bühne durchläuft alles dieselbe innere Prüfung, bevor es nach außen darf.
Diese Kontrolle kam nicht mit Selbstverständlichkeit. Sie wuchs langsam, über Jahre des Tourens hinweg, in denen sich der Sound oft schneller verbreitete als die Anerkennung für seine Arbeit. Australien verlangte ihm viel Geduld ab. Europa brachte Größe und die Wucht der Menschen, die sich mit dem verbanden, was er der Szene zuführte. Amerika kam später und härter: ausverkaufte Shows, eine Energie im Publikum, die alles überwältigend real machte.
Irgendwann musste Instinkt mit Verantwortung ausbalanciert werden. Wie weit lässt sich ein Raum treiben? Wie lange hält ein Körper durch, wenn Momentum nicht mehr trägt? In unserem Gespräch sprechen wir über Wachstum, Verständnis, Wertschätzung und über eine Welt, die für einen Künstler, der sie gerade erobert, immer kleiner wird. Macht euch bereit: Das hier ist gut.
TUNNELBLICK UND MUSIKMA- CHEN
Tunnel Vision wurde für Restricted zu einem prägenden Release. Wenn ein Track eine derart klare Benchmark setzt, ist es schwer, sich
nicht von seinem Erfolg
mitreißen zu lassen und gleichzei- tig dem treu zu bleiben, was ihn so resonant gemacht hat.
„In meinen Augen war es ein großer Hit für diesen Sound, aber meine Ziele drehen sich immer darum, mehr zu wollen und weiter zu kom- men. Viele Elemente aus der Pro- duktion dieses Tracks haben sich in die folgenden Releases übertragen und den Stil geformt. Ich hätte mir keinen besseren ersten Release auf meinem eigenen Label wünschen können.“
Diese Haltung wurde durch permanente Bewegung geschärft. Ständiges Touren komprimiert Zeit und mit ihr Möglichkeiten. Musik zwischen Flügen und Soundchec- ks zu schreiben, lässt wenig Raum fürs Abschweifen. Das Studio wird so zu einem Ort der Notwendigkeit statt der Erkundung. Wie er es beschreibt:
„Wenn man unterwegs produziert, hat man deutlich weniger Zeit. Man muss diese Zeit
wirklich nutzen.
Statt experimenteller zu sein“, gibt er zu, „schreibe ich eher das, von dem ich weiß, dass es funktioniert. Ich liebe es zu produzieren, wenn ich wirklich Zeit habe, mich hinzusetzen und es wie ein Gemälde zu behandeln, Schritt für Schritt daran zu arbeiten und Neues auszuprobieren. So mache ich am liebsten Musik. Aber 2025 war extrem hektisch. Ich hatte kaum Zeit.“
AUTHOR: SERGIO NIÑO PHOTOGRAPHY: SOPHIA CAREY (@SOPHIACAREY)
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